ChatGPT: Musk-Anwalt will Teilverkauf von OpenAI erwirken
New York, San Francisco. Ein Anwalt des Tech-Milliardärs Elon Musk versucht, in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Delaware einen Teilverkauf des KI-Unternehmens OpenAI zu erwirken. Das berichtet die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf ein Anwaltsschreiben.
Demnach fordert sein Anwalt Marc Toberoff die Justizbehörden der Bundesstaaten auf, für eine Auktion erheblicher Teile der nicht-gewinnorientierten Sparte des Start-ups zu sorgen. Toberoff sieht sich als Vertreter einer Investorengruppe, die sicherstellen möchte, sich in einem offenen Bieterwettstreit an OpenAI beteiligen zu können. Das Start-up hat den Textroboter ChatGPT entwickelt und wurde einst als gemeinnützige Organisation aufgesetzt.
Durch die Auktion soll ein fairer Marktpreis des gemeinnützigen Unternehmensteils ermittelt werden, wie die Agentur Reuters berichtet. Dort liegt aktuell die Kontrolle über die profitorientierte Tochtergesellschaft, die unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Tech-Konzern Microsoft verwaltet.
Altman will OpenAI profitorientiert ausrichten
Der jüngste Schritt eröffnet ein neues Kapitel im Streit zwischen Tesla-Chef Musk und OpenAI-Gründer Sam Altman. Hintergrund ist die von Altman angekündigte Umstrukturierung des Marktführers bei Künstlicher Intelligenz (KI). OpenAI soll sich dabei von seiner grundsätzlichen Gemeinwohlorientierung verabschieden und profitorientiert ausgerichtet werden.
Dazu will sich die Organisation in eine sogenannte Public Benefit Corporation (PBC) umwandeln, die gemeinnütziges Interesse bei gleichzeitiger Öffnung für den Kapitalmarkt verbindet. Diese würde dabei die Kontrolle über den bisherigen Non-Profit-Teil erlangen. Auch der Konkurrent Anthropic ist als PBC organisiert.
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Musk will diesen Schritt verhindern – wohl auch, weil er fürchtet, OpenAIs Marktmacht könnte den Erfolg seines eigenen KI-Unternehmens xAI bedrohen.
OpenAI sei nicht zu einer Versteigerung von Unternehmensteilen bereit, erklärte das Start-up in einer ersten Reaktion. Der „FT“ sagte das Unternehmen, Musks Lager wolle lediglich „mehr Chaos“ stiften.
Hauptinvestor der profitorientierten Tochtergesellschaft von OpenAI ist bisher Microsoft. Der Konzern hat 13 Milliarden Dollar in OpenAI investiert, vor allem in Form von Rechenzeit auf Microsoft-Servern. Microsoft nutzt die KI-Modelle des Partners etwa für seine Office-Anwendungen und seine Suchmaschine Bing.
Anhaltender Streit zwischen Musk und OpenAI
Musk streitet seit Längerem mit OpenAI. Vor einem Bundesgericht beantragte der Tech-Milliardär im Dezember eine einstweilige Verfügung gegen den geplanten Umbau in ein gewinnorientiertes Unternehmen. Dies sei „illegal“, so Musk. Die Dominanz des ChatGPT-Betreibers verhindere Wettbewerb im KI-Markt.
Seit Monaten übt Musk öffentlich scharfe Kritik an Altman: Gemeinsam hätten beide vor neun Jahren OpenAI gegründet – mit dem klaren Ziel, als gemeinnützige Organisation KI zum Nutzen der Gesellschaft zu entwickeln. Altman habe dieses Versprechen gebrochen und den Gründungszweck aufgegeben, so Musk. OpenAI müsse nach denselben Regeln spielen wie alle anderen. Das Start-up sei aktuell ein „Frankenstein“, zusammengesetzt aus Unternehmensformen, die vor allem Altman und dem Partner Microsoft dienten.
Ein OpenAI-Sprecher entgegnete im Dezember, dass Musk mit seiner Klage erneut „unbegründete Vorwürfe“ wiederhole.
Musk hatte OpenAI erstmals im Februar 2024 vor einem kalifornischen Bundesgericht verklagt, den Fall dann aber im Juni überraschend fallen gelassen. Kurz darauf entschied er sich um – und reichte im August Klage vor dem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, ein.
Musk selbst hat mit xAI ein konkurrierendes KI-Start-up aufgebaut. Nach einer Ende 2024 durchgeführten Finanzierungsrunde wird dieses mit 50 Milliarden Dollar bewertet. Seit Mai hat sich der Wert von xAI damit mehr als verdoppelt. OpenAI wiederum wird seit dem Herbst mit 157 Milliarden Dollar bewertet.
Mit Material von Bloomberg.