Cum-Ex: Kronzeuge widerruft Geständnis und attackiert Ex-Verteidiger
Bonn, Düsseldorf. Acht Jahre lang kleidete der Steueranwalt Kai-Uwe Steck seine Schuld in viele Worte. Der Anwalt erklärte in stundenlangen Verhören, wie er den deutschen Staat um Hunderte von Millionen schädigte. Im Zeugenstand sprach er von einer Katharsis.
Er befinde sich in einem Selbstreinigungsprozess, sagte Steck im Landgericht Bonn. Als Motivation nannte er seine kleine Tochter: „Eines Tages möchte ich ihr wieder in die Augen schauen können.“
Doch jetzt, wo er nicht mehr Zeuge, sondern Angeklagter ist, nimmt Steck sein Geständnis zurück. Im Steuerskandal Cum-Ex sei er nicht Täter gewesen, sondern Opfer. Den 17. Verhandlungstag in seinem Prozess machte Steck zur Abrechnung mit seinen eigenen Anwälten.
Der Begriff Cum-Ex bezeichnet Aktiengeschäfte zulasten der Steuerzahler. Die Beteiligten ließen sich dabei Steuern erstatten, die sie gar nicht gezahlt hatten. Der Schaden geht in die Milliarden, in 130 Verfahren gibt es 1700 Beschuldigte. Steck trug maßgeblich zur Aufklärung bei, seine Aussagen brachten unter anderem seinen ehemaligen Mentor Hanno Berger ins Gefängnis.