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UnicreditOrcel will BPM kaufen – Commerzbank-Deal wird unwahrscheinlicher

Unicredit-Chef Andrea Orcel bietet zehn Milliarden Euro für Banco BPM und räumt ein, dass ein Kauf der Commerzbank unwahrscheinlicher geworden ist. Die Aktien reagiert deutlich.Andreas Kröner 25.11.2024 - 18:17 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Unicredit-Chef Andrea Orcel über das Interesse an der Commerzbank: „Wir haben nicht die Möglichkeit, kurzfristig voranzukommen.“ Foto: Bloomberg/Getty Images

Frankfurt. Unicredit-Chef Andrea Orcel hat mal wieder alle überrascht. Mitten im Übernahmekampf mit der Commerzbank kündigte er am Montag ein Kaufangebot für den heimischen Konkurrenten Banco BPM an. Orcel möchte das Institut für zehn Milliarden Euro übernehmen und die Akquisition mit eigenen Aktien bezahlen. Gelingt der Deal, könnte Unicredit zur wertvollsten Bank der Euro-Zone aufsteigen.

Am italienischen Bankenmarkt komme eine Konsolidierung in Gange, bei der Unicredit nicht außen vor bleiben könne, sagte Orcel. Durch einen Kauf von BPM wolle das Mailänder Institut seinen Marktanteil ausbauen und seine Position als zweitgrößtes Geldhaus des Landes hinter Intesa Sanpaolo festigen.

„Das heutige Angebot hat keine Auswirkungen auf unser bestehendes Investment bei der Commerzbank – einem Institut, das in einem anderen Kernmarkt von uns aktiv ist“, erklärte Orcel. Unicredit ist in Deutschland seit 2005 mit der Hypovereinsbank (HVB) präsent.

Im September stiegen die Italiener dann mit neun Prozent bei der Commerzbank ein und haben sich über Finanzinstrumente inzwischen Zugriff auf 21 Prozent der Anteile gesichert. Orcel würde Deutschlands zweitgrößte Privatbank am liebsten komplett übernehmen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, ist aus Sicht von Unicredit mittlerweile aber geringer als beim Einstieg erwartet – vor allem wegen des Widerstands des Managements und der Bundesregierung. Zudem zieht sich der Prozess länger hin als von Orcel ursprünglich erhofft.

„Wir haben nicht die Möglichkeit, kurzfristig voranzukommen, und möglicherweise wird es überhaupt keine Möglichkeit geben, voranzukommen“, sagte der Unicredit-Chef.

Entscheidung erst nach der Bundestagwahl

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat deutlich gemacht, dass sie große Vorbehalte gegen eine Übernahme hat. Auch die Bundesregierung, die noch mit zwölf Prozent am Institut beteiligt ist, und Oppositionsführer Friedrich Merz haben sich dagegen ausgesprochen.

Das Vorgehen der Unicredit sei feindlich und nicht transparent, sagte Finanzminister Jörg Kukies vergangene Woche. „Kein Land würde ein solches Verhalten akzeptieren bei einem potenziellen Übernahmeangebot für eine systemrelevante Bank.“

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat große Vorbehalte gegen eine Übernahme. Foto: Alex Kraus/laif

Orcel bekräftigte, er werde erst nach der Bundestagswahl entscheiden, ob Unicredit eine Übernahme der Commerzbank vorantreibe oder wieder aussteige. Eine potenzielle Integration von HVB und Commerzbank werde somit nicht mit einer potenziellen Übernahme von BPM kollidieren. „Wir werden niemals zwei Banken zur selben Zeit integrieren.“

Orcel geht davon aus, dass er den Kauf von BPM bis Juni 2025 abschließen kann und die Integration spätestens bis Juni 2026. Wenn es mit der Commerzbank keine Überschneidung geben soll, könnte Orcel eine Übernahme des Frankfurter Instituts somit frühestens ab Sommer 2025 forcieren – unter der Annahme, dass eine solche Akquisition rund neun Monate in Anspruch nimmt.

Viele Börsianer sind der Ansicht, dass eine Übernahme der Commerzbank durch Unicredit nach dem Angebot für BPM unwahrscheinlicher geworden ist. Die Commerzbank-Aktie brach am Montag um fünf Prozent auf 14,58 Euro ein und war damit mit Abstand Schlusslicht im Leitindex Dax. Die Papiere von Unicredit gaben knapp fünf Prozent auf 36,28 Euro nach.

