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Ukraine-KriegPutin verlangt von der Ukraine Aufgabe der Verteidigungslinie

Obwohl Russland die Gebietsgewinne in der Ukraine ausweitet, geht die Zahl der russischen Toten zurück. Vor dem Trump-Putin-Treffen versucht die russische Armee, Fakten zu schaffen.Frank Specht 13.08.2025 - 17:01 Uhr Artikel anhören
Von Russland kontrollierte Gebiete in der Ostukraine (rot gekennzeichnet): Neue Vorstöße russischer Einheiten. Foto: AP (2)

Berlin. Die Lage an der Front im Osten der Ukraine ist kurz vor dem geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Anchorage unübersichtlich. Russland erhöht offenbar vor allem bei der Stadt Pokrowsk in der Region Donezk den Druck auf die Verteidiger. „Der Feind nutzt seinen zahlenmäßigen Vorteil und versucht, trotz erheblicher Verluste an Personal, in kleinen Gruppen durch die erste Linie unserer Stellungen vorzudringen“, sagte Generalstabssprecher Andrij Kowalew ukrainischen Medien.

Kleinere russische Einheiten sollen mehr als zehn Kilometer weit vorgestoßen sein. Die ukrainischen Streitkräfte verlegen deshalb weitere Streitkräfte in die Region, um gegen russische Sabotagetrupps vorzugehen, die hinter den ukrainischen Verteidigungslinien operieren.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X, die russische Armee zeige keinerlei Friedensbereitschaft und greife unvermindert an. Russland ziehe Truppen auf eine Weise neu zusammen, die auf die Vorbereitung neuer Offensivoperationen schließen lasse.

Wie das Transatlantic Dialogue Center in seinem wöchentlichen Ukraine-Briefing schreibt, setzt Russland seine intensiven Sturmangriffe fast entlang der gesamten Frontlinie fort, insbesondere im Norden in der Region Charkiw, in der Region Donezk und in Richtung der Stadt Saporischschja. Die Städte Pokrowsk und Myrnohrad sind von drei Seiten durch russische Truppen eingeschlossen, sodass den Ukrainern nur ein kleiner Versorgungskorridor bleibt. Pokrowsk ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Russland hat dreieinhalb Jahre nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine knapp ein Fünftel des Territoriums des Nachbarlands besetzt. Allerdings sind die vier ukrainischen Oblaste Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, die Putin schon im September 2022 annektiert hatte, weiter nicht vollständig unter Kontrolle der russischen Armee.

Nach Angaben von Selenskyj hat der russische Präsident Putin einen vollständigen Rückzug der ukrainischen Armee aus der umkämpften Region Donezk zur Bedingung für eine Waffenruhe gemacht. Putin beanspruche etwa 9000 Quadratkilometer in Donezk, die bis heute unter ukrainischer Kontrolle seien.

Selenskyj will kein Territorium kampflos abtreten

Ginge die Regierung in Kiew auf diese Forderung ein, wäre die Ukraine gezwungen, ihren „Festungsgürtel“ aufzugeben, die zentrale befestigte Verteidigungslinie in der Oblast Donezk seit der gewaltsamen Annexion der Krim 2014, schreibt das Institute for the Study of War (ISW) in einer aktuellen Analyse. Und das ohne die Garantie, dass Russland die Kämpfe nicht doch fortsetze. Die Ukraine solle also ohne Gegenleistung eine Verteidigungslinie aufgeben, die Russland aktuell nicht ohne Weiteres einnehmen könne.

Die Ukraine habe elf Jahre lang viel Zeit, Geld und Anstrengung investiert, um den 50 Kilometer langen Festungsgürtel auszubauen. Er verläuft in Nord-Süd-Richtung entlang der Straße von Slovyansk nach Kostyantynivka und schließt neben den beiden Städten auch die größeren Städte Kramatorsk und Druzhkivka sowie zahlreiche weitere Ortschaften ein. Slovyansk und Kramatorsk in der nördlichen Hälfte sind wichtige Logistikstützpunkte. Prorussische Rebellen hatten die vier Städte 2014 zunächst eingenommen, bevor die ukrainische Armee sie zurückeroberte. Erst danach begann der Ausbau des Festungsgürtels.

Standbild aus Videomaterial, das die russische Drohnenproduktion zeigen soll: Die Ukraine will ein Lager für Shahed-Drohnen im fernen Tartastan zerstört haben. Foto: APT/youtube

Selenskyj hat schon deutlich gemacht, dass er kein Land an die Besatzer kampflos abtreten will. Und so setzen die russischen Truppen ihre Angriffe in der gesamten Ukraine fort. Wie der britische Militärgeheimdienst in seinem regelmäßigen „Intelligence Update“ schreibt, hat Russland im Juli rund 6200 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert – noch einmal rund 600 mehr als im Juni. Außerdem haben russische Bodentruppen demnach ihre Geländegewinne seit März Monat für Monat ausgeweitet und im Juni und Juli jeweils rund 500 bis 550 Quadratkilometer erobert.

Nördlich der Stadt Sumy im Grenzgebiet zu Russland ist es den ukrainischen Verteidigern aber offenbar gelungen, einen russischen Vorstoß zum Stehen zu bringen. Das Gebiet grenzt an die russische Region Kursk, wo die Ukraine ihrerseits vor einem Jahr einen Vorstoß auf russisches Gebiet gestartet hatte.

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Ukraine greift immer wieder russisches Gebiet an

Das kommunistische Nordkorea hat nach Angaben des südkoreanischen Geheimdiensts mehr als 10.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands entsandt. Wie der Kreml mitteilte, hat Putin dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un am Dienstag in einem Telefonat für die Hilfe bei der „Befreiung“ der Region Kursk gedankt.

Allerdings zahlt Russland einen hohen Preis für die militärischen Erfolge an der Front. Laut britischem Militärgeheimdienst, der sich auf den ukrainischen Generalstab beruft, sollen seit Beginn der vollumfänglichen Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 mehr als eine Million russische Soldaten getötet oder verwundet worden sein – allein 260.000 in diesem Jahr.

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Auffällig ist aber, dass trotz der zunehmenden Geländegewinne die täglichen Opferzahlen der russischen Streitkräfte zuletzt von 1556 im Januar auf 1072 im März zurückgegangen sein sollen. Wie Selenskyj am Dienstag bei einem Treffen mit Journalisten erklärte, sollen die täglichen Verluste Russlands etwa dreimal so hoch sein wie die ukrainischen.

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Eine unabhängige Überprüfung der Zahlen ist schwierig. Im Februar hatte Selenskyj die Zahl der ukrainischen Gefallenen mit 45.000 und die der Verwundeten mit 390.000 angegeben. Westliche Geheimdienste gingen damals aber schon von bis zu 100.000 getöteten ukrainischen Soldaten aus.

Der Ukraine ihrerseits gelingen immer wieder Angriffe weit hinein in russisches Territorium. So reklamierte der ukrainische Generalstab auf Facebook heute den Angriff auf eine Ölpumpstation in der westrussischen Stadt Unetscha für sich, die in der Nähe der Grenze zu Belarus liegt. Außerdem will die Ukraine jüngst ein Lager für Shahed-Drohnen in Tatarstan zerstört haben, 1300 Kilometer von der eigenen Grenze entfernt.

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