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AutozuliefererWebasto-Chef Holger Engelmann muss gehen

Mitten in der Sanierung tauscht der Zulieferer Webasto den Vorstandschef. Der Nachfolger von Holger Engelmann steht bereits fest – und hat einen klaren Auftrag der Eigentümer.Peter Brors, Markus Fasse 13.03.2025 - 10:02 Uhr Artikel anhören
Webasto-Chef Holger Engelmann muss seinen Posten vorzeitig räumen. Foto: picture alliance/dpa

München. Der in die Krise geratene Autozulieferer Webasto tauscht seinen Vorstandschef aus. Holger Engelmann werde bereits kommende Woche abgelöst, erklärte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats. Nachfolger werde Jörg Buchheim, zuletzt Vorstandschef des norwegischen Autozulieferers Kongsberg.

Buchheim gilt als Experte für Sanierungen in der Automobilzulieferindustrie. Mit ihm gewinne Webasto „eine erfahrene Führungspersönlichkeit, die sich durch klare strategische Ausrichtung und unternehmerische Entschlossenheit auszeichnet“, erklärte Webasto am Vormittag in Stockdorf bei München.

Der Chefwechsel hatte sich abgezeichnet. Bereits im vergangenen Herbst meldete das Unternehmen eine finanzielle Schieflage. Mitte Januar holte Webasto mit Johann Stohner einen Sanierer in den Vorstand.

Webasto hat massiv ins China-Geschäft investiert

Anfang dieser Woche legte das Management den kreditgebenden Banken ein Sanierungsgutachten vor, wie das Handelsblatt exklusiv berichtete. Demnach ist Webasto zwar grundsätzlich sanierungsfähig, allerdings braucht das Unternehmen bis zu 200 Millionen zusätzliches Eigenkapital. Ob die Summe von den beiden Eigentümerfamilien aufgebracht werden kann oder von externen Investoren kommen muss, ist offen.

Webasto ist mit einem Umsatz von zuletzt rund 4,6 Milliarden Euro und weltweit über 18.000 Beschäftigten einer der großen familiendominierten Autozulieferer in Deutschland.

Eigentümer sind die Familien Baier und Mey, Nachfahren des Firmengründers Wilhelm Baier. Die wichtigsten Produkte von Webasto sind Glaspanoramadächer, die rund 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bekannt ist das Unternehmen auch für Standheizungen.

Der Krisenverlauf ist typisch für die Probleme der Zulieferbranche. Webasto-Chef Engelmann investierte massiv in den Autoboom in China. Zeitweise hatten die Stockdorfer ein Dutzend Werke in Fernost.

Die Abnehmer sind vor allem die großen Joint Ventures, die Volkswagen, BMW und Mercedes mit chinesischen Partnern betreiben. Doch genau die geraten seit Jahren massiv unter Druck. Die Folge sind Überkapazitäten und Preisverfall in China, der Hersteller und Zulieferer massiv zu schaffen macht. Webasto musste bereits zwei Werke im Land schließen.

Die gesamte Zulieferbranche steht unter Druck

Bei Webasto scheiterte zudem der Versuch, in den Bau von Ladesäulen einzusteigen. Die hohen Investitionen erzeugten hohe Verluste, Anfang 2024 stieß Vorstandschef Engelmann das Geschäft wieder ab. Im Laufe des Jahres spitzte sich die Situation weiter zu. Die Autohersteller drückten auf Mengen und Preise, die Kosten bei Webasto stiegen. Engelmann kürzte die Produktion und strich 1600 Stellen.

Nun muss der Manager vorzeitig gehen, sein Vertrag wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Damit ermögliche Engelmann „einen Wechsel im Amt des Vorstandsvorsitzenden zu einem richtigen Zeitpunkt in einer wichtigen Phase der laufenden Restrukturierung“, erklärte Webasto.

Webasto-Produktion in China: Das Unternehmen musste dort bereits zwei Werke schließen. Foto: Future Publishing/Getty Images

Mit der Berufung des Sanierungsexperten Buchheim, der auch schon beim Scheinwerferhersteller Hella arbeitete, setzt der Aufsichtsrat mit Rolf Bulander an der Spitze und Mitgliedern der beiden Eigentümerfamilien ein aus ihrer Sicht "klares Signal". Webasto stelle sich entschlossen der Herausforderung und schaffe die Basis für eine erfolgreiche Transformation.

„Webasto begeistert mich als traditionsreiches Unternehmen mit einer langen Geschichte – ein Erbe, das in Deutschland immer seltener wird“, erklärte Buchheim vor seinem Antritt. „Mein Ziel ist es, Webasto mit einer klaren strategischen Ausrichtung erfolgreich durch die Transformation zu führen.“

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