Kommentar: KI frisst ihre Quellen – Eine neue Idee könnte dagegen helfen

Wenn es nach Microsoft, Meta und Google geht, navigieren wir künftig nicht mehr selbst durchs Internet – eine KI-Assistenz übernimmt das für uns. Sie liest, versteht und verpackt Informationen in kleinen Portionen, aufbereitet von Chatbots, Co-Piloten und anderen virtuellen Helfern.
Was komfortabel klingt, bedeutet eine Machtverschiebung: Die Tech-Konzerne werden damit nicht nur zu Gatekeepern einzelner Inhalte, sondern zu Kontrolleuren unserer gesamten Interaktion mit Informationen.
Der Umgang mit Urheberrechten zeigt, wie weit der Anspruch reicht. Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman etwa erklärte kurzerhand auch geschützte Inhalte hinter Bezahlschranken zu „Fair Use“ – eine fragwürdige Rechtsauffassung, die den freien Zugriff zum Zweck des KI-Trainings rechtfertigen soll.
Das Ende der Creator-Ökonomie
Mark Zuckerberg ging einen anderen Weg: Meta verbannt journalistische Inhalte nach einem Schlagabtausch mit Verlagen in Australien und Kanada gleich ganz, um sich jeder Auseinandersetzung über Erlösbeteiligung zu entziehen. Und Google? Der Konzern liefert KI-Antworten künftig immer stärker direkt, Links braucht es dann seltener.
Das ist eine fatale Entwicklung. Denn wer Inhalte so behandelt, zerstört ihre Grundlage. Warum sollten Redaktionen noch in aufwendigen Journalismus investieren, wenn ihre Arbeit am Ende nur als Rohstoff für KI-Modelle dient – und der Mehrwert bei anderen landet?
Es war einmal das Aushängeschild von Google, dass man Creator an Werbeeinnahmen beteiligte – Youtube machte so die Creator-Ökonomie überhaupt erst möglich. Google-Chef Sundar Pichai gibt sich weiter als Freund von Blog-Betreibern oder Verlagen. Eine Beteiligung an den Werbeerlösen wie seit den Anfangsjahren von Youtube gibt es bei dem neuen AI Mode bislang nicht.
Dass sich nun Widerstand formiert, ist richtig und überfällig. Die US-Firma Cloudflare, die rund 20 Prozent des globalen Internetverkehrs abwickelt, schlägt ein Modell vor: Wer Inhalte scannt, soll automatisch zur Kasse gebeten werden.
Weigern sich die Plattformen, muss die Politik eingreifen – auch in Europa. Auf keinen Fall darf die EU-Kommission ihre Digitalregulierung im Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump zur Verhandlungsmasse machen.
Sonst droht ein Netz, in dem KI-Modelle Inhalte aufsaugen, verdichten, umverpacken und am Ende nichts mehr übrig bleibt, wovon sie lernen könnten. Nicht nur Geschäftsmodelle stehen auf dem Spiel, sondern die publizistische Vielfalt selbst.