Künstliche Intelligenz: „Europa träumt vom dritten KI-Weg – wacht endlich auf!“
Düsseldorf. Herr McAfee, nirgendwo scheint die Orientierungslosigkeit in der Wissenschaft größer als in der Frage, wie Künstliche Intelligenz (KI) langfristig wirken wird. Was glauben Sie, leitet sie eine technologische Revolution ein, vergleichbar mit der Elektrifizierung?
Ich bin davon überzeugt, dass KI ein Gamechanger ist. Wir leben in einer Ära verblüffenden Fortschritts. Wir reden mit KI-Systemen, als wären es Menschen – nur dass sie anders als Menschen über unbegrenztes Wissen verfügen. Das, was ich vor 20 Jahren in Science-Fiction gesehen habe, ist Realität. Und wir stehen erst am Anfang dieser technologischen Revolution – auch die ökonomischen Folgen werden gigantisch sein.
Was macht Sie da so sicher? Bisher haben wir im Bereich Computerisierung und Digitalisierung so etwas wie ein Produktivitätsparadoxon erlebt. Das heißt, die Produktivität ist entgegen den Erwartungen trotz des unbestrittenen technologischen Fortschritts kaum gestiegen...
Sie beziehen sich auf den Nobelpreisträger Solow, der sagte, dass die Auswirkungen der Computerisierung überall sichtbar seien, nur nicht in Produktivitätsstatistiken. Das stimmt aber aus heutiger Sicht nicht ganz. Zwischen 1995 und 2004 hat es einen kräftigen Produktivitätsschub gegeben, zumindest in den USA. Aber danach gab es tatsächlich wieder eine Schwächephase. Ich bin mir aber sicher, dass KI sich sehr stark in den Statistiken bemerkbar machen wird.