Luftfahrt: Lilium findet neuen Investor – Mitarbeiter sollen zurückkommen
München. Der insolvente Elektroflugzeug-Pionier Lilium hat einen Investor gefunden und will sein Geschäft fortführen. Wie das Start-up-Unternehmen an Heiligabend mitteilt, hat das Investorenkonsortium Mobile Uplift Corporation einen Kaufvertrag für das Betriebsvermögen der Lilium-Tochtergesellschaften unterzeichnet. Von den rund 1.000 Mitarbeiter, denen am Freitag gekündigt wurde, würden etwa 750 zurückgeholt, sagte ein Sprecher.
„Wir freuen uns sehr, die Unterzeichnung einer Investitionsvereinbarung mit einem sehr erfahrenen Investorenkonsortium bekanntzugeben“, sagte Vorstandschef Klaus Roewe. „Der Abschluss der Transaktion Anfang Januar wird es uns ermöglichen, unser Geschäft wieder aufzunehmen.“
Das Unternehmen entwickelt wie weltweit mehrere hundert andere Firmen seit 2015 einen elektrischen Senkrechtstarter. Der soll zunächst sieben Passagiere befördern, später dann deutlich mehr. Mitgründer Daniel Wiegand will das Fliegen insgesamt elektrifizieren – ein ehrgeiziges Unterfangen. Wie so häufig in der stark regulierten Luftfahrt dauert das Vorhaben deutlich länger als geplant.
Der erste bemannte Flug war zuletzt für Anfang 2025, die erste Auslieferung an Kunden für 2026 geplant. Wiederholte Verzögerungen und die nachlassende Euphorie bei den gerne als Flugtaxen bezeichneten neuen Flugvehikeln führten dazu, dass das Geld knapp wurde.
Die Folge: Lilium musste am 24. Oktober Insolvenz in Eigenregie anmelden. Zuvor hatte sich die Hoffnung auf Staatshilfe zerschlagen. Der Haushaltsausschuss der Bundesregierung wollte diese nicht gewähren, daraufhin zog auch das Land Bayern sein Angebot zurück.
In letzter Minute vor dem endgültigen Aus gelang dem Management und der Unternehmensberatung KPMG jedoch ein Durchbruch bei der Investorensuche. Die von Investoren aus Europa und Nordamerika gegründete Mobile Uplift Corporation unterschrieb einen Kaufvertrag für das Betriebsvermögen der operativen Tochtergesellschaften Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH.
Der Gläubigerausschuss der Dachgesellschaft Lilium habe den Deal genehmigt, der Abschluss werde für Anfang Januar erwartet. Er stehe unter dem Vorbehalt der Erfüllung „bestimmter üblicher aufschiebender Bedingungen“.
Lilium hat nur wenig Schulden aber hohen Finanzbedarf
Über den Kaufpreis und die Investoren hinter Mobile Uplift wurde zunächst nichts mitgeteilt. In Branchenkreisen ist von zunächst 220 Millionen Euro die Rede, die bereitgestellt werden. Es handele sich um langfristig orientierte Investoren, die vom Konzept eines elektrischen Senkrechtsstarters überzeugt seien. Der Staat ist nicht beteiligt.
Lilium hat nur wenig Schulden, braucht für den Fortgang der Geschäfte, den ersten bemannten Flug und die Zertifizierung aber mehrere hundert Millionen Euro. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Tochtergesellschaften durch die Vereinbarung mit Mobile Uplift „ausreichende Finanzmittel für die Wiederaufnahme ihrer Geschäftstätigkeit“ bekommen. Der Erlös aus dem Verkauf werde nicht an die Dachgesellschaft ausgeschüttet.
Nach dem Abschluss sollen die Tochtergesellschaften restrukturiert und das vom Amtsgericht Weilheim angeordnete vorläufige Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beendet werden. Das Unternehmen unter Leitung des früheren Airbus-Managers Roewe hat rund 700 Fest- und Vorbestellungen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Saudi-Arabien und anderen Ländern. Kunden und Kapitalanleger haben in das bis zum Insolvenzantrag an der US-Börse Nasdaq gelistete Unternehmen bereits 1,5 Milliarden Euro investiert.
Aber das anstehende Zulassungsverfahren und der Aufbau der Produktion werden noch große Summen erforderlich machen. Allein im ersten Halbjahr 2024 hat Lilium fast 200 Millionen Euro ausgegeben. Einen Antrag auf eine Kreditbürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro hatte die Ampelkoalition in Berlin abgelehnt.
Offen ist, ob das Thema Staatshilfe nach der Rettung des Unternehmens wieder ein Thema werden wird. Lilium-Chef Roewe hatte sich zuletzt mehrfach mit Verantwortlichen der Landesregierung in Bayern getroffen. In ein insolventes Unternehmen darf die öffentliche Hand nicht investieren, aber sollte Lilium nun das Insolvenzverfahren demnächst verlassen, wäre das grundsätzlich wieder möglich.
Ähnlich ist die Situation in Frankreich. Die Regierung hatte dem deutschen Unternehmen Hilfen zugesagt, wenn es einen Standort in dem Land errichtet. Politiker dort sollen signalisiert haben, dass sie nach einer Rettung von Lilium weiterhin dazu bereit seien.