Forschungsförderung: Kleine und mittlere Unternehmen investieren mehr in Forschung
Berlin. Die steuerliche Förderung von Forschungsprojekten entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Die Forschungszulage stellt heute das größte FuE-Förderprogramm für Unternehmen in Deutschland dar“, resümiert Studienautor Christian Rammer.
Die steuerliche Forschungsförderung hatte die letzte schwarz-rote Koalition im Jahr 2020 eingeführt. Seither haben laut ZEW 19.000 Unternehmen Anträge gestellt und Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) in Höhe von mehr als 30 Milliarden Euro ganz oder teilweise geltend gemacht.
„Die Nutzungszahlen der Forschungszulage sind im Vergleich zu anderen staatlichen FuE-Förderangeboten beachtlich“, heißt es in dem ZEW-Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Zwar gebe es noch keine Befunde, ob die Art der Förderung für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung in Unternehmen sorge. Seit Einführung der Forschungszulage sei aber „ein merklicher Anstieg der Anzahl forschender kleiner und mittlerer Unternehmen“, zu verzeichnen.
Fördervolumen steigt auf vier Milliarden Euro
Die Forschungsförderung wurde bereits drei Mal ausgeweitet, zuletzt im Juli mit dem Steuerentlastungsgesetz. Inzwischen betragen die förderfähigen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung insgesamt zwölf Millionen Euro. Zu Beginn lag die Summe bei zwei Millionen Euro und kam durch die Deckelung vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zugute. Auch ist die jährliche Gesamtsumme begrenzt. Die Fördersätze liegen für kleine und mittlere Unternehmen bei 35, für Großunternehmen bei 25 Prozent.
„Nach Inkrafttreten der jüngsten Änderung dürfte das jährliche Fördervolumen der Forschungszulage bei rund vier Milliarden Euro liegen, was knapp fünf Prozent der internen FuE-Aufwendungen der deutschen Wirtschaft entspricht“, schreibt ZEW-Forscher Rammer. Im internationalen Vergleich sei dies noch wenig: Spitzenreiter ist Frankreich mit einer Quote von 19,6 Prozent.
Insgesamt hat sich das Fördervolumen seit der Einführung mehr als verdoppelt. Allerdings wird die Summe nicht sofort finanzwirksam. Unternehmen haben bis zu vier Jahre Zeit, um ihre Aufwendungen steuerlich geltend zu machen. Weitere Jahre können vergehen, bis das Finanzamt den Antrag positiv bescheidet.
Daher lagen die Kosten für Bund und Länder nach Angaben der Industriestaaten-Organisation OECD 2023 bei knapp 500 Millionen Euro, wie Rammer schreibt. Die Bundesregierung rechnet sogar mit deutlich weniger Steuerausfällen durch die staatliche Förderung: 310 Millionen Euro für 2027, 395 Millionen in den Jahren 2028 und 2029 sowie 400 Millionen Euro für 2030.
Laut Rammer entspricht der Betrag von vier Milliarden Euro in etwa dem Fördervolumen, das der Bund im Rahmen von zivilen Zuschussprogrammen bereitstellt.
Vom Ziel, 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist Deutschland indes noch entfernt. Das Ziel hatte sich die Bundesregierung 2018 in einer Hightech-Strategie für das laufende Jahr 2025 ausgegeben. 2024 lag der Wert bei rund drei Prozent.
Reformbedarf bei der Förderung
Grundsätzlich sieht das ZEW noch Reformbedarf, damit die Unternehmen die steuerlichen Vorteile für Forschungsprojekte nutzen. Im Gegensatz zu einzelnen Förderprogrammen, zu denen allein der Bund jedes Jahr weit über 100.000 einzelne Förderentscheide trifft, fördert der Bund mit der Steuergutschrift bei FuE-Projekten zwar technologieoffen sowohl die Kosten für eigenes Forschungspersonal als auch für Forschungsaufträge an Dritte. Grundsätzlich profitieren auch alle Unternehmen, kleine und mittlere allerdings mehr als große.
Doch ist auch wie bei Förderprogrammen der bürokratische Aufwand aus Sicht des ZEW-Forschers Rammer zu hoch. So müssten Antragsteller beim Finanzamt oder der Bescheinigungsstelle ihre Aufwendungen entsprechend den konkret durchgeführten Forschungsprojekten beschreiben. „Unternehmen mit vielen kleinen FuE-Vorhaben oder mit einem geringen Umfang an FuE-Aktivitäten werden diesen Aufwand häufig scheuen“, sagt Rammer.
Zudem können Unternehmen die steuerliche Förderung nicht mit einem direkten Zuschussprogramm kombinieren. Obendrein würden „ein Viertel bis ein Fünftel“ der Förderanträge nicht anerkannt, da sie die strengen Vorgaben nicht erfüllten.
ZEW-Forscher Rammer empfiehlt, dass Unternehmen, die bereits einen positiven Bescheid erhalten haben, bei künftigen Projekten „ein deutlich vereinfachtes Verfahren“ durchlaufen sollten. Damit könnten dann auch Kosten in der Verwaltung eingespart werden.
Große Unternehmen können angesichts der Förderhöchstgrenze nur einen geringen Teil ihrer Aufwendungen steuerlich geltend machen, die oft mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Das ZEW empfiehlt, „dass ein deutlich größerer Anteil der förderfähigen FuE-Aufwendungen tatsächlich steuerlich begünstigt wird“. Damit könnten auch mittelgroße Unternehmen „besser zu zusätzlichen FuE-Aktivitäten stimuliert werden“.
Rammer schlägt vor, förderfähige Aufwendungen leichter anzurechnen. Im Gegenzug könnten die Fördersätze sinken. 25 Prozent seien im internationalen Vergleich hoch und lägen „an der oberen Grenze der ökonomisch für sinnvoll angesehenen Fördersätze“. Rammer empfiehlt einen Satz von zehn bis 15 Prozent.