HDE-Konsumbarometer: Verbraucher halten ihr Geld zusammen
Düsseldorf. Deutschlands Verbraucher bleiben vorsichtig. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer. Zwar stieg der Index nun schon den vierten Monat in Folge. Allerdings erfolgt die Erholung von dem Einbruch zur Jahreswende in Trippelschritten.
Im Mai notiert das Barometer nun bei 96,1 Zählern und damit noch immer deutlich unter dem Wert vom vergangenen Dezember. Spiegelbildlich teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit, dass der private Konsum im ersten Quartal leicht zugenommen hat, ohne jedoch Details zu nennen.
Das HDE-Konsumbarometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten in Deutschland; es wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für den Handelsverband HDE berechnet. Für Mai gaben die Befragten an, dass ihre Anschaffungsneigung gegenüber dem Vormonat leicht zugenommen hat. Zudem erwarten die Konsumenten sinkende Zinsen, was konsumstimulierend wirkt.
Hingegen nahmen die Sorgen vor höheren Preisen wieder leicht zu. Außerdem planen die Befragten, mehr Geld zu sparen, statt es auszugeben. Indes rechnen sie eher als im April damit, dass ihr Einkommen steigt – allerdings geben sie sich weniger optimistisch als im Dezember.
Konsumenten trauen der künftigen Regierung keinen Aufschwung zu
Insgesamt scheinen die Verbraucher der neu gewählten Bundesregierung nicht zuzutrauen, rasch einen Wirtschaftsaufschwung entfachen zu können. Viele Verbraucher spüren noch immer die Folgen des Inflationsschubs der Jahre 2022 und 2023. Zwar gab es in vielen Branchen zuletzt Gehaltserhöhungen, gleichwohl liegen in der gesamten Volkswirtschaft die Reallöhne noch immer merklich unter dem Niveau von vor der Coronapandemie.
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Die deutsche Volkswirtschaft stagniert seit nunmehr fünf Jahren. Zwar stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal leicht um 0,2 Prozent. Viele Ökonomen erwarten für das zweite Quartal jedoch schon wieder einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung, auch, weil das Statistische Bundesamt offenbar Probleme hat, die Einflüsse der Jahreszeiten treffsicher in seinen Datenkolonnen abzubilden.
Auch in den Jahren 2022 bis 2024 legte die reale Wirtschaftsleistung stets im ersten und dritten Quartal zu und schrumpfte im zweiten und vierten Quartal. In einem milden Winter werden die statistischen Abschläge in der Saisonbereinigung für negative Wettereinflüsse etwa auf die Bauwirtschaft zu hoch angesetzt, was dazu führt, dass das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal überschätzt wird. Dieser Effekt dreht sich dann im Folgequartal um.
Für das Gesamtjahr 2025 rechnen die meisten Volkswirte und auch die Bundesregierung mit erneuter Stagnation der Wirtschaftsleistung. Das HRI prognostiziert einen weiteren leichten Rückgang.
Gleichwohl sind alle Prognosen mit hoher Unsicherheit behaftet, da kaum abschätzbar ist, wie sich die amerikanische Handelspolitik entwickelt. Sollten die lediglich für drei Monate ausgesetzten hohen US-Importzölle im Sommer in Kraft treten, dürfte dies auch die exportabhängige deutsche Volkswirtschaft empfindlich treffen.
Schon jetzt ist insbesondere die deutsche Industrie angeschlagen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass Monat für Monat rund 10.000 Industriearbeitsplätze verloren gehen.
Dies treibt nicht nur die Sorge der Beschäftigten vor einem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Tatsächlich steigt auch die Arbeitslosigkeit monatlich im Schnitt um rund 15.000 bis 20.000 Personen an, sofern saisonale Schwankungen herausgerechnet werden.
Hohe Insolvenzzahlen bremsen Belebung am Arbeitsmarkt
Gemessen an den Tiefstständen von Frühjahr 2019 waren im zurückliegenden April rund 700.000 mehr Personen arbeitslos gemeldet. Die Frühjahrsbelebung sei „auch im April vergleichsweise schwach“ ausgefallen, sagte Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, bei der Vorstellung der monatlichen Daten.
Ein Grund sind die hohen Insolvenzahlen. Nach Hochrechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle wurde im ersten Quartal 2025 „das vergangene Rekordquartal nochmals leicht übertroffen“. Demnach gingen im ersten Quartal 4237 Personen- und Kapitalgesellschaften in die Insolvenz.
Angesichts der trüben gesamtwirtschaftlichen Aussichten entwickelten sich die Umsätze im Einzelhandel nach einem guten Jahresauftakt wieder schwächer. Im Vergleich zum Vormonat sanken im März die Umsätze real um 0,2 Prozent.
Dennoch steht für das erste Quartal ein reales Umsatzplus von 1,4 Prozent in den Büchern. Extrem gut entwickelte sich der Internet- und Versandhandel mit einem realen Zuwachs von 11,6 Prozent.
Ebenfalls ein Umsatzplus schrieben Apotheken sowie der Handel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten. Der Handel mit den übrigen Warengruppen verbuchte nach vorläufigen Daten hingegen teils deutliche reale Umsatzeinbußen.