Verhandlung: Commerzbank und EY liefern sich Schlagabtausch wegen Wirecard
Frankfurt, Düsseldorf. Die Commerzbank hat dem Wirtschaftsprüfer EY bei einem Verfahren über den Zusammenbruch von Wirecard schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die EY-Prüfer hätten die Konzernabschlüsse des Zahlungsdienstleisters nicht intensiv genug geprüft, obwohl es alarmierende Hinweise gegeben habe, sagte Commerzbank-Anwalt Nicolas Nohlen von der Kanzlei Ashurst am Freitag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Frankfurt. „Die Beklagten haben nicht mit der erforderlichen kritischen Grundhaltung agiert.“
Die Anwälte von EY wiesen die Vorwürfe zurück und beschuldigten die Commerzbank, ihrerseits bei der Kreditvergabe an Wirecard Fehler begangenen zu haben. Der Prozess in Frankfurt war mit Spannung erwartet worden, weil er auch Auswirkungen auf andere Verfahren rund um den ehemaligen Dax-Konzern haben könnte – darunter Klagen von Privatanlegern, die mit Wirecard-Aktien hohe Verluste erlitten haben.
Wirecard war im Sommer 2020 zusammengebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass Umsätze und Barmittel in Milliardenhöhe in Wirklichkeit nie existierten. Die Commerzbank hatte Wirecard im Rahmen eines Konsortiums rund 200 Millionen Euro geliehen – und musste auf das Engagement am Ende 187 Millionen Euro abschreiben.