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HandelskriegTrumps Zölle läuten nicht das Ende der Weltwirtschaft ein

Die Sanktionen des US-Präsidenten auf Produkte aus Eisen und Stahl können die digitale Globalisierung nicht aufhalten. Dienstleistungen wachsen schneller als der Warenverkehr.Torsten Riecke 03.04.2025 - 18:18 Uhr Artikel anhören
Donald Trump: Der US-Präsident lässt bei der Berechnung von Strafzöllen den Handel mit Dienstleistungen außer Acht. Foto: AFP

London. Das Erstaunlichste an dem von Donald Trump angezettelten Handelskrieg ist, dass der technologische Wandel dabei kaum eine Rolle spielt. So sind digitale Dienstleistungen bei der Berechnung der einzelnen Strafzölle überhaupt kein Faktor. Dass die USA dank der globalen Reichweite ihrer Tech-Konzerne bei den Services insgesamt einen Handelsüberschuss von fast 300 Milliarden Dollar mit dem Rest der Welt verzeichnen, wurde von den Handelskriegern im Weißen Haus schlicht ignoriert.

In einer immer stärker digitalisierten Weltwirtschaft wirkt es deshalb wie ein Anachronismus, dass ausgerechnet die Hightech-Nation Amerika ihren Wohlstand mit Strafzöllen auf Produkte der „Old Economy“ sichern will. Der US-Präsident umgibt sich zwar mit Tech-Oligarchen wie Elon Musk. Sein Denken wird jedoch ganz offensichtlich von einem seiner Vorgänger, William McKinley, bestimmt, der Ende des 19. Jahrhunderts die USA ebenfalls mit Importzöllen vor dem ersten Globalisierungsschub schützen wollte und den Trump als sein großes Vorbild betrachtet.

Digitale Dienstleistungen waren in den vergangenen 20 Jahren der wichtigste Wachstumstreiber im Welthandel. Die Exporte von Services insgesamt sind seit 2005 fast doppelt so schnell gewachsen wie die Güterausfuhren. Der größte Gewinner dieser Entwicklung sind die USA selbst.

Die Produktivitätsfortschritte durch den immer schnelleren Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beschleunigen den digitalen Handel noch. In einem Bericht schätzt die Welthandelsorganisation WTO, dass durch KI in einem optimistischen Szenario bis zum Jahr 2040 das reale Wachstum des Welthandels um fast 14 Prozentpunkte zunehmen könnte.

„Es wird zunehmend anerkannt, dass die Globalisierung der Produktion durch den technologischen Fortschritt vorangetrieben wird“, stellt die International Chamber of Commerce (ICC) fest. Datenübertragungen sollen nach Schätzungen der Handelskammern in diesem Jahr mit bis zu elf Billionen Dollar zur globalen Wirtschaftsleistung beitragen, das wäre mehr als der weltweite Warenhandel, den Trump mit seinen Strafzöllen im Visier hat.

Bereits vor zehn Jahren prahlte der US-Industriekonzern General Electric mit seiner hochmodernen Zukunftsfabrik im indischen Chakan, wo 3D-Drucker Kraftstoffdüsen für Flugzeugtriebwerke herstellen. Statt die Einzelteile einer solchen Kraftstoffdüse nach Indien zu liefern, um sie dort zusammenzubauen, werden die Fertigungspläne digital übertragen, den Rest erledigt ein 3D-Drucker. Bis heute liefert die „Smart Factory“ eine Blaupause für weitere digital vernetzte Brückenköpfe von GE Aerospace in Asien und zeigt, wie der Güterverkehr durch Datenströme ersetzt wird.

Dieser Trend sollte all jenen zu denken geben, die jetzt nach dem Trump-Rundumschlag bereits das Ende der Welt(wirtschaft) ausrufen. Die Globalisierung wurde in den vergangenen Jahren angesichts der geopolitischen und geoökonomischen Spannungen immer wieder totgesagt. Dabei wird jedoch übersehen, dass neue Technologien nicht nur das Gesicht der Globalisierung verändern, sondern auch wirtschaftlich eine Triebkraft entwickeln, die Trump mit seinen Zöllen auf Eisen- und Stahlprodukte nicht dauerhaft aufhalten kann.

Einigung bei Dienstleistungen könnte Streit entschärfen

Es ist deshalb richtig, dass die EU bei ihren Gegensanktionen auch die digitalen Dienstleistungen der großen US-Konzerne aufs Korn nehmen will. Das würde das Augenmerk auf die digitalen Handelsströme lenken und den Streit über Handelsbarrieren und Ungleichgewichte ehrlicher machen.

Dass die Trump-Regierung gegenüber britischen Exporten Gnade vor Willkür walten lassen will, wenn die Briten auf ihre Digitalsteuern für Dienstleistungen verzichten, zeigt, dass hier ein Schlüssel für eine Verhandlungslösung liegen kann, um den globalen Handelsstreit zu deeskalieren.

Containerterminal Burchardkai (CTB) im Hamburger Hafen. Kommt es doch noch zu einer Verhandlungslösung, um die Weltwirtschaft zu schonen? Foto: Marcus Brandt/dpa

Die US-Denkfabrik Center for New American Security hat in einem „Sandkastenspiel“ bereits durchexerziert, wie der Handelskonflikt ausgehen könnte, ohne die Weltwirtschaft in eine Krise zu stürzen. Dort traten Interessenvertreter Europas, Chinas und der USA gegeneinander an, rangen einen Tag am Verhandlungstisch miteinander und kamen am Ende des Rollenspiels zu einem Kompromiss, bei dem jede Seite Zugeständnisse machen musste.

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Möglich war das allerdings nur, weil alle Parteien am Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen interessiert waren. Nach Trumps willkürlichem Rundumschlag kann man sich dessen jedoch nicht mehr so sicher sein.

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