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NahostNeue Machthaber in Syrien werden schwerer Verbrechen beschuldigt

Zwischen Sicherheitskräften der neuen Regierung und Anhängern des gestürzten Assad-Regimes ist es zu schweren Kämpfen gekommen. Es soll gezielte Tötung von Zivilisten gegeben haben.Inga Rogg 09.03.2025 - 16:22 Uhr Artikel anhören
Latakia in Syrien: Die syrischen Streitkräfte rücken von hier aus mit schweren Waffen vor, um gegen Assad-Anhänger zu kämpfen. Foto: Moawia Atrash/dpa

Istanbul. Der syrische Interimspräsident Ahmed al-Sharaa hat am Sonntag zum Frieden zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in seinem Land aufgerufen. In den Tagen zuvor war es zu schweren Menschenrechtsverletzungen an der Minderheit der Alawiten gekommen.

Nach Angaben verschiedener Organisationen forderten die Übergriffe auf alawitische Zivilisten mehrere Hundert Tote. Der ehemalige Despot Bashar al-Assad und viele Stützen seines Regimes gehörten der Minderheit an.

Assad war im Dezember von sunnitischen Islamisten rund um Sharaa gestürzt worden. Assad und seine Familie setzten sich nach Moskau ab. Seitdem ist es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften der neuen Machthaber und Getreuen des ehemaligen Regimes gekommen. Die Alawiten leben vor allem in den Küsten- und Bergregionen um Latakia und Tartus sowie in Dörfern nahe Homs.

Angriffe auf Alawiten

Die jüngsten Kämpfe brachen aus, nachdem Einheiten der sogenannten neuen syrischen Armee ehemalige ranghohe Offiziere festnehmen wollten. Nach Angaben der Übergangsregierung und der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte forderte ein Angriff von Assad-Anhängern auf Sicherheitskräfte am Donnerstagabend nahe Latakia 16 Tote und löste schwere Auseinandersetzungen aus.

Von Latakia breiteten sich die Kämpfe dann über das gesamte alawitische Kernland aus. Die Übergangsregierung verlegte mehrere Tausend Kämpfer in die Region. Journalisten wurde der Zugang in die Gebiete versperrt, sodass sich viele Angaben schwer verifizieren lassen.

Fest steht jedoch, dass die Sicherheitskräfte Verbrechen an alawitischen Zivilisten verübten. Zum Teil wurden ganze Familien Opfer von Erschießungen, wie von unabhängigen Beobachtern überprüfte Videos belegen.

Die Beobachtungsstelle zählte bis Sonntagnachmittag mehr als 1000 Tote, unter ihnen rund 700 Zivilisten. Eine andere Organisation, das Syrische Netzwerk für Menschenrechte, sprach von mehr als 300 Todesopfern, mehr als die Hälfte von ihnen Zivilpersonen, vor allem Alawiten. Assad-Anhänger hätten 26 Zivilisten getötet, sagte Fadel Abdul Ghani, der Leiter der Organisation.

Regierung kündigt Untersuchung an

Bei den Ermordungen handelt es sich um die schwersten Menschenrechtsverletzungen seit dem Sturz des Assad-Regimes. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, zeigt sich „zutiefst alarmiert“. Alle Seiten müssten Schritte unterlassen, die das Land destabilisieren könnten und es vom Weg „eines glaubwürdigen Übergangs“ von der Diktatur zu einer Demokratie abbrächten, erklärte Pedersen.

Sharaa und seine islamistische Regierung bemühen sich seit der Machtübernahme um internationale Anerkennung. Erst kürzlich hat die EU zahlreiche der harten Sanktionen gelockert.

Syriens Interimspräsident Ahmed al-Scharaa: „Wir müssen die nationale Einheit und den nationalen Frieden bewahren.“ Foto: Getty Images News/Getty Images

Regierungsvertreter wiesen zunächst jegliche Kritik von sich. Man weise „die nicht bewiesenen Vorwürfe über Verstöße der Regierungseinheiten“ zurück, erklärte das Informationsministerium. Die Sicherheitskräfte handelten in Übereinstimmung mit den „strikten Standards des humanitären Völkerrechts und bemühen sich, die Zivilbevölkerung während Operationen zu schützen“. Gleichzeitig kündigte die Regierung jedoch eine umfassende Untersuchung an.

Interimspräsident Sharaa besuchte am Sonntag eigens eine Moschee im nördlichen Damaszener Stadtteil Mazzeh, wo viele Alawiten leben, um die Lage zu beruhigen. In der Moschee soll er als junger Mann häufig gebetet haben.

„Wir müssen die nationale Einheit und den nationalen Frieden bewahren“, sagte Sharaa in der Moschee. „Wir können miteinander leben.“ Syrien habe alle Eigenschaften, um als Staat zu überleben. „Was derzeit in Syrien passiert, gehört zu den Herausforderungen, mit denen zu rechnen war“, so Sharaa.

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In seinen Reihen finden sich freilich etliche Fraktionen von sunnitischen Hardlinern. Sie sehen in den Angehörigen von Minderheiten keine Bürger mit gleichen Rechten, die geschützt werden sollten. Vielmehr geht es ihnen um Rache und Unterwerfung.

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