Kolumne „Trump Watch“: Der Dealmacher wird zum Spielmacher
Es mutet an wie ein unschlagbarer Deal, den die Präsidentenfamilie um Donald Trump ihren Anhängern da in der vergangenen Woche präsentiert hat. „Wir haben uns mit einigen der besten Leute zusammengetan“, pries der Sohn des US-Präsidenten, Don Trump jr., die Offerte an.
Für 47,45 Dollar im Monat können Amerikaner bald den neuen Mobilfunktarif „Trump Mobile“ abschließen – sozusagen dauerhaft verbunden sein mit dem Präsidenten. Es ist das neuste Geschäft des Trump-Clans, ebenso das geplante „T1 Phone“ – ein Smartphone, vollständig in den USA produziert und schon ab September erhältlich.
Endlich ein guter Deal, dürfte man meinen. Rund fünf Monate ist Trump nun im Amt, und die Welt ist keine bessere geworden – im Gegenteil. Der russische Machthaber Wladimir Putin verstärkt seine Angriffe auf die Ukraine, Israel verwickelt die USA in einen Krieg gegen das brutale Mullah-Regime im Iran. Dabei hatte Trump seinen Anhängern stets Verhandlungslösungen für alle Probleme dieser Welt versprochen.
Sehnsucht nach Deals im Zollstreit
Und so kommen plötzlich Zweifel am selbst ernannten Dealmaker auf – innerhalb der Regierung, aber auch bei dessen Anhängern. Viele sehen in der Beteiligung der USA bei den Angriffen gegen den Iran einen Verrat der America-first-Prinzipien.
Daneben sehnen sich die Amerikaner endlich nach Deals im Zollstreit. Schließlich begreifen viele inzwischen, dass nicht etwa das Ausland für die Zusatzkosten aufkommt wie von Trump versprochen, sondern der amerikanische Durchschnittsverbraucher. Fast jeder dritte Hersteller in der Region rund um New York gab in einer aktuellen Umfrage an, die Sonderabgaben zu 100 Prozent an die Konsumenten weiterzugeben.
Trump erhielt dafür die politische Quittung: Als der US-Präsident die Wirtschaftswelt mit horrenden Zollankündigungen schockte, rauschte das Verbrauchervertrauen auf ein Rekordtief zu. In wenigen Wochen endet die Zollpause für zahlreiche Sonderabgaben, und noch immer fehlen versprochene Einigungen.
Davon unbeirrt arbeitet der US-Präsident unermüdlich an weiteren Deals – nur anders als von seinen Anhängern erhofft. So hat sich eine Firma aus dem Trump-Umfeld, die die Markenrechte des Präsidenten verwaltet, zuletzt gleich mehrere Wortmarken schützen lassen.
Trump-Brettspiel statt Siedler von Catan
Außer neuen digitalen Sammelkarten und einem Metaverse-Projekt scheint der Präsident einen regelrechten Knüller vorzubereiten. So soll sich die besagte Firma aus dem Umfeld des Präsidenten die Wortmarke „Trump The Game“ gesichert haben. Klingt ganz danach, als dürften sich amerikanische Familien auf einen neuen Brettspiel-Klassiker für Samstagabende freuen, an denen dann Politik zu Spaß verkommt.
Wer sein geostrategisches Geschick unter Beweis stellen wollte, hatte sich bislang bei einer Partie „Risiko“ oder Klaus Teubers „Catan“ zerstritten. Bald könnte ersatzweise das Trump-Game die Spaltung amerikanischer Familien vorantreiben.
Bis das Spiel auf den Markt kommt, wird es allerdings noch dauern. Bleibt also abzuwarten, wie viele das Trump-Game dann noch kaufen wollen. Für seine Anhänger ist die Politik des mächtigsten Mannes der Welt inzwischen mehr als nur ein Spiel.