Handelskrieg: Wie Donald Trumps Zollchaos den weltweiten Abschwung einläutet
New York, Washington, Düsseldorf, Brüssel. Der von den USA begonnene Handelskrieg zeigt erste wirtschaftliche Folgen: Zahlreiche Unternehmen, die in den vergangenen Tagen ihre Quartalsbilanz vorgelegt haben, warnen vor zunehmender Unsicherheit – und senken reihenweise ihre bisherigen Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr. Zudem zeigen wöchentliche Transportdaten einen rapiden Einbruch der Einfuhren aus China. In der letzten Aprilwoche wurden nur noch halb so viele Container über den Pazifik transportiert wie noch zu Beginn des Monats.
Der US-Autohersteller General Motors kalkuliert für 2025 mit höheren Belastungen von vier bis fünf Milliarden US-Dollar infolge der US-Zölle. Ähnliche Erwartungen haben der Elektronikkonzern Best Buy sowie die Fluggesellschaft American Airlines, die mit höheren Einkaufspreisen rechnen.
Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo Management, sieht die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA bei 90 Prozent. Er warnt vor Engpässen ähnlich wie in der Coronakrise bei gleichzeitigen Entlassungswellen in Logistik, Transport und Einzelhandel: Es handele sich um den „stärksten Rückgang der Gewinnaussichten seit 2020“, dem Jahr der Coronakrise.
Während große Aktienindizes wie der S&P 500 ihren Absturz nach Trumps Zollankündigung am 2. April mittlerweile wieder überwunden haben, reagieren andere Indikatoren bereits ungewöhnlich früh.
So ist das Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft – der erste Rückgang seit drei Jahren. „Falls Trump nach den 90 Tagen flächendeckend zu den reziproken Zöllen zurückkehrt, sind ein Crash an den Aktienbörsen und eine Rezession in den USA sehr wahrscheinlich“, warnt Ifo-Chef Clemens Fuest.
Noch hoffen Unternehmen, Anleger und Verbraucher, mit dem Schrecken davonzukommen. Doch unter der Oberfläche beginnt sich eine ökonomische Schieflage aufzubauen, deren Ausmaß viele noch unterschätzen.