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Konflikt zwischen AtommächtenIndien meldet Angriffe auf Pakistan – 26 Tote

Indien spricht von Angriffen auf „terroristische Infrastruktur“. Islamabad gibt seinerseits den Abschuss von zwei indischen Kampfjets bekannt und öffnet seinen Luftraum früher als erwartet. 07.05.2025 - 12:40 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Zerstörungen in Musaffarabad: Soldaten der pakistanischen Armee stehen vor einer Moschee, die durch einen mutmaßlichen indischen Raketenangriff zerstört wurde. Foto: M.D. Mughal/AP/dpa

Musaffarabad. Der Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan spitzt sich zu. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Neu-Delhi hat Indien mehrere Ziele in Pakistan angegriffen, es habe sich um Schläge gegen „terroristische Infrastruktur“ gehandelt. Nach Angaben des pakistanischen Militärs kamen 26 Menschen ums Leben, 46 seien verletzt worden.

Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif nannte die Angriffe „feige“ und kündigte eine Reaktion an: „Pakistan hat jedes Recht, eine angemessene Antwort auf diese von Indien verhängte Kriegshandlung zu geben, und eine angemessene Antwort wird es auch geben“, sagte Sharif laut einer offiziellen Mitteilung. Ersten Berichten zufolge hat die pakistanische Luftwaffe zwei indische Kampfjets abgeschossen.

Nach einem Anschlag im indischen Teil der zwischen beiden Seiten umstrittenen Himalaja-Region Kaschmir am 22. April hatten sich die Spannungen zwischen den beiden Atommächten zuletzt verschärft. Indien macht muslimische Extremisten mit Verbindungen nach Pakistan verantwortlich. Pakistan bestreitet eine Verwicklung.

Die indische Regierung erklärte in einer aktuellen Stellungnahme, ihre Streitkräfte hätten die „Operation Sindoor“ eingeleitet. „Unsere Aktionen waren gezielt, maßvoll und nicht eskalierend“, hieß es. „Es wurden keine pakistanischen Militäreinrichtungen angegriffen. Indien hat bei der Auswahl der Ziele und der Art der Durchführung große Zurückhaltung geübt.“

Nach Anschlag

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Die pakistanische Regierung erklärte hingegen, dass Indien sechs Orte in Pakistan angegriffen habe und dass es sich bei keinem von ihnen um ein Lager von Militanten gehandelt habe.

Indien bestreitet die Vorwürfe, zivile Ziele bei seinen Angriffen auf das Nachbarland attackiert zu haben. Es seien Terroristenlager in Pakistan angegriffen und zerstört worden, sagt ein indischer Militärsprecher. Dabei habe es sich um Rekrutierungs- und Indoktrinationszentren sowie Ausbildungs- und Waffenlager für Terroristen und Abschussvorrichtungen für Angriffe gehandelt.

Zerstörtes Haus: Anwohner untersuchen ein Gebäude in Musaffarabad, das mutmaßlich von einem indischen Raketenangriff zerstört wurde. Foto: M.D. Mughal/AP/dpa

Die Ziele seien auf Basis von Geheimdienstinformationen ausgewählt worden, um Schaden für Zivilisten und an ziviler Infrastruktur zu vermeiden. Zudem hätten Geheimdienstinformationen gezeigt, dass weitere Angriffe pakistanischer Extremisten gegen Indien bevorgestanden hätten, sagt der indische Außenstaatssekretär Vikram Misri. „Daher waren vorbeugende und präventive Schläge notwendig.“

In Musaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Kaschmir, fiel nach Angaben von Einwohnern der Strom aus. Von dort aus würden Terroranschläge gegen Indien geplant und gesteuert, hieß es in Neu-Delhi.

Pakistan öffnet Luftraum nach Sperrung

Unterdessen hatte Pakistan in der Nacht zum Mittwoch seinen Luftraum kurzzeitig geschlossen. Die Sperrung wurden ursprünglich für 48 Stunden angekündigt, am Mittwoch hat Pakistan sie aber wieder aufgehoben. Das teilte ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage mit. Zudem sei an den Flughäfen Islamabad und Lahore der Flugbetrieb wieder aufgenommen worden. Das Tracking-Portal Flightradar zeigt derzeit auch einige internationale Flüge über Pakistan an.

