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KI-BriefingKI und Trolle übernehmen Social Media

Meta lässt Fake-Profile Fake-News verbreiten, die Tech-Messe CES zeigt skurrile KI-Gadgets und an der Börse verursacht der Nvidia-Chef einen Crash. Die wichtigsten KI-News der Woche.Larissa Holzki 10.01.2025 - 15:21 Uhr Artikel anhören
Onlinetroll und KI-Model. Foto: Larissa Holzki | Dall-E

Wenn Sie nur wenig Zeit haben, liebe Leserinnen und Leser,

dann widmen Sie diese einer Schweigeminute für das Internet, wie es einmal war.

Am Mittwoch hat Meta-Chef Mark Zuckerberg das Ende der Faktenchecks angekündigt. Sein Unternehmen beendet die Zusammenarbeit mit Faktenprüfern, die Fehlinformationen und verfälschte Fotos auf Facebook und Instagram gekennzeichnet haben.

Künftig gibt es nur noch eine automatisierte Löschung bei besonders schweren Verstößen gegen die Plattformregeln. Die Nachricht folgt kurz nach der Ankündigung, dass es leichter werden soll, Profile für KI-Avatare zu erstellen.

KI-Briefing

KI und Trolle übernehmen Social Media

10.01.2025
Abspielen 07:22

Warum das wichtig ist? Der Mitgründer des Center for Humane Technology, Tristan Harris, hat die sozialen Netzwerke einmal als „ersten Kontakt“ zwischen dem Menschen und einer „entfesselten KI“ beschrieben.

Mit der Bewegung eines Fingers werde ein Supercomputer aktiviert. Dieser errechne auf Basis des Verhaltens der drei Milliarden Nutzer, was als nächstes gezeigt werden sollte. Das Ziel ist, Sie oder Ihr Kind so lange wie möglich auf der Plattform zu halten.

Jetzt erreicht der Einsatz von KI beim Kampf um Aufmerksamkeit also die nächste Ebene. Heute sehen die Influencer auf Instagram durch  Beauty-Filter unecht aus. Bald ist vielleicht noch öfter nichts Echtes mehr dran. Mein Kollege Sebastian Dalkowski hat schon vor knapp einem Jahr berichtet, dass zuweilen sogar Männer lieber mit dem Profil einer weiblichen KI-Figur auf der Plattform unterwegs sind als mit ihrem echten Namen und Bild.

ClaraColor: Eins der ersten KI-Models auf Instagram. Foto: Clara Color

Und wer auf Facebook mit Fake-Profilen Fake-News verbreiten will, wird dabei nicht nur nicht aufgehalten. Er bekommt die Werkzeuge direkt von der Plattform.

Was dahinter steckt, ist auch die bevorstehende Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Und da muss ich mir einen Irrtum eingestehen. Als wir vor Monaten überlegten, was Trump für KI bedeuten würde, haben wir viel über Deregulierung nachgedacht. Aber wenig darüber, wie sich die Tech-Unternehmen selbst entfesseln könnten.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Foto: AP

Die Moderation sozialer Medien beruht vor allem auf „Selbstregulierung“. Plattformen können in den USA nicht dafür haftbar gemacht werden, was ihre Nutzer verbreiten. Aber nach dem Cambridge-Analytica-Skandal um russische Wahlmanipulation auf Facebook wuchs der Druck auf die Betreiber, Fehlinformationen und Hetze von ihren Plattformen zu entfernen. Dieser Druck hat sich durch Präsident Trump ins Gegenteil verkehrt.

Mark Zuckerberg will künftig in Musk-Manier die Nutzer darüber abstimmen lassen, was richtig und was falsch ist. So macht es der Chef von X mit seiner Plattform auch.

Wie es weitergeht? Die Sache mit der Selbstregulierung könnte Sie an die Selbstverpflichtungen der KI-Unternehmen erinnern. Amazon, Google, Microsoft, Meta, OpenAI, Anthropic und Inflection haben in einer Vereinbarung mit dem Weißen Haus vor anderthalb Jahren versprochen, KI in einer sicheren und vertrauenswürdigen Weise zu entwickeln. Wie Sie es in Zukunft damit halten, bleibt abzuwarten.

Worüber die Szene spricht

Handelsblatt-Reporter Philipp Alvares de Souza Soares (l.) und Felix Holtermann Foto: Handelsblatt

In Las Vegas läuft in diesen Tagen die Consumer Electronics Show, besser bekannt als CES. Die weltgrößte Tech-Messe gilt als Leistungsschau der Großkonzerne. Daneben präsentieren aber auch viele Start-ups ihre Innovationen.

Manche sind skurril, manche auch genial, berichten Felix Holtermann und Philipp Alvares de Souza Soares, die für das Handelsblatt vor Ort sind. Wie in jedem Jahr sind die Reporter ausgeschwärmt, um die neuesten Gadgets zu begutachten.

