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Kolumne „Trump Watch“Warum Bezos der derzeit sympathischste Tech-CEO der USA ist

Man könnte sich über die völlig überzogene Hochzeit von Jeff Bezos in Venedig echauffieren. Oder aber: dem Mann gönnen, dass er im Leben vieles richtig gemacht hat.Annett Meiritz 29.06.2025 - 16:05 Uhr Artikel anhören
Annett Meiritz, Handelsblatt-Korrespondentin in Washington. Foto: Reuters, dpa Picture Alliance (M)

Wie viel Klimper, Glitzer und Instagram-Filter ist zu viel des überkünstelt Guten? Wenn es nach Jeff Bezos geht, kann es davon nicht genug geben. Der Amazon-Gründer ist zwar nur noch der drittreichste Mann der Welt, aber eine 50 Millionen teure Hochzeit in Venedig war gerade noch im Budget.

Sein dreitägiger Party-Marathon hatte alles, was das Klatschspaltenherz begehrt: Seine Braut Lauren Sánchez atmete flach in geschnürten Korsagen, Stargast Ivanka Trump schimmerte in Oscar de la Renta und die Kardashian-Schwestern verbreiteten die Aura einer Packung Cheerios – vor dem Lebensmittelfarbstoffe-Bann von RFK Jr.

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Dazu gab es Celebrity-Geschnatter (wer ist Orlando Blooms Neue?), 95 Privatjets, Cocktails im Wassertaxi und eine Hochzeitstorte. Letztere wurde nicht vom Konditor um die Ecke geholt, sondern vom berühmtesten Pariser „pastry artist“ handgegossen, Cedric Grolet. Kennen Sie diese Videos, in der ein Messer auf eine Birne niederrauscht, die Birne wird zerteilt, aber es ist gar keine Birne, sondern ein Dessert mit zwölf Schichten? Grolet kann sowas.

Was Bezos vom Weißen Haus will

Dass sich Bezos nicht eine Nummer kleiner vermählte, darüber wurde sich viel in Kommentarspalten empört. Dabei ist Bezos aktuell der sympathischste und souveränste Tech-Boss der USA. Der Mann macht beneidenswert viel richtig. Er ist in die „I don’t give a fuck“-Phase seines Lebens eingetreten, die man früher Midlife-Crisis nannte. (Und ja, wenn der US-Präsident vor laufender Kamera „Fuck“ sagen darf, dann dürfen Kolumnisten das Wort auch schreiben.)

Protestaktion auf dem Markusplatz in Venedig. Foto: Greenpeace/Greenpeace/AP/dpa

Bezos jagte seine inzwischen Angetraute und damals noch Verlobte mit fünf anderen Frauen in Bodysuits ins All und verkaufte den Trip als feministische Raumfahrtmission. Er lässt es krachen und wirkt dabei so entspannt wie ein Valium-Daddy, der schon alles gesehen hat, vermutlich auch einige Botox-Spritzen. Mittlerweile geht nicht nur seine Frau, sondern auch Bezos selbst zum Beauty-Doc, wie sein marmornes Antlitz in Venedig nahelegte. Wieder muss man ihn verteidigen: Wer braucht akrobatische Mimik, wenn man 220 Milliarden Dollar besitzt?

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Nur eines hat Bezos bislang nicht erreicht: in der Gunst von Donald Trump ganz oben aufzusteigen. Bezos soll den Präsidenten zu seiner Hochzeit eingeladen haben, doch der war busy, wie ein Blick in den präsidialen Terminkalender zeigte. Trump musste eine Golfkrise lösen, allerdings auf dem Platz, nicht im Nahen Osten.

Laut „Wall Street Journal“ versucht Bezos, aus dem Bruch zwischen Trump und Elon Musk Kapital zu schlagen und neue Regierungsaufträge für sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin zu ergattern. Nach der Hyper-Hochzeit wird die Gunst Trumps das nächste große Ziel von Bezos. Eines haben beide Männer schon einmal gemeinsam: Zu viel Bling-Bling gibt es nicht.

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