Der Konflikt zwischen den Atommächten hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Indien griff nach eigenen Angaben „terroristische Infrastruktur“ im Nachbarland an. Pakistan meldete den Abschuss mehrerer indischer Kampfjets und kündigte Vergeltung an.

Unmittelbar vor den Luftschlägen seien drei Zivilisten durch pakistanische Soldaten getötet worden, teile das indische Militär mit. Die pakistanische Armee habe „willkürlich geschossen“ – sowohl über die Kontrolllinie, die das umstrittene Gebiet zwischen Indien und Pakistan trennt, als auch über die Landesgrenze hinweg. Die indische Armee habe daraufhin „in angemessener Weise reagiert“, hieß es weiter. Die Kontrolllinie gilt als De-facto-Grenze und teilt Kaschmir zwischen den beiden Atommächten.

Beide Atommächte beanspruchen Kaschmir

Das vorwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Die beiden Atommächte beanspruchen die Himalaja-Region jedoch ganz für sich und haben bereits mehrere Kriege deswegen geführt. Ein kleiner Teil Kaschmirs wird zudem von China kontrolliert. Rebellen sind in der Region seit 1989 aktiv. Der Konflikt hat bereits Zehntausenden Menschen das Leben gekostet.

Die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Indien und Pakistan hatten sich nach einem Anschlag am 22. April im indischen Teil Kaschmirs, bei dem 26 Hindu-Touristen getötet wurden, deutlich verschlechtert.

Bergung von Opfern: Freiwillige laden den Sarg eines Getöteten in einen Krankenwagen. Foto: AP

Indien beschuldigte Pakistan, daran beteiligt gewesen zu sein. Pakistan wies dies zurück. Am Dienstag starben sieben pakistanische Soldaten, als ihr Fahrzeug in der Provinz Belutschistan von einem Sprengsatz getroffen wurde. Pakistan sprach umgehend von einem Anschlag Indiens. Indien wirft Pakistan seit Langem vor, islamische Extremisten zu unterstützen.

Trump ruft zur Deeskalation auf – China besorgt

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die zunehmenden Spannungen zwischen Indien und Pakistan als „Schande“. „Ich schätze, die Leute wussten, dass etwas passieren würde, wenn man ein wenig in die Vergangenheit blickt. Sie kämpfen schon seit Langem“, sagte er vor Reportern im Weißen Haus und ergänzte: „Ich hoffe nur, dass es sehr schnell vorbei ist.“

Das Auswärtige Amt mahnt beide Seiten zu verantwortungsvollem Handeln. „Eine Eskalation muss verhindert und Zivilisten geschützt werden“, schreibt das Ministerium auf der Plattform X. „Wir stehen mit Indien (und) Pakistan in Kontakt“, heißt es weiter. Die Lage werde „sehr genau“ beobachtet. Im Auswärtigen Amt komme noch im Tagesverlauf der Krisenstab der Bundesregierung zusammen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres drückte seine „tiefe Besorgnis“ nach dem indischen Angriff auf pakistanische Ziele aus. „Die Welt kann sich eine militärische Konfrontation zwischen Indien und Pakistan nicht leisten“, sagte er laut einer Mitteilung seines Büros am Dienstag (Ortszeit). Er rief beide Atommächte zur militärischen Zurückhaltung auf. Eine militärische Lösung sei keine Lösung, betonte Guterres. Er sei „sehr besorgt“.

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China hat nach den tödlichen Angriffen Indiens auf pakistanische Ziele beide Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert. China bedauere die Militäraktion Indiens und sei über die Entwicklung der Lage besorgt, teilte ein Sprecher des Außenamts in Peking mit. Man fordere beide Seiten auf, Frieden und Stabilität Vorrang einzuräumen und weitere Handlungen zu vermeiden, die die Lage verkomplizieren würden.

Während das chinesisch-indische Verhältnis unter anderem wegen Grenzkonflikten im Himalaja-Gebirge als äußerst angespannt gilt, unterhält Peking enge Wirtschaftsbeziehungen zu Pakistan.

rtr, dpa, ap
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