Unicredit: Banco BPM weist Übernahmeangebot von Unicredit zurück
Frankfurt. Die italienische Großbank Unicredit stößt mit ihrem Übernahmeangebot für den heimischen Konkurrenten Banco BPM auf Widerstand – genauso wie beim anvisierten Kauf der Commerzbank. Banco BPM teilte am Dienstag mit, die Offerte sei nicht abgesprochen gewesen und nach einer ersten Einschätzung des Managements nicht attraktiv für die eigenen Aktionäre.
Das Unicredit-Angebot „reflektiert in keiner Weise die bestehende Profitabilität und das zusätzliche Wertpotenzial“ von Banco BPM, kritisierte das Institut. Zudem würde eine Übernahme aus Sicht von BPM für Unsicherheit sorgen, weil nicht klar sei, was aus Unicredits Expansionsplänen in Deutschland werde.
Unicredit hat sich im September mit neun Prozent an der Commerzbank beteiligt und über Finanzinstrumente mittlerweile bereits Zugriff auf 21 Prozent der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde das Institut am liebsten komplett übernehmen. Das Commerzbank-Management und die Bundesregierung sehen seine Pläne jedoch kritisch.
Am Montag kündigte Orcel dann überraschenderweise ein Übernahmeangebot für Banco BPM an. Orcel möchte das Institut für rund zehn Milliarden Euro übernehmen und die Akquisition mit eigenen Aktien bezahlen. Er bietet 0,175 Unicredit-Aktien für jede BPM-Aktie.
Das Umtauschverhältnis entspricht einem Angebotswert von 6,67 Euro pro BPM-Aktie. Das wäre nur ein Aufschlag auf den Schlusskurs der Aktie vom Freitag von 0,5 Prozent, bemängelt BPM.
Orcel argumentiert dagegen, das Angebot stelle einen Aufschlag von 15 Prozent gegenüber dem bereinigten Kurs von BPM vom 6. November dar. An diesem Abend legte BPM ein 1,6 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für den Asset-Manager Anima vor, was den BPM-Aktienkurs beflügelte. Der Deal ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
BPM warnt vor Einschränkung des Wettbewerbs
BPM kündigte am Dienstag an, die Übernahme von Anima wie geplant voranzutreiben – genauso wie die bis 2026 ausgelegte Strategie des Instituts. Darüber hinaus warnte die Bank vor einem großen Stellenabbau im Falle einer Übernahme. Die von Unicredit in Aussicht gestellten Kostensynergien von 900 Millionen Euro entsprächen mehr als einem Drittel der Gesamtkosten von Banco BPM.
Zudem warnte das Institut, dass eine Übernahme „den Wettbewerb am italienischen Bankenmarkt reduzieren würde, sowohl bei Privatkunden als auch bei Unternehmenskunden“. Diese Warnung ist vermutlich auch an die italienische Regierung gerichtet, die sich bisher verhalten zu einer möglichen Übernahme durch Unicredit geäußert hat.
In der italienischen Regierung hätten viele nämlich gehofft, dass BPM zusammen mit der langjährigen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena eine Konsolidierung des italienischen Bankenmarkts vorantreibt und den Schwergewichten Intesa Sanpaolo und Unicredit verstärkt Konkurrenz macht.
BPM hatte dem italienischen Staat kürzlich eine Beteiligung von fünf Prozent an Monte dei Paschi abgekauft. Bei einer erfolgreichen Übernahme von Anima würde der Anteil steigen, weil der Asset-Manager ebenfalls an Monte dei Paschi beteiligt ist.
Eine weitere Hürde für Unicredit ist, dass die französische Großbank Crédit Agricole bereits an BPM beteiligt ist. Laut Bloomberg-Daten hält sie aktuell neun Prozent am italienischen Geldhaus.