Cum-Ex-Skandal: Ankläger fordern moderate Haftstrafe für früheren Kronzeugen
Siegburg. Kurz vor dem Urteil zweifelte der Verteidiger des Angeklagten plötzlich am Verhandlungsort. Denn man befand sich nicht mehr auf Bonner Stadtgebiet. „Ich dachte, Siegburg ist ein Stadtteil von Bonn“, sagte Gerhard Strate, der Anwalt des Steuerhinterziehers Kai-Uwe Steck. Nun wisse er es besser und frage sich: „Darf hier überhaupt verhandelt werden?“
Eigentlich sollte der 26. Prozesstag gegen Kai-Uwe Steck mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft beginnen. Stattdessen zog sich das Gericht zurück.
„Wir befinden, dass wir hier gut und richtig aufgehoben sind“, erklärte anschließend der Vorsitzende Richter, Sebastian Hausen. Das Gericht in Siegburg sei eine Außenstelle des Landgerichts Bonn.
Strate hätte das wissen können. Schließlich wurde das Gebäude extra gebaut, um Fälle rund um den Cum-Ex-Skandal zu verhandeln – wie den seines Mandanten Steck. Auch wenn die ersten 25 Verhandlungstage in Bonn geführt wurden.
Strates Auftritt ist eine weitere ungewöhnliche Facette des Steuerskandals Cum-Ex. Jahrelang ließen sich Banken und Investoren beim Aktienhandel Steuern erstatten, die sie gar nicht gezahlt hatten. Männer wie der Steueranwalt Steck spielten eine tragende Rolle.