Finanzaufsicht: Immer mehr Beschwerden bei der Bafin – Brokerage im Fokus
Frankfurt. Das boomende Wertpapiergeschäft hat der deutschen Finanzaufsicht Bafin im vergangenen Jahr deutlich mehr Schlichtungsfälle beschert. Demnach gingen 2024 insgesamt 1110 Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein. Das teilte die Bafin am Montag mit. Im Vorjahr waren es lediglich 460 Anträge.
Verbraucher wenden sich meist an eine Schlichtungsstelle, wenn ein Streit mit einem Unternehmen nicht direkt beigelegt werden kann. Die Schlichtungsstelle dient dazu, sich außergerichtlich zu einigen.
Die große Mehrheit der Fälle betraf im vergangenen Jahr mit 681 Anträgen das Handelsgeschäft, gefolgt von Bankgeschäften (180 Anträgen) und Zahlungsdienstleistungen (112). Verbraucher beschwerten sich demnach über „Probleme bei Depotüberträgen, wie die Nichtausführung von Aufträgen oder zu lange Ausführungsdauern“, heißt es in der Mitteilung der Finanzaufsicht.
Darüber hinaus sei moniert worden, dass Anschaffungsdaten von Wertpapieren nicht eingestellt wurden und es Fehler beim Steuerabzug bei Dividendenzahlungen oder bei Erlösen aus der Veräußerung von Wertpapieren gab. „Diese Fehler traten bei bestimmten Instituten gehäuft auf“, so die Bafin. Welche Institute es konkret betraf, teilte die Finanzaufsicht nicht mit.
Broker profitierten im vergangenen Jahr von verstärkter Handelsaktivität, mehrere Indizes erreichten neue Rekordhochs. Zu zwei der größten Neobroker des Landes zählen Trade Republic und Scalable Capital. Trade Republic konnte seine Kundenzahl im vergangenen Jahr auf acht Millionen verdoppeln. Scalable Capital zählt derzeit mehr als 1,1 Millionen Kunden auf der Plattform.
Dies führte allerdings auch zu wachsender Kritik. Kunden beschwerten sich etwa über den Kundenservice von Trade Republic, aber auch über misslungene Kontoschließungen und Probleme bei Depotüberträgen. Ein weiterer Kritikpunkt war zudem zu viel abgezogene Kapitalertragsteuer.
Scalable Capital meldete Anfang August Einschränkungen bei seiner Depotbank, was zu Verzögerungen bei der Annahme von Handelsaufträgen führte.
Anzahl grenzüberschreitender Konflikte steigt
Die zunehmende Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen ließ nach Angaben der Bafin auch die Zahl grenzüberschreitender Konflikte steigen. Demnach lagen die Schlichtungsanträge mit Auslandsbezug im vergangenen Jahr bei mehr als 15 Prozent des Gesamtvolumens.
Insgesamt waren im vergangenen Jahr 650 Beschwerden unzulässig, beispielsweise weil sie sich gegen Unternehmen richteten, für die die Schlichtungsstelle nicht zuständig ist oder weil kein ausreichender Antrag gestellt wurde. Insgesamt konnten sich die Parteien in 242 Schlichtungsverfahren einigen.