HDE-Konsumbarometer: Verbrauchervertrauen stabilisiert sich – zumindest kurzfristig
Düsseldorf. Das HDE-Konsumbarometer hat seinen im Frühjahr begonnenen Abwärtstendenz beendet und sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Für November zeigt das Barometer 97,25 Zähler an, den höchsten Stand seit drei Monaten.
Der Index basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten in Deutschland; er wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für den Handelsverband HDE berechnet.
Aufgehellt haben sich die Einkommenserwartungen der befragten Verbraucher. Auch die Einschätzungen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verbesserten sich im Vergleich zum Vormonat.
Hingegen nahmen die Sorge vor steigenden Preisen wieder etwas zu. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Verbraucherbefragung vor Veröffentlichung der schlechten Nachrichten beim Autobauer Volkswagen sowie den jüngsten Daten zu Inflation und Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal stattfand. Erfahrungsgemäß wird die Verbraucherstimmung auch von aktuellen Wirtschaftsnachrichten beeinflusst.
Jüngste Daten deuten darauf hin, dass die Konjunktur ihren Tiefpunkt erreicht haben könnte – ohne dass jedoch ein merklicher Aufschwung bevorsteht. Das Ifo-Geschäftsklima steigt seit zwei Monaten, nach amtlichen Daten stieg die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal leicht an, nachdem sie im Frühjahr stärker als bislang geschätzt geschrumpft war.
Ferner scheint sich die Inflation um die Zweiprozentmarke einzupendeln. Außerdem entwickelte sich der Einzelhandelsumsatz zuletzt etwas besser; inflationsbereinigt lag er zum Ende des dritten Quartals knapp über Vorjahresniveau. Weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank könnten überdies die Konjunktur stimulieren.
Bald wieder drei Millionen Arbeitslose?
Zum Risiko für eine mögliche Stabilisierung entwickelt sich mehr und mehr der Arbeitsmarkt. Angesichts einer stark steigenden Anzahl von Insolvenzen und Sparprogrammen in vielen Industrieunternehmen wächst die Arbeitslosigkeit sukzessive.
Im Oktober stieg die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt um 27.000 Personen, das war der stärkste Anstieg seit Juni 2023. „Die Herbstbelebung fällt in diesem Jahr weitestgehend aus“, stellte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, fest.
Im Oktober erhielten 891.000 Personen Arbeitslosengeld, 109.000 mehr als vor einem Jahr. Arbeitslosengeld wird meist zwölf Monate lang gezahlt, es erhalten Personen, die zuvor Beiträge gezahlt haben und ihren Arbeitsplatz verloren haben.
» Lesen Sie auch: Tages- und Festgeld – Wie Sparer die Inflation schlagen können
Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten lag im Oktober bei 3.959.000. Gegenüber Oktober 2023 war dies ein Anstieg um 34.000 Personen. Die kurzfristige Arbeitslosigkeit steigt also deutlich schneller als die Langzeitarbeitslosigkeit.
Bereits seit Juni 2022 wächst die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit nahezu stetig, im Schnitt um fast 20.000 Personen pro Monat. Das Handelsblatt Research Institute erwartet, dass dieser Trend anhält, sodass 2025 im Jahresdurchschnitt etwas mehr als drei Millionen Arbeitslose gemeldet sein dürften. Das wäre der höchste Wert seit 2010.
Gestützt wird diese Einschätzung vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. IAB-Experte Enzo Weber geht davon aus, dass „die Flaute anhält“. Industrie, Bau, Handel und Zeitarbeit schrumpften, die Beschäftigungsaussichten blieben „weiterhin gedämpft“.
Verbraucher halten ihr Geld beisammen
Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, müssen meist ihren Konsum einschränken, da das Arbeitslosengeld für Kinderlose lediglich 60 Prozent des letzten Nettolohns beträgt. Beschäftigte, die sich Sorgen um ihren Job machen, scheuen daher große Ausgaben und stocken eher ihre Rücklagen auf.
Somit dämpft bereits die Sorge vor Arbeitsverlust den privaten Konsum. Nach amtlichen Angaben betrug die Sparquote in Deutschland im ersten Halbjahr 11,1 Prozent; sie lag damit einen Punkt über dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums.
Traditionell sparen die Deutschen im internationalen Vergleich sehr viel. In Italien legten die Verbraucher vergangenes Jahr nur 0,3 Prozent, in Japan 2,8 Prozent und in den USA 4,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante.
Eine Sparquote von 11,1 Prozent bedeutet, dass die privaten Haushalte jeden neunten Euro ihres verfügbaren Einkommens sparen. Monatlich entspricht dies im Schnitt 280 Euro je Einwohner, allerdings gibt es abhängig von Einkommenshöhe, Lebenslage und Sparneigung „sehr deutliche Unterschiede“, wie das Statistische Bundesamt bestätigt.
Das gesamtwirtschaftliche Sparvolumen belief sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 saisonbereinigt auf 142 Milliarden Euro – dies entspricht in der Größenordnung der in einem halben Jahr gezahlten Mehrwertsteuer.
Noch hofft der Handel auf das Weihnachtsgeschäft, doch die Chancen, für einen echten Schub beim privaten Konsum, stehen nicht gerade gut. „Nach einer herausfordernden Geschäftsentwicklung im bisherigen Jahresverlauf zeigt das Geschäftsklima bei den Einzelhändlern vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts nur wenig Impulse“, bestätigt Ifo-Experte Patrick Höppner.