Consulting: Bain expandiert mit Einkaufsberatung nach Deutschland
Düsseldorf. Die Strategieberatung Bain & Company stellt sich in Deutschland breiter auf. Die von ihr im Jahr 2022 übernommene britische Einkaufsberatung Proxima expandiert nach Deutschland und eröffnet in Düsseldorf ihr erstes Büro.
„Die Expansion von Proxima stärkt unsere Präsenz in einem unserer wichtigsten Märkte“, erklärt Bain-Deutschlandchef Walter Sinn. Die Kollegen brächten ihre Expertise in einem zunehmend bedeutenden Segment mit und seien zudem sehr umsetzungsorientiert. Gerade für hiesige Unternehmen mit ihrer internationalen Ausrichtung erwiesen sich die Themen Beschaffung und Lieferkette als essenziell.
Mit der Expansion der eigenen Einkaufsberatung folgt Bain einem Trend. In der Krise sind vor allem Kosteneinsparungen gefragt und Berater, die sich für weniger Geld engagieren lassen. Das haben auch schon andere Strategieberatungen erkannt.
Das neue Büro von Proxima in Düsseldorf und das Deutschlandgeschäft soll Rene Petri führen. Der 58-Jährige ist seit Herbst 2024 wieder bei der Beratung engagiert, nachdem er sie im Jahr 2016 verlassen hatte. Nach Stationen bei Deloitte und IBM kehrte er zurück.
Bis Ende dieses Jahres will Petri 20 neue Berater bei Proxima in der Rheinmetropole verpflichten. Sie sollen überwiegend aus der Industrie kommen und erfahrene Einkaufsexperten sein. Zehn neue Berater hat Petri eigener Aussage nach schon gefunden.
Im Fokus: indirekte Kosten
„Wir sehen großes Einsparpotenzial in Deutschland, insbesondere in der Industrie, bei Finanzdienstleistern und im Handel“, sagt Petri. Deshalb habe man sich auch für den Standort Düsseldorf entschieden und werde dort in das Büro von Bain im Medienhafen mit einziehen.
Bei den Kostenprogrammen, so Petri im Gespräch mit dem Handelsblatt weiter, gehe es „längst nicht mehr nur um Personalkosten und Entlassungsprogramme“. Stattdessen würden sie als Einkaufsberater „tief in die Lieferketten eintauchen“ und helfen, direkte und auch indirekte Kosten zu senken, beispielsweise für IT oder Marketing.
Experten wie Petri waren in den vergangenen Jahren sehr gefragt. Der Beratungsmarkt im Bereich Einkauf und Beschaffung, genannt „procurement“, ist zuletzt stark gewachsen. Gründe hierfür sind Krisen und Kriege wie die Coronapandemie und der russische Einmarsch in der Ukraine, die Einfluss auf die Lieferketten hatten. Hinzu kamen Regulierungen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.
Geringere Tagessätze
Proxima, 1994 in London gegründet, war bisher nur in Großbritannien und den USA (Chicago) mit eigenen Niederlassungen aktiv. Seit der Übernahme durch Bain hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um rund ein Drittel auf 300 gesteigert. Rund jedes zweite Projekt macht Proxima eigenen Angaben zufolge inzwischen mit den Kollegen von Bain zusammen.
Auch die weltweite Nummer zwei der Strategieberatungen, die Boston Consulting Group (BCG), setzt seit einigen Jahren verstärkt auf Einkaufsberatung, konkret durch die 2017 akquirierte Firma Inverto. Grund dafür ist, dass die Berater von Inverto und Proxima umsetzungsorientierter sind. Zudem arbeiten sie auch für deutlich geringere Tagessätze als ihre vor allem strategisch und konzeptionell operierenden Kollegen von Bain und BCG.
Für Petri ist klar: „Wir ergänzen uns hervorragend. Die Kollegen von Bain schauen von oben nach unten, wir von Proxima von unten nach oben.“