Da gibt es etwa die vollautonome Katzentoilette „Pura X Ultra“, die für knapp 1000 Dollar zu haben ist. Oder das Vogelhäuschen, das sowohl Kolibris als auch Rotkehlchen erkennt. Stehen geblieben sind die Kollegen auch vor dem „smarten“ Kinderbett Revol von Bosch. Früher brauchte es sprichwörtlich ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Heute helfen offenbar Sensoren, Kameras und KI.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Jensen Huang auf der CES in Las Vegas Foto: Artur Widak/Getty Images

1. Nvidia kündigt den ChatGPT-Moment der Robotik an. Unternehmenschef Jensen Huang hat auf der CES sein World Foundation Model „Cosmos“ vorgestellt. Dieses Weltmodell simuliert die reale Welt und soll bei der Entwicklung von Robotern und selbstfahrenden Autos helfen. Denn Cosmos erzeugt fotorealistische Videos, aus denen KI physikalische Gesetze und Konzepte lernen kann. Unsere Silicon-Valley-Korrespondenten berichten aus Las Vegas, was Nvidia außerdem angekündigt hat und warum es dafür Lob von Analysten gab.

2. Jensen Huang warnt vor Quanten-Hype und löst einen Aktiencrash aus. Beim Analystentag von Nvidia am Mittwoch sorgte der CEO des Chipkonzerns gleich für eine doppelte Reaktion an den Börsen: Während der Nvidia-Kurs kurz darauf auf ein neues Rekordhoch kletterte, stürzten die Aktien verschiedener Chip-Firmen ab. Der Grund: Huang hatte gesagt, dass es noch mehr als 15 Jahre dauern werde, bis „sehr nützliche“ Quantencomputer auf den Markt kämen. Unsere New-York-Korrespondentin Astrid Dörner und Felix Holtermann berichten, welche Firmen betroffen sind und was hinter den Zweifeln steckt.

3. Elon Musk will eine Teil-Versteigerung von OpenAI erzwingen. Es ist die nächste Episode im Streit zwischen dem Tech-Milliardär und OpenAI-Chef Sam Altman. Dabei geht es – zumindest vermeintlich – um die Gemeinnützigkeit des ChatGPT-Entwicklers. Über einen Anwalt versucht Musk, die Justizbehörden in Kalifornien und Delaware dazu zu bringen, den Non-Profit-Teil der Firma zur Auktion zu bringen. Dieser gemeinnützige Teil hält gerade die Kontrolle über den ChatGPT-Entwickler, soll künftig aber nur noch ein Arm der Firma sein. Meine Kollegen Alexander Möthe und Felix Holtermann berichten, worum es Musk dabei wirklich geht.

4. Gemini ist bei der Finanzanlage risikobewusster als ChatGPT. Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider hat die KI-Assistenten von OpenAI, Google und Microsoft um Aktientipps für 2025 gebeten. ChatGPT, Gemini und Copilot haben ihr empfohlen, dieses Jahr vor allem in US-Werte, in erneuerbare Energien, die Gesundheitsbranche und in Halbleiter zu investieren. Der Bot von Google machte dabei die vorsichtigsten Aussagen. Was Anlageexperten von den Tipps halten, lesen Sie hier.

KI-Assistenten sollen Sparkassen-Mitarbeiter unterstützen. Foto: imago images/onw-images

5. Die Mitarbeitenden der Sparkasse bekommen KI-Assistenten. Bis zum Sommer soll jede und jeder den sogenannten S-KI-Piloten nutzen können, der auf internes Wissen der Sparkasse zugreifen kann. Das Besondere am Ansatz der Sparkasse: Die KI läuft nicht auf einer Cloud, sondern im eigenen Rechenzentrum. Zudem kommen die zugrundeliegenden Modelle vor allem von der französischen KI-Firma Mistral. Unsere Finanzkorrespondenten Elisabeth Atzler und Andreas Kröner berichten, was hinter der Strategie steckt und wie andere Banken KI einsetzen.

Grafik der Woche

Eine Grafik, die zeigt, wer von den Hoffnungen auf KI bisher am meisten profitiert.

