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Luftfahrt179 Tote – Suche nach Ursache für Flugzeugunglück in Südkorea

Nach einem der schwersten Flugzeugunglücke seit Jahren beginnt die Aufarbeitung. Eine weitere Maschine der Unglücksairline musste ihren Flug abbrechen.Martin Kölling 30.12.2024 - 07:47 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Flughafen Muan: Trümmer des verunglückten Flugzeugs. Foto: Getty Images

Muan Gun. Ein Urlaubsflug aus Thailand endet in einer Tragödie: Bei einer Bruchlandung auf dem Regionalflughafen Muan in Südkorea kamen am Sonntagmorgen (Ortszeit) alle 175 Passagiere und vier der sechs Besatzungsmitglieder ums Leben. Nur zwei Flugbegleiter, die im hinteren Teil der Maschine saßen, überlebten die Explosion der Boeing 737.

Die Bilder des Unglücks erschüttern das Land. Die Maschine der südkoreanischen Billigfluggesellschaft Jeju Air mit der Flugnummer 7C2216 kam um 9 Uhr im rund 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul gelegenen Flughafen an. Einen ersten Landeanflug brachen die Piloten ab.

Beim zweiten Anflug landeten sie das Flugzeug, eine Boeing 737-800, zunächst sicher auf dem Rumpf. Doch die Maschine bremste kaum ab, rutschte über die Landebahn hinaus in eine Mauer und explodierte. Ein riesiger Feuerball entstand dabei.

„Nach der Kollision mit der Wand wurden die Passagiere aus dem Flugzeug geschleudert“, sagte ein Feuerwehrmann zu Reportern. Die Überlebenschancen seien äußerst gering gewesen.

Weitere Erkenntnisse dürften sich die Ermittler von den beiden geborgenen Flugschreibern erhoffen, von denen einer allerdings bei dem Aufprall beschädigt wurde. Die Analyse könnte Monate dauern, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Vermutet wird bislang, dass ein Vogelschlag – also der Zusammenprall mit einem oder mehreren Vögeln – zu Problemen am Fahrwerk geführt hatte.

Südkorea: Interimspräsident vor Ort, Airline entschuldigt sich

Südkoreas Interimspräsident Choi Sang-mok traf bereits wenige Stunden nach dem Unglück in Muan ein, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen und Hilfe zuzusagen.

Ein Flugzeug der südkoreanischen Billigfluglinie Jeju Air ist am Sonntag über die Landebahn des Flughafens von Muan hinausgeschossen und an einer Mauer zerschellt. 179 der 181 Insassen kamen bei der Katastrophe im Südwesten Südkoreas ums Leben.

„Die Regierung stellt über das Katastrophen- und Sicherheitszentrum alle verfügbaren Ressourcen zur Verfügung und hat Muan zum Sonderkatastrophengebiet erklärt“, sagte Choi. „Wir werden die Ursache des Unglücks gründlich untersuchen und Präventivmaßnahmen entwickeln, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.“

Der Chef von Jeju Air sprach den Opfern sein Beileid aus und gelobte ebenfalls eine Aufklärung des Unfalls. Nach Angaben der Behörden warnte der Tower des Flughafens Muan die Crew um 8.57 Uhr vor der Gefahr. Eine Minute später setzte der Pilot einen Notruf ab.

Südkoreanische Hauptstadt Seoul: Jeju Air CEO Kim E-bae (3.v.r.) und andere Unternehmensvertreter entschuldigen sich vor einer Pressekonferenz, Stunden nach dem Absturz eines ihrer Flüge auf dem internationalen Flughafen von Muan. Foto: Uncredited/Yonhap/dpa

Auch Chatnachrichten von Passagieren lassen auf eine Kollision mit Vögeln und auf Triebwerksprobleme schließen. Ein Passagier fragte, ob er jetzt sein Testament machen solle, berichten südkoreanische Medien.

Das muss aber nicht die einzige Ursache für das Unglück gewesen sein. Auch die geringe Verlangsamung während der Rutschfahrt wirft Fragen auf. Ob das Flugzeug nach dem Aufsetzen die Landeklappen ausfahren konnte, ist noch offen.

Erst die Auswertung des Flugschreibers und der Gespräche im Cockpit könnte Gewissheit bringen. Doch schon jetzt beginnt eine Diskussion über die Sicherheit auf dem relativ kleinen Flughafen in Muan.

Erst am 2. Dezember hat der Flughafen, der bisher nur für Inlandsflüge genutzt wurde, den internationalen Flugverkehr aufgenommen. Er wird vor allem von Billigfluggesellschaften genutzt.

Zunächst bot Jin Air neben Inlandsflügen zur südkoreanischen Insel Jeju regelmäßige Flüge von Muan nach Narita und Osaka in Japan sowie nach Taipeh in Taiwan an. Jeju Air folgte am 8. Dezember mit Verbindungen nach Bangkok, Nagasaki (Japan), Taipeh und Kota Kinabalu (Malaysia).

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In der Luftfahrtbranche kam die Frage auf, ob die Einführung regelmäßiger internationaler Flugverbindungen am Flughafen Muan verfrüht sei, berichtet die „Korea Times“. Ein anonymer Experte sagte demnach, der Flughafen habe nicht einmal Erfahrung mit Inlandsflügen. Die engen Flugpläne von Billigfliegern wie Jeju Air könnten daher die Kapazitäten des Flughafens überfordert haben.

Weitere Boeing-Maschine mit Problemen – Untersuchung angekündigt

Nur einen Tag nach dem schweren Unglück berichtete Yonhap über eine weitere Maschine von Jeju Air mit Fahrwerkproblemen. Inlandsflug 7C101 war von Gimpo – westlich der Hauptstadt Seoul – auf dem Weg auf die Insel Jeju im Süden der koreanischen Halbinsel. Nach dem Start kehrte die Boeing 737-800 allerdings wieder zu ihrem Start-Flughafen zurück.

Südkoreas Regierung will nun alle Boeing 737-800 Maschinen inländischer Fluglinien überprüfen lassen, um festzustellen, ob sich die Airlines an die geltenden Regelungen für diesen Flugzeugtyp halten, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Dazu zählt etwa die Überprüfung von Wartungsaufzeichnungen und Nutzungsraten.

Staatskrise in Südkorea hält an

Eine weitere offene Frage ist, wie sich das Unglück auf die Bewältigung der Staatskrise in Südkorea auswirken wird, denn das Unglück trifft das Land in einer ohnehin brisanten Zeit. Das Parlament hat Präsident Yoon Suk-yeol suspendiert, nachdem dieser Anfang Dezember das Kriegsrecht verhängt hatte, um das von der Opposition kontrollierte Parlament auszuschalten.

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Am Freitag wurde auch dessen Interimsnachfolger, Premierminister Han Duck-soo, von der Oppositionsmehrheit im Parlament gestürzt. Choi Sang-mok ist seitdem der Interimspräsident des Landes.

Die linke Oppositionsmehrheit im Parlament streitet mit der konservativen Regierungspartei über das Tempo der juristischen Aufarbeitung des Putschversuchs von Präsident Yoon. Die Bevölkerung ist gespalten. Fast täglich gibt es Demonstrationen und Gegendemonstrationen für und gegen eine schnelle endgültige Absetzung des Präsidenten.

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