Handel: US-Wirtschaft will Gebühren für chinesische Schiffe verhindern
Los Angeles. US-Präsident Donald Trump trifft mit seinem Vorstoß für hohe Hafengebühren auf Schiffe „Made in China“ auf Widerstand im eigenen Land. Das Vorhaben würde zulasten von US-Reedereien, Häfen und Exporteuren gehen, hielten Branchenvertreter den Initiatoren der konkreten Pläne – dem Büro des US-Handelsbeauftragten – bei einer Anhörung am Montag (US-Ortszeit) vor.
Trump will US-Werften stärken, die weltweit aktuell kaum eine Rolle spielen. Zustimmung bekam er erwartungsgemäß von Schiffsbau-Gewerkschaften, aber auch von einigen demokratischen Abgeordneten. Am Mittwoch gehen die Anhörungen weiter, die international genau beobachtet werden. Die Gebühren würden praktisch alle weltweit tätigen Reedereien treffen.
Im Gespräch sind US-Hafengebühren in Millionenhöhe pro Einlauf für Schiffe aus chinesischer Fertigung. Doch kaum eine Großreederei kommt ohne Frachter aus der Volksrepublik aus, die den Schiffbau seit einigen Jahren dominiert. Genau das will der Republikaner Trump ändern. Über 60 Demokraten stimmten den Plänen zu und fordern eine rasche Umsetzung. Sonst drohe der Verlust von Jobs und wichtiger Industriekapazität, hieß es.
Doch Gegner der Initiative fürchten, dass sie nach hinten losgeht: Massiv steigende Transportkosten würden nicht nur den Reedereien zusetzen, sondern auch Einkäufe für US-Verbraucher verteuern, US-Exporte schmälern und Jobs gefährden, so ihre Argumentation. Wenn Reedereien, ihre Kunden und Verbraucher immense Nachteile durch die Gebühren haben, bleiben Aufträge für amerikanische Werften zum Bau neuer Frachter erst recht aus.
„Dem nationalen Interesse ist nicht gedient, wenn die Bemühungen zur Stärkung des US-Schiffsbaus unbeabsichtigt Reedereien in amerikanischem Besitz zerstören“, sagte der Chef von Seaboard Marine, Edward Gonzalez. Seaboard Marine ist die größte Reederei in US-Besitz mit internationaler Reichweite. Sie rangiert Daten des Analyse-Hauses Alphaliner zufolge auf Platz 37 der weltgrößten Container-Reedereien. Von den 24 Schiffen der in Florida ansässigen Firma sind 16 in China gebaut.
Schiffe aus den USA kosten fünf Mal so viel
Experten zufolge kostet der Bau eines Containerschiffs in den USA rund fünf Mal so viel wie in China. Werften in den USA produzieren jährlich weniger als zehn Schiffe, jene in China rund 1000, wie bei der Anhörung erklärt wurde.
Bis die Produktion in den USA – wie von Trumps Team gewünscht – hochgefahren ist, könnten japanische und südkoreanische Werften einspringen. Sie haben den Schiffsbau vor dem Boom in China dominiert. Doch sie könnten Probleme haben, der Nachfrage nachzukommen. Es könne nicht einfach ein Schalter umgelegt werden, so die Chefin des US-Reederei-Verbands, Kathy Metcalf.
Auch Deutschlands größte Container-Reederei Hapag-Lloyd schickt Frachter aus China über die Weltmeere. Die meisten kommen aber aus Japan und Südkorea. Allerdings hat Hapag-Lloyd jüngst 24 weitere Schiffe bei chinesischen Werften in Auftrag gegeben. Konzernchef Rolf Habben Jansen sagte kürzlich, er rechne mit einer Abschwächung der US-Pläne für Hafengebühren und warte die weitere Entwicklung zunächst ab.