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GazakriegIsrael nimmt Plan der vollständigen Vernichtung der Hamas wieder auf

Verteidigungsminister Katz lässt die Armee in weite Teile des Gazastreifens einmarschieren. Dieses Mal könnte die Besetzung von Dauer sein.Pierre Heumann 02.04.2025 - 11:08 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte bereits zuvor gedroht, Israel werde Teile des Gazastreifens dauerhaft einnehmen. Foto: Ariel Hermoni/Verteidigungsminis

Tel Aviv. Israels Militär dehnt die Militäroperationen im Gazastreifen aus. Große Teile des Gebiets sollen besetzt werden und zu bereits bestehenden Sicherheitszonen hinzugefügt werden. Ein Großteil der Palästinenser ist innerhalb des Gazastreifens erneut auf der Flucht.

Bei israelischen Luftangriffen auf die Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens kamen nach Angaben von Krankenhausangestellten 17 Menschen ums Leben. In Dschabalija im Norden des Gebiets starben mindestens 19 Menschen, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die Bundesregierung ließ 19 deutsche Staatsbürger und deren enge Familienangehörige außer Landes bringen.

Israels Regierung, die von US-Präsident Donald Trump freie Hand bei der Ausweitung der Angriffe hat, verfolgt nach eigenen Angaben mehrere Ziele:

  • Sie will erstens den Druck auf die Hamas erhöhen, Verhandlungen über die 59 Geiseln wieder aufzunehmen, die in Gaza seit 543 Tagen in Tunneln gefangen gehalten werden.
  • Zweitens will sie die Zivilbevölkerung in Gaza dazu bringen, sich gegen die Hamas zu erheben. In der vergangenen Woche gab es in Gaza vereinzelt Demonstrationen gegen die Hamas, die inzwischen aber wieder abgeflaut sind. Jetzt ruft Israel die Bevölkerung auf, sich gegen die Hamas zu erheben und dafür zu sorgen, dass die Geiseln freigelassen werden.

Hamas geht gegen Kritiker vor

„Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden“, heißt es in einer Mitteilung von Verteidigungsminister Israel Katz. Damit ist die Drohung verbunden, dass die Armee so lange in Gaza bleiben wird, bis die Geiseln nach Hause kommen.

Im Gazastreifen gibt es Anzeichen für eine wachsende Enttäuschung über die Hamas. Beobachter in Gaza wollen nicht ausschließen, dass die Proteste gegen die Hamas demnächst wieder aufflammen.

Denn nach 17 Jahren Hamas-Herrschaft sind die Palästinenser heute mit einer Katastrophe konfrontiert. Dafür machen viele nicht nur Israel, sondern auch die Hamas verantwortlich.

Bei Angriffen im Gazastreifen sind mehrere Menschen getötet worden. Unterdessen kündigte Israels Verteidigungsminister Katz an, den Militäreinsatz erheblich auszuweiten. Die Bundesregierung ließ 19 deutsche Staatsbürger und deren Familien evakuieren.

Aber die radikalen Islamisten gehen brutal gegen ihre Gegner vor. So legten sie die Leiche eines Demonstranten vor die Tür seiner Familie, um weitere Hamas-Gegner einzuschüchtern.

Die militärische Offensive der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirft Fragen auf. Trotz anderthalb Jahren intensiver Angriffe konnte die Befreiung der Geiseln bisher nicht erreicht werden. Es spricht wenig dafür, dass es jetzt gelingen kann. Im Gegenteil: Das Vorrücken der Armee und die Luftangriffe bedrohen das Überleben der Geiseln.

Militärexperten bezweifeln, dass es möglich ist, die Hamas vollständig auszuschalten. Die Terrorgruppe hat sich als widerstandsfähig erwiesen, was zum Teil auf ihr ausgedehntes Tunnelnetz und ihre tief verwurzelte Präsenz in der palästinensischen Gesellschaft zurückzuführen ist.

Ausreise der Palästinenser wird vorbereitet

Dass die Bevölkerung im verwüsteten Gazastreifen für sich keine Zukunft sieht, ist für die Hamas kein Grund zu kapitulieren. Diese Komplexität macht den von Netanjahu seit Monaten in Aussicht gestellten „totalen militärischen Sieg“ über die Hamas schwierig.

Zudem ist unklar, wie viel mehr die israelischen Streitkräfte verkraften können. Die Armee ist so organisiert, dass sie kurze Kriege führen und schnell entscheiden kann. Nun steht sie aber seit vielen Monaten unter einer starken Belastung. Da kein Ende in Sicht ist, warnen Verteidigungsanalysten und Reservisten vor einer zunehmenden Zermürbung der Streitkräfte.

Naher Osten

Reservisten verweigern wohl Rückkehr in Gaza-Krieg

Beobachter vermuten, dass Netanjahu neben militärischen auch persönliche und politische Ziele verfolgt. Seine Rechtsaußen-Koalitionspartner setzen ihn unter Druck, den Krieg gegen Gaza fortzusetzen. Andernfalls drohen sie mit einem Austritt aus der Koalition. Laut Meinungsumfragen kann Netanjahu derzeit nicht mit einem Sieg rechnen, sollte es zu Neuwahlen kommen.

Israels Verteidigungsminister Katz hat das Militär angewiesen, einen Plan zu erstellen, der die „freiwillige Ausreise“ von Bewohnern Gazas ermöglichen soll. Dazu gehören die Einrichtung einer Verwaltung, die die Ausreise von Palästinensern in andere Länder erleichtern soll, sowie logistische Vorbereitungen, um einen Massenexodus abzuwickeln.

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Ägypten hat diplomatische Anstrengungen unternommen, um diesem Vorschlag entgegenzuwirken, und warnt davor, dass er den Friedensvertrag mit Israel gefährden könnte. Auch andere Länder und internationale Organisationen äußern Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit und Durchführbarkeit einer solchen Maßnahme.

Trumps Plan ist es, die Palästinenser dauerhaft aus Gaza umzusiedeln und das Gebiet als Urlaubsresort zu entwickeln.

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