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Deutscher Digitalpreis „The Spark“Aignostics – KI sucht den Krebs

Die Untersuchung von Gewebe auf Krebs und andere Krankheiten ist mühsam. Aignostics erleichtert die Arbeit mit einem intelligenten System – und ermöglicht so neue Medikamente.Christof Kerkmann 17.11.2024 - 12:08 Uhr Artikel anhören
Aignostics-Chef Viktor Matyas: Er will will die Untersuchung von Gewebeproben erleichtern. Foto: Marc-Steffen Unger

Berlin. Der Kampf gegen Krebs ist eine mühsame Arbeit. Mediziner untersuchen unter dem Mikroskop Gewebe, um krankhafte Veränderungen zu entdecken. Dabei können sie aus Zeitgründen jedoch allenfalls Stichproben untersuchen.

Aus Sicht des Start-ups Aignostics ist dieses Verfahren nicht mehr zeitgemäß. „Das können wir mit Künstlicher Intelligenz deutlich besser machen“, sagt Firmenchef Viktor Matyas. Das Team mit mehr als 100 Mitarbeitern entwickelt eine Technologie, die Auffälligkeiten automatisch identifiziert. Mit dieser Innovation hat die Ausgründung der Charité in Berlin beim Deutschen Digitalpreis „The Spark“ den dritten Platz belegt.

Die Idee stammt von Mitgründer Frederick Klauschen, der Medizin und Physik studiert hat. Bei seiner Arbeit in der Pathologie der Charité untersuchte er selbst immer wieder mühsam Gewebeproben. Als jemand mit technischem Hintergrund war ihm schnell klar, welches Potenzial ein digitales Assistenzsystem haben könnte.

Aignostics macht sich die Stärken der Künstlichen Intelligenz bei der Mustererkennung zunutze. Ein Algorithmus markiert auf den Aufnahmen von Gewebeproben krankhafte Veränderungen. Das Trainingsmaterial stammt von Ärzten an Kliniken wie der Charité, die auf zahlreichen Bildern Auffälligkeiten einzeichnen – im Fachjargon spricht man davon, dass sie die Daten annotieren.

Bis dato hat Aignostics Algorithmen für die Erkennung von Lungen-, Brust- und Darmkrebs trainiert. Das Start-up hofft auf weitere Einsatzgebiete. So hinterlassen entzündliche Krankheiten wie Nierenfibrose Spuren im Gewebe, die eine Bilderkennung automatisch markieren kann.

Hilfe bei der Medikamentenforschung

Die wichtigste Zielgruppe für Aignostics sind nicht Kliniken mit Pathologie. Das Start-up arbeitet mit Pharma- und Biotech-Firmen zusammen, etwa Bayer. Die Konzerne wollen mit der Technologie die Medikamentenforschung beschleunigen: Anhand der Gewebeproben können sie untersuchen, ob und welche Medikamente beispielsweise gegen Krebs wirken.

Derzeit handelt es sich noch um einzelne Projekte. Ab dem kommenden Jahr will das Aignostics-Management einen größeren Markt bedienen: Dann soll eine Plattform in der Cloud online gehen, auf der Pharmaunternehmen ihre Daten vollständig automatisch analysieren lassen können. Damit dürfte das Prinzip auch für viele kleinere Anbieter praktikabel werden.

Dieser Schritt dürfte helfen, das Geschäft aufzubauen. Aktuell schreibt das Start-up nach eigenen Angaben einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich, bei einem schnellen Wachstum.

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Investoren bewerten das Geschäftsmodell als vielversprechend. Vor einigen Tagen hat Aignostics in einer Finanzierungsrunde umgerechnet 32 Millionen Euro Risikokapital erhalten, unter anderem vom Family-Office der Gebrüder Strüngmann und dem renommierten amerikanischen Krankenhausbetreiber Mayo Clinic.

Diese Mittel investiert Aignostics zum einen in Forschung und Entwicklung. So arbeitet das Start-up an einem eigenen Grundlagenmodell mit Künstlicher Intelligenz, das die Bilderkennung weiter verbessern soll. Zum anderen baut das Management die Präsenz in den USA aus.

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