Künstliche Intelligenz: So wurde Lovable mit KI zur Milliardenfirma
Düsseldorf. Das schwedische Start-up Lovable hat eine Finanzierungsrunde über 200 Millionen US-Dollar abgeschlossen und steigt mit einer Bewertung von 1,8 Milliarden Dollar zum neuesten Einhorn Europas auf. Als „Einhorn“ werden Start-ups bezeichnet, die mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden.
Angeführt wurde die Runde vom US-Wagniskapitalgeber Accel. Auch bestehende Investoren wie 20VC, Creandum, byFounders, Hummingbird und Visionaries Club beteiligten sich erneut, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.
Am Abend bestätigten auch die Investoren die Finanzierungsrunde. Die Wagniskapitalfirma Byfounders teilte in einem Blogpost mit: „Wir glauben das Lovable erst am Anfang steht.“ Schließlich seien die Gründer angetreten, um das „letzte Stück Code zu schreiben“.
Dass Lovable eine erneute Finanzierungsrunde anstrebt, hatte Bloomberg bereits vor einigen Wochen berichtet. Demnach habe das 2023 gegründete Unternehmen ursprünglich mindestens 100 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar oder mehr anstreben wollen. Die jetzt verkündete Runde übertrifft diese Pläne allerdings deutlich – und macht Lovable zu einer der vielversprechendsten europäischen KI-Firmen.
75 Millionen Dollar Umsatz – Lovable wächst rasant
Lovable bietet eine KI-basierte Plattform, mit der Nutzerinnen und Nutzer Websites und Anwendungen in natürlicher Sprache erstellen können – ganz ohne Programmierkenntnisse. Das sogenannte „Vibe Coding“ richtet sich vor allem an Nicht-Programmierer, die Prototypen entwickeln und später gemeinsam mit Entwicklerinnen und Entwicklern weiter ausbauen wollen.
Laut CEO Anton Osika hat Lovable inzwischen mehr als 2,3 Millionen aktive Nutzer und davon rund 180.000 zahlende Abonnenten. Allein im Juni sollen laut Osika rund 2,5 Millionen Websites mit Lovable erstellt worden sein.
„Weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung kann programmieren“, sagt Osika. „Das ist eine massive Innovationsbremse.“ Seine optimistische Vision: Lovable werde die letzte Software sein, die geschrieben werden muss – danach werde nur noch Lovable selbst programmieren.
„Open Source ist ein zentraler Teil unseres Modells“, sagt Osika. Der transparente Umgang mit Technologie beschleunige Innovation und schaffe Vertrauen – auch bei Unternehmen.
Der Quellcode des KI-Modells ist öffentlich auf der Plattform Github einsehbar und darf kopiert, verändert und weiterverwendet werden. Anfang des Jahres führte der massive Andrang zu einer temporären Überlastung von Github, so das Unternehmen.
Bereits im Mai hatte Osika auf LinkedIn mitgeteilt, dass das Unternehmen nur sechs Monate nach dem Produktstart einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 50 Millionen Dollar überschritten habe. Aktuell liege der Umsatz bei rund 75 Millionen Dollar. Noch im Februar – während einer 15-Millionen-Dollar-Pre-Seed-Runde unter Führung von Creandum – hatte der Umsatz von Lovable bei 17 Millionen Dollar gelegen. Laut Experten eine bemerkenswerte Steigerung.
In einem Blogpost zog Frederik Cassel beim Wagniskapitalgeber Creandum den Vergleich zum schwedischen 30-Milliarden-Unternehmen Spotify. Er liege oft nachts wach und denke über den enormen Erfolg von Lovable nach – wie einst bei Spotify. Thomas Wolf, Co-Gründer der französischen Plattform Huggingface, sagte dem Handelsblatt: „Ich denke, Lovable hat das Potenzial, im Zeitalter der KI eines der Unternehmen der nächsten Generation in Europa zu werden.“
Lovable will die Hürde für das Gründen senken
Trotz des steilen Wachstums ist Lovable nicht ohne Kritik geblieben. Wie die US-Tech-Seite Semafor berichtet, sollen mehrere mit der Plattform erstellte Apps Sicherheitslücken aufgewiesen haben. Das wirft Fragen zur Robustheit und Prüfmechanik der KI-generierten Anwendungen auf, besonders wenn Lovable künftig auch im Bereich der Firmenkunden wachsen will.
Langfristig sieht sich Lovable nicht nur als Plattform für Prototypen. CEO Osika erklärte in einer Mitteilung: „Jeden Tag stoßen brillante Gründerinnen und Gründer mit bahnbrechenden Ideen an dieselbe Grenze: Sie haben keinen Entwickler, um ihre Vision schnell und einfach umzusetzen.“ Lovable soll künftig auch produktive Anwendungen ermöglichen, die komplette Geschäftsmodelle tragen.
Ein erster Erfolg: Eine mit Lovable entwickelte App eines brasilianischen Unternehmens, das digitale Bildungsangebote entwickelt, erwirtschaftete drei Millionen Dollar Umsatz in nur 48 Stunden. Auch Unternehmen wie Klarna und Hubspot gehören bereits zum Kundenstamm.
Zu den prominenten Unterstützern der aktuellen Finanzierungsrunde zählen unter anderem Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski, Remote-CEO Job van der Voort, Slack-Mitgründer Stewart Butterfield sowie Hubspot-Mitgründer Dharmesh Shah.
Mitarbeit: Lina Knees
Erstpublikation: 17.07.2025, 19:14 Uhr.