Trade Republic: Neobroker gewinnt vier Millionen Neukunden
Frankfurt. Trade Republic hat zum Jahresstart neue Zahlen veröffentlicht: Demnach konnte der Berliner Broker seine Kundenzahl in den vergangenen zwölf Monaten auf acht Millionen verdoppeln. Etwa zwei Drittel davon, rund 5,3 Millionen Kunden, sind in Deutschland, im Vorjahr waren es noch 2,5 Millionen. Das verwaltete Vermögen stieg um zwei Drittel auf 100 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstagmorgen mitteilte.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Wachstum in den vergangenen zwölf Monaten“, sagte Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte habe sich das Kundenwachstum noch einmal deutlich beschleunigt. „Der Monat Dezember und die ersten Tage im Januar waren die besten in der Geschichte von Trade Republic“, so Hecker.
Dennoch muss er sich derzeit intensiv mit einem für Trade Republic brisanten Thema auseinandersetzen: dem Verbot von „Payment for Order Flow“ (PFOF), das spätestens im Sommer 2026 in Deutschland umgesetzt wird. Ein Drittel der Erträge des Brokers steht auf dem Spiel.
Trade Republic zählt zu den prominentesten und wertvollsten deutschen Fintechs. Zuletzt sammelte das Berliner Unternehmen im Jahr 2022 Geld von Investoren ein und steigerte die Bewertung damit auf fünf Milliarden Euro.
Bezahlkarte treibt Wachstum an
Die jetzt vorgelegten Wachstumszahlen des vor zehn Jahren gegründeten Fintechs liegen deutlich über denen der Konkurrenz. Die Berliner Smartphonebank N26 schätzte im November, dass die Zahl der ertragsrelevanten Kunden Ende 2024 bei 4,8 Millionen liegen werde, nach 4,2 Millionen Ende 2023. Der im SDax notierte Broker Flatexdegiro konnte die Zahl der Kundenaccounts binnen Jahresfrist um 370.000 auf 3,07 Millionen steigern.
Die Kundenzahl der ING Deutschland, Deutschlands größter Onlinebank, wuchs von Januar bis Juni dieses Jahres netto um 180.000 auf 9,54 Millionen Kunden. Die Direktbank DKB konnte im ersten Halbjahr im Privatkundensegment 148.000 neue Kunden gewinnen und zählte zur Jahreshälfte rund 5,7 Millionen Kunden.
Trade Republic hatte im vergangenen Jahr auch mit neuen Produkten um Kunden geworben. So führte das Unternehmen Anfang 2024 eine Bezahlkarte ein. Kunden mussten sich zu Beginn aufgrund der hohen Nachfrage zuerst auf eine Warteliste setzen lassen. Fünf Monate nach dem Start zählte das Fintech bereits eine Million Kartenkunden, mittlerweile haben mehr als zwei Millionen Kunden die Bezahlkarte angefordert.
Zudem startete der Broker schrittweise mit der Einführung eines Girokontos. Zuvor bot das Unternehmen nur ein Verrechnungskonto für das Wertpapierdepot. Mit dem Girokonto können Kunden über Trade Republic auch Rechnungen begleichen oder ihr Gehalt bekommen. „In den kommenden Monaten werden alle Kunden die neue Funktion nutzen können“, kündigte Hecker an.
Und dann wirbt das Unternehmen weiterhin damit, den EZB-Einlagenzins von derzeit drei Prozent eins zu eins an seine Kunden weiterzugeben. Wohl auch ein Grund dafür, dass das von Trade Republic verwaltete Vermögen in den vergangenen zwölf Monaten so angestiegen ist.
„Wir können es uns erlauben, die Zinsen weiterzugeben oder beispielsweise das Konto kostenfrei anzubieten, denn das Kerngeschäft mit Vermögensaufbau ist nachhaltig profitabel“, sagte Hecker. Im Oktober hatte der Broker erstmals auf Jahressicht einen Gewinn berichtet.
Die Berliner verbuchten im Geschäftsjahr von Oktober 2022 bis Ende September 2023 einen Jahresüberschuss in Höhe von 14 Millionen Euro. „2024 haben wir den Gewinn gegenüber dem Vorjahr signifikant gesteigert“, sagte der Mitgründer. Derzeit gehe er davon aus, dass Trade Republic auch das Jahr 2025 trotz der geplanten Investitionen profitabel abschließen werde.
Etwa ein Drittel der Erträge erzielt Trade Republic noch über „Payment for Order Flow“ (PFOF). Dies bezeichnet Rückvergütungen, die der Broker von Handelspartnern für die Weiterleitung von Kundenorders erhält. Diese Geschäftspraxis will die EU allerdings bis spätestens Sommer 2026 verbieten. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema intensiv“, sagte Hecker. Das Kräfteverhältnis zwischen Börsen, Brokern und Kunden werde sich verändern. „Wir werden sicherstellen, dass dies nicht zum Nachteil unserer acht Millionen Kunden ist“, sagte er.
