Frankreich: Haushaltsstreit sorgt für ungewöhnliche Situation am Anleihemarkt
Düsseldorf. Der anhaltende Haushaltsstreit in Frankreich sorgt am Anleihemarkt für eine ungewöhnliche Situation: Anlegerinnen und Anleger verlangen für französische Staatsanleihen eine höhere Rendite als für Firmenbonds.
So lag die Verzinsung für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit am Montag zeitweise über der für Bonds des Luxusgüterstellers LVMH und des Industriegasspezialisten Air Liquide mit der gleichen Laufzeit. Das zeigen Daten des Finanzdienstleisters Refinitiv und der Börse Stuttgart. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.
Normalerweise ist das Gegenteil der Fall, da das Risiko eines Totalverlusts bei Firmenbonds höher ist als bei den meisten Staatsanleihen. Doch Frankreich erlebt aktuell eine Regierungskrise: Der Minderheitsregierung in Paris droht nach nur zwei Monaten das vorzeitige Aus.
Premier Michel Barnier plant einen Sparhaushalt, mit dem er das Haushaltsdefizit mittels Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen reduzieren will. Er muss ein Loch im Haushalt in Höhe von 60 Milliarden Euro schließen. Die rechtsnationale Partei Rassemblement National (RN) droht jedoch damit, ein Misstrauensvotum zu unterstützen, sollte die Belastung für die arbeitende Bevölkerung nicht sinken.