Arbeitsmarkt: In diesen Branchen wird mehr Personal abgebaut
Berlin. Die Personalplaner in den Unternehmen glauben noch nicht an eine konjunkturelle Trendwende und bauen weiter Stellen ab – wenn auch seltener als im Vormonat. Darauf deutet das Ifo-Beschäftigungsbarometer hin, das im Juli nur leicht auf 94,0 Punkte gestiegen ist – nach 93,7 Zählern im Juni.
„Von einem Aufschwung am Arbeitsmarkt sind wir noch deutlich entfernt“, sagt Ökonom Klaus Wohlrabe, der beim Münchener Ifo-Institut die Umfragen leitet. „Die Unternehmen bleiben vorsichtig und bauen immer noch mehr Stellen ab, als dass sie neue schaffen“, erklärt Wohlrabe.
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer basiert auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. In der Industrie ist das Barometer nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat wieder leicht gestiegen. Dennoch sieht laut Ifo keine Branche Spielraum für Neueinstellungen.
Wie der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kürzlich unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamtes mitteilte, sind seit 2023 bereits 140.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie abgebaut worden – davon allein 60.000 seit Beginn dieses Jahres. Gegenüber dem Beschäftigungshöchststand im Jahr 2019 werden sogar 230.000 Arbeitsplätze weniger registriert. Im Bereich Automotive plant laut Gesamtmetall jedes zweite Unternehmen in den kommenden Monaten eine Personalreduzierung.
Auch im zweiten großen Industriezweig Chemie und Pharma bleibt die wirtschaftliche Lage im ersten Halbjahr angespannt, die Branche erwartet für das laufende Jahr kein Wachstum. Zwar sind die Beschäftigtenzahlen bisher stabil, doch hat nach Angaben des Branchenverbands VCI eine signifikante Zahl von Unternehmen die Schließung von Anlagen und personelle Einschnitte angekündigt.
Nach dem Ifo-Barometer gehen aber auch von den Dienstleistern aktuell kaum Beschäftigungsimpulse aus. Während der IT-Sektor neue Mitarbeiter sucht, baut das Gastgewerbe weiter Personal ab. Insgesamt plant der Dienstleistungssektor mit einem etwa gleichbleibenden Personalbestand.
Wohl angetrieben durch die in Aussicht gestellten Infrastrukturmilliarden zeigt sich das Baugewerbe zuversichtlich und stellt neues Personal ein. Anders als die Groß- und Einzelhändler, die ihren Mitarbeiterstamm verkleinern wollen.
Die Personaler teilen also offensichtlich den vorsichtigen Optimismus bislang nicht, der sich im Ifo-Geschäftsklima zeigt. Der wichtige Gradmesser für die Stimmung der Unternehmen hat sich seit Jahresbeginn fast kontinuierlich verbessert. Im Juli stieg das Geschäftsklima gegenüber dem Vormonat aber nur noch leicht von 88,4 auf 88,6 Punkte. „Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft bleibt blutleer“, kommentierte das Institut die Daten.
Die Erwartung der Unternehmen, dass es am Arbeitsmarkt nicht so schnell aufwärtsgehen wird, deckt sich auch mit der Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Deren Chefin Andrea Nahles rechnet nicht vor Herbst kommenden Jahres mit einer Trendumkehr. Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Erwerbstätigkeit insgesamt stagnieren, lag die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 188.000 Personen oder sieben Prozent höher als im Vorjahresmonat.
Allerdings gibt es zwischen den Wirtschaftszweigen deutliche Unterschiede. So hat das Verarbeitende Gewerbe von April 2024 bis April 2025 rund 138.000 Stellen abgebaut. Allein im Pflege-, Sozial- und Gesundheitsbereich sind aber im gleichen Zeitraum fast genauso viele neue Arbeitsplätze entstanden.
Erstpublikation: 28.07.2025, 18:23 Uhr.