Landesbank: Helaba strebt Milliardengewinn an – trotz geringerer Zinsen
Frankfurt. Trotz globaler Unsicherheiten und Problemen des Wirtschaftsstandorts Deutschland erhöht die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ihre mittelfristigen Gewinnziele. Sie will künftig eine Milliarde Euro vor Steuern verdienen, wie Vorstandschef Thomas Groß am Dienstagabend sagte. Die Bank strebt dieses Ergebnis ab dem Jahr 2027 an.
Aktuell geht die Helaba „nach wie vor davon aus, dass wir 2024 ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres erreichen“, sagte Groß. 2023 hatte die Bank einen Vorsteuergewinn von 770 Millionen Euro erzielt – so viel wie noch nie.
Mit dem Gewinnziel von einer Milliarde Euro läge die Helaba, die drittgrößte Landesbank, noch hinter den jüngsten Ergebnissen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der BayernLB. Die LBBW, die größte Landesbank, verdiente im vergangenen Jahr knapp 1,4 Milliarden Euro vor Steuern. Bei der BayernLB waren es ebenfalls gut 1,4 Milliarden Euro.
Mehr Kredite für energetische Sanierung erwartet
Die Helaba gehört zu den größten Immobilienfinanzierern aus Deutschland und musste wegen der Immobilienkrise unter anderem in den USA eine hohe Summe als Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite bilden. Die Landesbank erwägt auch Zukäufe. „Wir sind offen für Kooperationen und anorganisches Wachstum“, sagte Groß.
Erst vor einem Jahr hatte die Helaba das mittelfristige Ziel angehoben und erklärt, dass sie einen Vorsteuergewinn von 750 Millionen Euro anpeile statt zuvor von 500 Millionen Euro. Damals hatte Groß die höheren Gewinne mit der Rückkehr des Zinses nach dem Ende der Negativzinsphase in der Euro-Zone begründet.
Nun erhöht die drittgrößte deutsche Landesbank das Gewinnziel, obwohl die Zinsen zuletzt wieder gesunken sind und Deutschland als Wirtschaftsstandort zurückgefallen ist.
Zeitweise erhielten Geschäftsbanken vier Prozent Zinsen, wenn sie Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parkten. Inzwischen hat die EZB den Einlagenzins jedoch in mehreren Schritten wieder gesenkt, zuletzt auf 3,25 Prozent. Helaba-Chef Groß rechnet gleichwohl mit hohen Investitionen in Infrastruktur sowie Wohnraum und einem entsprechenden Kreditbedarf.
„Wir sind fest davon überzeugt, dass unser Immobiliengeschäft zu alter Stärke zurückkehren wird“, sagte Groß. Als Begründung führte er den hohen Bedarf an Wohnraum und energetischer Sanierung an. Teil der Helaba ist die Frankfurter Sparkasse, für die, wie bei Sparkassen üblich, Baufinanzierung ein wichtiges Geschäft ist. 2023 hatte die Helaba im Immobiliengeschäft einen Verlust von 240 Millionen Euro erlitten.
Wachstumschancen sieht die Helaba auch im Geschäft von Infrastrukturfinanzierungen, angesichts des Trends zu bargeldlosem Bezahlen im Zahlungsverkehr sowie im Geschäft mit der Vermögensverwaltung und reichen Privatkunden. Mit der Frankfurter Bankgesellschaft hat die Helaba eine Private-Banking-Tochter.
Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen in Hessen und Thüringen, deren Anteil jüngst aber von 69 auf 50 Prozent gesunken ist. Hintergrund ist, dass das Land Hessen seine Beteiligung an der Helaba auf Druck der Bankenaufsicht umbauen musste.