Manfred Güllner: „Anbiederungen von Spahn an die AfD haben nur der AfD genutzt“
Berlin. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, hat die Union vor einem neuen Umgang mit der AfD bei parlamentarischen Abläufen und Funktionen im neuen Bundestag gewarnt. „Jede weitere Öffnung nach rechts würde den Niedergang der CDU beschleunigen und der AfD zum Sieg bei der nächsten Bundestagswahl verhelfen“, sagte Güllner im Interview mit dem Handelsblatt.
Scharfe Kritik äußerte er an den Überlegungen des designierten Unionsfraktionschefs Jens Spahn (CDU), die AfD wie andere Oppositionsparteien zu behandeln. „Angesichts der Sorgen der Menschen waren Spahns Äußerungen zum Umgang mit der AfD völlig unnötig und unangebracht“, sagte Güllner. Sie seien von vielen „als Anbiederung und Öffnung an die AfD verstanden worden“ und hätten, wie die aktuellen Umfragen zeigen, eindeutig der AfD genutzt und der Union geschadet.
„Es ist jetzt ganz wichtig, dass diejenigen, die mit einer Normalisierung der AfD liebäugeln, davon die Finger lassen“, betonte Güllner. Es müsse darum gehen, sich „ganz hart“ von der AfD abzugrenzen. Die AfD hat bei der Bundestagswahl ein Ergebnis von 20,8 Prozent erzielt. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage kommt die Partei auf 26 Prozent, während CDU und CSU bei 24 Prozent stehen. In anderen Umfragen steht die Union wieder vor der AfD,
Güllner hält für die AfD einen weiteren Stimmenzuwachs für möglich. „Zwölf Prozent der Wahlberechtigten wollen die AfD derzeit nicht wählen, wären aber bei einer fortschreitenden Entfremdung der Politik von den Bürgern bereit dazu“, sagte er. Auch könnte die AfD von den Machtkämpfen innerhalb des BSW profitieren, glaubt Güllner. „Das BSW ist eine Art linkes Feigenblatt der AfD.“ Daher sei damit zu rechnen, dass nach einem Aus des BSW „ein beachtlicher Teil seiner Wähler“ zur AfD wandere.