Konkurrent Scalable Capital hatte kürzlich einen eigenen Handelsplatz gegründet und sieht sich so für das anstehende Verbot gewappnet. Ob das auch eine Option für Trade Republic sei, dazu wollte Hecker nichts sagen.
Kundenservice soll weiter ausgebaut werden
Investitionen will Trade Republic nach eigenen Angaben derweil unter anderem auch in den eigenen Kundenservice tätigen. Denn der große Kundenzuwachs führte im vergangenen Jahr zu zunehmender Kritik, Kunden monierten unter anderem die schlechte Erreichbarkeit. Im Sommer hatte Hecker eine Neuaufstellung des Kundenservices angekündigt. War dieser bis dahin in der eigenen Service-Tochtergesellschaft in Berlin gebündelt, sollte er künftig auf drei Servicecenter an verschiedenen Standorten in Europa verteilt werden. Zudem sollte es ein Expertenteam in der eigenen Bank geben.
„Die im Sommer angekündigte Umstellung haben wir umgesetzt und sind zufrieden damit, wie es derzeit funktioniert“, sagte Hecker. Der Neukundenansturm im Dezember sei ein guter Beleg dafür gewesen. „Wir wollen aber noch besser werden“, sagte er. So sollen unter anderem die Servicequalität und auch die „Self-Service Tools“, mit denen Kunden ihre Anliegen in der App selbst lösen können, in den kommenden Monaten weiter stark ausbaut werden.
Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) gibt es nach wie vor Kunden, die sich über Trade Republic beschweren. „Ein Schwerpunkt ist weiterhin der Kundenservice: schlecht erreichbar, keine Reaktion oder vorgefertigte, unpassende Antworten“, sagte Ralph Kummer, beim VZBV Referent im Team Marktbeobachtung Finanzmarkt. Da habe sich seit dem vergangenen Sommer nicht viel verändert, sagte er. Insgesamt hat Trade Republic im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag in den Kundenservice investiert, dies ist auch der Plan für 2025.
Trade Republic plant, derweil auch im Ausland weiter zu wachsen. Bislang operierte das Unternehmen in seinen 17 Märkten mit der Vollbanklizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin und der EZB. Nun hat das Unternehmen auch noch Lizenzen in Italien, Spanien und Frankreich für eigene Bankniederlassungen erhalten. „Wir wollen viel tiefer in die jeweiligen Märkte vordringen“, sagte Hecker. „Es schafft deutlich mehr Vertrauen, wenn wir auch mit den jeweiligen nationalen Regulatoren direkt zusammenarbeiten.“
Kunden sollen dadurch etwa bei der Steuerabgabe profitieren. Bislang müssen Kunden von Trade Republic außerhalb Deutschlands am Ende des Jahres ihre Steuern für die Wertpapiergeschäfte selbst angeben und berechnen. Dies will der Broker künftig vereinfachen.
Kritik an der Bundesregierung
Neben den drei neuen nationalen Bankniederlassungen führt das Fintech in Frankreich auch einen provisionsfreien Sparplan für das staatliche Spardepot ein. Bereits jetzt können die Menschen dort in das sogenannte PEA investieren. Nach einer Haltedauer von fünf Jahren können Wertpapiere mit einem Wert von bis zu 150.000 Euro steuerfrei wieder verkauft werden. „Allerdings verlangen die dortigen Banken meist noch hohe Gebühren dafür“, erklärt Hecker. Nun biete Trade Republic als erste Bank überhaupt einen kostenfreien Sparplan an.
Auch in Deutschland wurde lange über eine staatliche Förderung für ein Altersvorsorgedepot diskutiert, bei dem langfristige Anlagen in Aktienfonds und ETFs gefördert werden sollten. Nach dem Zusammenbruch der Berliner Ampelregierung wurde der Vorschlag aber nicht umgesetzt. „Ich finde es verantwortungslos und fahrlässig, dass die Politik immer noch keine Antworten auf die Rentenlücke gefunden hat“, sagte Hecker.
Wenn er die Parteiprogramme der großen Parteien lese, „bin ich schockiert über die Ideenlosigkeit und inhaltliche Leere zu diesem Thema“. Die Idee der Ampelkoalition zum Altersvorsorgedepot war laut Hecker im Kern spannend, aber auch „viel zu klein“ gedacht. Sein Appell: Die Politik müsse sich ein Beispiel an Nachbarländern wie Frankreich nehmen.
Erstpublikation: 09.01.2025, 08:10 Uhr