Was wir lesen

Das KI-Start-up Anthropic könnte bald mit 60 Milliarden Dollar bewertet werden. Der OpenAI-Konkurrent will in einer neuen Finanzierungsrunde zwei Milliarden Dollar einsammeln. (Bloomberg / Handelsblatt)

Elon Musks KI-Firma testet eine iPhone-App für Grok. Bisher können Nutzer den Chatbot Grok von xAI ausschließlich über die Kurznachrichtenplattform X erreichen. (Techcrunch)

Laut Skype-Mitgründer Niklas Zennström kann Europa im KI-Rennen noch gewinnen. Er sieht große Chancen in der Entwicklung von KI-Anwendungen. (Financial Times)

Google skizziert die Zukunft, in der sich KI selbstständig macht. In einem viel diskutierten Whitepaper beschreiben drei Mitarbeiter die Fähigkeiten von KI-Agenten. (VentureBeat)

OpenAI könnte diesen Monat seinen ersten KI-Agenten vorstellen. Deshalb hat die ChatGPT-Entwicklerfirma dafür länger gebraucht als die Konkurrenz. (The Information)

KI personalisiert die Fitnessbranche. Ein KI-gestützter Coach soll Sie dazu anhalten, Neujahrsvorsätze einzuhalten. (GQ)

Kennen Sie schon...?

Philipp Herzig Foto: SAP

Wer ist Philipp Herzig? Der KI-Chef von SAP. Unternehmenschef Christian Klein sieht die Technologie als „enormen Wachstumstreiber“ und hat dem Informatiker vor einem Jahr die Verantwortung dafür übertragen.

Wo kommt er her? Görlitz, Dresden, Potsdam, Berlin: Alle Stationen im  Lebenslauf von Herzig liegen im Osten Deutschlands. Und schon seit dem Studium ist er bei SAP.

Was hat er vor? Herzig soll die vielen Anwendungen des Softwareherstellers mit KI intuitiver und effektiver machen. Dafür hat er ein Team mit 800 Mitarbeitern, das wie ein Start-up arbeiten soll.

Warum Herzig nie im Silicon Valley arbeiten wollte, wie er mit seinem Team genau vorgeht und für welche Aufgaben er sich einen KI-Avatar gebaut hat, das können Sie in einer neuen Folge von Handelsblatt Disrupt nachhören. Darin spreche ich auch mit unserem Chefredakteur Sebastian Matthes über die wichtigsten KI-Trends 2025.

Das sollten Sie ausprobieren

Deep Research erstellt einen modifizierbaren Rechercheplan. Foto: Screenshot/Lina Knees

Deep Research. Google ist die meist genutzte Suchmaschine. Viele Tech-Unternehmen versuchen die Internetsuche mit KI-Anwendungen zu optimieren, so auch Google selbst. Jetzt hat das Tech-Unternehmen eine KI herausgebracht, die das Googeln übernehmen kann: Deep Research.

So richten Sie „Deep Research“ ein: Nutzen Sie den Google Chrome Browser und erstellen Sie ein Google-Konto, sollten Sie noch keins haben. Schließen Sie anschließend ein „Google One AI Premium“-Abo ab (das ist im ersten Monat kostenlos). Ändern Sie die Sprache in Ihrem Google-Konto auf Englisch: Klicken Sie auf Ihr Profilsymbol, dann auf „Google-Konto verwalten“. Unter „Persönliche Daten“ können Sie die Spracheinstellung bearbeiten.

Rufen Sie Gemini auf, wählen Sie im Drop-Down-Menü oben links „1.5 Pro with Deep Research“ aus und stellen Sie im Feld „Ask Gemini“ Ihre Frage. Die KI erstellt einen Rechercheplan, den Sie mit einem Klick auf „Edit Plan“ anpassen oder mit „Start Research“ ausführen können. Die Ergebnisse werden in einem Bericht mit Hinweisen auf die verwendeten Quellen zusammengefasst. Anschließend können Sie Gemini weitere Fragen stellen.

Meine Kollegin Lina Knees hat in ihrem Test für unseren Jahresrückblick recherchiert, welche Mitarbeiter OpenAI 2024 verlassen haben und überprüft, wie viel Geld die Firma insgesamt eingesammelt hat. Deep Research lieferte dabei einen ersten Überblick, bei dem allerdings entscheidende Informationen wie der Ausstieg von Technologiechefin Mira Murati fehlten.

Eine vollständige Übersicht der Finanzierungsrunden konnte die KI nicht liefern und viele Angaben stammten aus Blogs und Unternehmenswebsites statt aus verifizierten Nachrichtenquellen. Bei einer Recherche zu Sensoren für autonomes Fahren nutzte die KI dagegen überwiegend Studien und Fachblogs.

Wo Sie uns nächste Woche treffen

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16. bis 18. Januar 2025
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Steffi Czerny lädt wieder zur Digital-Life-Design-Konferenz nach München ein. Dort sprechen nächste Woche unter anderem Tristan Harris vom Center for Humane Technology, Black-Forest-Labs-Mitgründer Andreas Blattmann und der deutsche KI-Pionier Björn Ommer.

Das war das KI-Briefing Nummer 72. Mitarbeit: Luisa Bomke, Lina Knees, Hendrik Wünsche (Grafik). Wenn Sie auch nächste Woche wieder mitlesen wollen, abonnieren Sie das KI-Briefing am besten als Newsletter.

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