Analyst Johann Scholtz von Morningstar kann das Vorgehen von Orcel nicht nachvollziehen. Eine Übernahme von BPM wäre aus seiner Sicht zwar gut für Unicredit, weil die Gewinne am italienischen Bankenmarkt höher seien als in Deutschland und es zudem nach einem Zusammenschluss Potenzial für Kostensenkungen gäbe.

„Im Gegensatz zum geplanten Kauf der Commerzbank ist das Übernahmeangebot für BPM strategisch sinnvoll“, erklärte Scholtz. Er sei jedoch überrascht, dass Unicredit auch eine Commerzbank-Übernahme weiter vorantreibe. „Das Management wird viel Zeit aufwenden müssen, um zwei große Deals zu managen.“

Commerzbank-Chefin Orlopp hat gewarnt, dass die Integration von zwei großen Banken schwierig ist und die betroffenen Institute jahrelang beschäftigt. Sollte Unicredit zwei Übernahmen parallel oder kurz nacheinander stemmen, wären die Umsetzungsrisiken aus Sicht von Commerzbank-Insidern noch höher. Ein Sprecher des Instituts wollte sich zum Unicredit-Angebot für BPM nicht äußern.

Deal soll bis Sommer 2025 stehen

Orcel will die Übernahme von BPM mit eigenen Aktien bezahlen und nutzt dabei Unicredits hohe Bewertung von rund 60 Milliarden Euro aus. Damit wird das Institut auch im Verhältnis zu seinem Eigenkapital deutlich höher bewertet als die meisten europäischen Konkurrenten. Das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis von Unicredit beträgt aktuell 1,02 – verglichen mit 0,68 bei Banco BPM, 0,58 bei der Commerzbank und 0,48 bei der Deutschen Bank.

Unicredit will 0,175 eigene Stammaktien für jede BPM-Aktie bieten. Das Umtauschverhältnis entspricht einem Angebotswert von 6,67 Euro pro Aktie. Das wäre nur ein Aufschlag auf den Schlusskurs der BPM-Aktie vom Freitag von 0,5 Prozent.

Unicredit will 6,67 Euro für jede BPM-Aktie bieten, um den Rivalen zu schlucken. Foto: REUTERS

Laut Unicredit stellt das Angebot aber einen Aufschlag von 15 Prozent gegenüber dem bereinigten Kurs von BPM vom 6. November dar. An diesem Abend legte BPM ein 1,6 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für den Asset-Manager Anima vor, was den BPM-Aktienkurs beflügelte. Der Deal ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Die Aktie von BPM kletterte am Montag um rund 5,5 Prozent Prozent auf 7,01 Euro. Sie liegt damit über dem angekündigten Angebotspreis von Unicredit. Das deutet darauf hin, dass viele Anleger erwarten, dass Unicredit seine Offerte nochmals aufstockt.

BPM ist vor allem im wohlhabenderen Norden Italiens stark vertreten. Unicredit erwartet, dass die Integration des Konkurrenten rund zwei Milliarden Euro kosten würde. Auf der anderen Seite könnten beide Institute innerhalb von zwei Jahren Synergien von 1,2 Milliarden Euro realisieren.

Italienische Regierung äußert sich verhalten

Orcel hatte sich bereits in der Vergangenheit mit einer Übernahme von Banco BPM beschäftigt. Der aktuelle Vorstoß dürfe deshalb – genauso wie der bei der Commerzbank – niemanden überraschen, sagte er.

Der italienische Finanzminister Giancarlo Giorgetti erklärte, die Regierung sei von Unicredit über das Übernahmeangebot informiert worden, habe dafür aber noch kein grünes Licht gegeben. Die Regierung habe die Möglichkeit, Übernahmen zu untersagen. Sie werde den Deal genauer untersuchen, wenn Unicredit ihn vorantreibe und dafür eine Genehmigung beantrage.

Der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti will eine mögliche Übernahme von BPM durch Unicredit genau untersuchen. Foto: Reuters

BPM hatte dem italienischen Staat kürzlich eine Beteiligung von fünf Prozent an der langjährigen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena abgekauft. Einige italienische Politiker hatten gehofft, dass BPM und Monte dei Paschi zusammen eine Konsolidierung des italienischen Markts vorantreiben und den Schwergewichten Intesa Sanpaolo und Unicredit verstärkt Konkurrenz machen.

Er wolle nicht, dass jemand die Verbindung von BPM und Monte dei Paschi stoppe, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini. „Ich habe Marktkonzentrationen und Monopole noch nie gemocht“, fügte er hinzu. „Soweit ich weiß, wollte Unicredit in Deutschland wachsen. Ich weiß nicht, warum sie ihre Meinung geändert haben.“

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Erstpublikation: 25.11.2024, 07:18 Uhr.

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