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NahostWas hat Israel mit dem Gazastreifen vor?

Regierungschef Netanjahu plant offenbar die vollständige Besetzung des Gazastreifens. Angehörige fürchten um das Leben der dort festgehaltenen Geiseln. Hilfsorganisationen warnen vor einer Katastrophe.Inga Rogg 06.08.2025 - 16:30 Uhr Artikel anhören
Palästinensisches Mädchen vor den Trümmern eines Krankenhauses: Weite Teile des Gazastreifens sind zerstört. Foto: AFP

Istanbul. Das israelische Sicherheitskabinett will am Donnerstag über den weiteren Einsatz der Armee im Gazastreifen beraten. Mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen übereinstimmend darüber berichtet, dass Regierungschef Benjamin Netanjahu den Krieg auf die letzten noch nicht komplett zerstörten Städte ausweiten und den gesamten Gazastreifen besetzen will.

Israelischen Medien zufolge informierte Netanjahus Büro Journalisten am Montagabend, dass er „Gaza erobern“ werde. „Die Würfel sind gefallen – wir streben die vollständige Besetzung des Gazastreifens an“, sagte ein Regierungsvertreter laut Nachrichtenportal „ynet“.

Der Plan stößt sowohl in Militärkreisen als auch bei den Vereinten Nationen (UN) und Hilfsorganisationen auf harte Kritik. Die israelische Armee ist nach fast zwei Jahren Krieg ausgezehrt. Für den Krieg ist sie auf Reservisten angewiesen. Diese haben zum Teil fünf und mehr Einsätze hinter sich, während deren sie ihre Geschäfte oder Arbeit aufgeben mussten und ihre Familien nicht sehen konnten. Die Zahl der Reservisten, die den Einsatz verweigert, steigt.

Armeeführung kritisiert Einsatzpläne

Vielen Soldaten ist nicht klar, wofür sie überhaupt noch kämpfen. Der Gazastreifen ist größtenteils eine Ruinenlandschaft. Unter den Palästinensern hat der Krieg nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden, Krankenhäuser und Ärzte bereits 60.000 Menschen das Leben gekostet, unter ihnen mehr als 18.000 Kinder. Auf Hamas-Kämpfer stoßen die Soldaten nur noch selten, wie die Tageszeitung „Haaretz“ nach einer von der Armee organisierten Tour kürzlich berichtete.

Auf die Kritik aus der Armeeführung am geplanten weiteren Einsatz im Gazastreifen reagierte die Umgebung Netanjahus scharf. Wenn es Generalstabschef Eyal Zamir, den Netanjahu erst im März selbst ernannt hatte, nicht passe, könne er ja den Dienst quittieren, hieß aus dem Umfeld des Regierungschefs. Sein Sohn und Berater Yair Netanjahu schrieb am Montag auf der Plattform X, die Kritik der Armeeführung komme einer „Rebellion und einem versuchten Militärputsch“ gleich.

Nach einer mehrstündigen Sitzung mit dem Generalstabschef und weiteren Armeevertretern am Dienstag versuchte Netanjahu, die Wogen zu glätten. Die Armee werde jeden Beschluss des Sicherheitskabinetts umsetzen, erklärte er. Im Sicherheitskabinett sind die für den Gaza-Einsatz verantwortlichen Regierungsmitglieder und Militärs vertreten.

Aus Sicht des ehemaligen Nahost-Vermittlers Dennis Ross hätte die Annexion des Gazastreifens für Israel katastrophale Folgen. Sie würde zu anhaltenden Aufständen führen, die Armee schwächen, das Schicksal der verbliebenen Geiseln besiegeln und die internationale Isolation Israels festigen, erklärte Ross. Sie könne Israel sogar Unterstützung der USA kosten.

Um das Schicksal der sich immer noch in den Händen der Hamas befindenden israelischen Geiseln fürchten auch ihre Angehörigen. Die noch zwanzig lebenden Geiseln hält die radikalislamische Hamas möglicherweise in Gaza-Stadt oder Deir al-Balah fest, die noch nicht komplett zerstört sind.

UN und Rotes Kreuz warnen vor einer Katastrophe

Vor wenigen Tagen hatten die Islamisten und eine weitere Organisation Videos von zwei Geiseln veröffentlicht, die bis auf die Knochen abgemagert waren. Die erneute Besetzung des Küstenstreifens wäre eine „Katastrophe“, erklärte das „Hostages and Missing Families Forum“, ein Zusammenschluss von Angehörigen der Geiseln. Eine Besetzung würde das Leben der Geiseln gefährden und „garantiert“ zum Scheitern führen.

Protest: Hunderte von israelischen Kulturschaffenden fordern ein Ende des Kriegs in Gaza – auch die bekannte Sängerin Noa. Foto: REUTERS

Vor einer Katastrophe warnen auch die UN und Hilfsorganisationen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz forderte, Israel und die Hamas müssten zu einer Vereinbarung kommen. „Nur eine dauerhafte Vereinbarung zwischen beiden Parteien kann das Leiden der Geiseln und ihrer Familien sowie von Millionen von Menschen in Gaza beenden, die um das Überlebensnotwendige kämpfen“, erklärte die Organisation. „Die Zeit, um in Gaza Leben zu retten, läuft ab. Es muss jetzt gehandelt werden.“

Hunderte von Kunst- und Kulturschaffenden haben einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie ein Ende „des Horrors in Gaza“ fordern.

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US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstag lediglich, er konzentriere sich darauf, „die Menschen in Gaza zu ernähren“. Alles andere sei Israels Entscheidung. Die Armee ordnete am Mittwoch zwei weitere Räumungen an. Eine betraf mehrere Quartiere in Gaza-Stadt.

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