Kapitalmarkt: Ungarn zwingt Investoren zu verstärkten Anleihekäufen
Düsseldorf. Ungarn muss seinen angespannten Haushalt finanzieren und greift dazu zu ungewöhnlichen Mitteln: Das Land verlangt von institutionellen Investoren künftig, mehr ungarische Anleihen zu kaufen.
Das Wirtschaftsministerium des Landes schreibt inländischen Fonds ab Oktober vor, mindestens drei Prozent seines Vermögens in kurzfristigen ungarischen Staatsanleihen zu halten. Ab dem April des kommenden Jahres soll eine Mindestanforderung für vier Prozent bei kurzfristigen Schuldverschreibungen und für sechs Prozent bei Bonds gelten. Für manche Rentenfonds werden die Untergrenzen auf zehn und fünf Prozent erhöht.
Aktuell besteht bereits eine Regel, die den Investoren vorschreibt, mindestens fünf Prozent ihrer Anlagen in Form von Staatsanleihen zu halten.
Renditen fallen, Forint gibt nach
Manche Investoren scheinen die neuen Regeln bereits umzusetzen. Die Rendite der zehnjährigen ungarischen Staatsanleihe fiel um mehr als 0,7 Prozentpunkte, spiegelbildlich stieg der Preis. Der Bonds rentierte aber weiterhin über sieben Prozent. Die ungarische Währung Forint fiel dem Euro gegenüber um 0,6 Prozent und notierte im Vergleich zur Gemeinschaftswährung auf dem niedrigsten Stand seit drei Wochen.
Ungarns Regierung versucht mit den neuen Regeln, die Finanzierung durch institutionelle Investoren zu stärken. Zuletzt hat sich das Land noch auf Privatanleger verlassen. Der rechtspopulistische Regierungschef Viktor Orban will den Konsum stärken und so die Konjunktur im Land wiederbeleben. Prognosen zufolge wird sich Ungarn aber nur langsam von der Rezession des vergangenen Jahres erholen.
Zudem muss Orban seine durchaus teuren Wahlkampfversprechen finanzieren. Zum Beispiel will er Mütter von mindestens zwei Kindern lebenslang von der Einkommenssteuer befreien.
Manche Marktbeobachter sehen die Finanzierungspläne kritisch. „Einigen Anlegern könnte es unangenehm sein, dass die Fonds im Wesentlichen gezwungen sind, mehr Anleihen zu halten, die zur Finanzierung von Investitionen ausgegeben werden, die die Produktivität nicht erhöhen“, sagte etwa Piotr Matys, ein leitender Analyst bei inTouch Capital Markets, mit Blick auf die Wahlgeschenke.
Es war der jüngste Markteingriff unter Wirtschaftsminister Marton Nagy, der dafür immer wieder versucht, die Preise durch staatliche Regulierung zu beeinflussen. Anfang dieses Monats beschränkte Ungarn etwa die Gewinne, die Einzelhändler bei etwa 30 Grundnahrungsmitteln machen dürfen. Außerdem gilt für Banken sogar eine Regel, die festlegt, wie viele Geldautomaten sie betreiben müssen.
Der Finanzierungsplan der Regierung vom Dezember sah vor, sich verstärkt auf Banken, Versicherer und Investmentfonds zu stützen. Interventionen, wie sie am Donnerstag angekündigt wurden, führen nach Ansicht von Viktor Szabo, Investment Director bei Aberdeen Investments, nur selten zu einer Änderung der Marktpreise.
„Die Maßnahme könnte kurzfristig hilfreich sein, aber sie ändert nichts an den strukturellen Problemen“, sagte Szabo.