„Trump Watch“: „Deep State“ schlägt zurück – sanft, aber smart
Ich kenne nicht wenige Amerikaner, die neuerdings neue Leidenschaften entdecken: Eine Freundin spielt jetzt Schach, ein Bekannter schlägt Tennisbälle übers Netz, ein anderer lernt mit Ende 50 sogar noch Violine. Hauptsache, privat. Hauptsache, möglichst weit weg von der Politik.
Untern Teppich kriechen – in der Hoffnung, dass der Trump-Sturm vorüberzieht, ohne allzu großen Schaden anzurichten. Noch überraschender als die Entschlossenheit und die Radikalität, mit der Trump seit zwei Monaten zur Tat schreitet, ist die Lethargie der oppositionellen Kräfte.
Doch es gibt sie, die Helden des Widerstands. John Roberts etwa. Der Chef des Supreme Court hat ein unüberhörbares Signal an jenen höchsten Vertreter der Exekutive geschickt, der nicht nur Gerichtsurteile ignoriert, sondern gemeinsam mit seinem Effizienzberater Elon Musk hohen Vertretern der Judikative auch offen mit Entlassung droht.
Seit mehr als zwei Jahrhunderten stehe fest, dass „die Absetzung von Richtern die falsche Reaktion auf Differenzen über Gerichtsurteile“ sei, so Roberts. Schlimm genug, dass der oberste Richter den Präsidenten darauf hinweisen muss, dass Amerika ein Rechtsstaat ist, zu dem eben auch so etwas Lästiges wie die Gewaltenteilung gehört.