Künstliche Intelligenz: Meta verhängt vorläufigen Einstellungsstopp für KI-Sparte
San Francisco. Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat einem Medienbericht zufolge die Einstellungen in seiner Sparte für Künstliche Intelligenz (KI) ausgesetzt. Zuvor hatte das Unternehmen mehr als 50 Forscher und Ingenieure neu angestellt, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch.
Der Einstellungsstopp, der demnach letzte Woche in Kraft trat und mit einer umfassenderen Umstrukturierung des Konzerns zusammenfällt, untersagt den bestehenden Mitarbeitern zudem den Wechsel innerhalb der Abteilung. Ausnahmen vom Einstellungsstopp müssten laut Insidern vom neuen KI-Chef Alexandr Wang genehmigt werden.
Ein Meta-Sprecher bestätigte den Einstellungsstopp und bezeichnete ihn als „grundlegende organisatorische Planung zur Schaffung einer soliden Struktur für unsere neuen Superintelligenz-Bemühungen, nachdem wir Mitarbeiter eingestellt und die jährlichen Budgetierungs- und Planungsmaßnahmen durchgeführt haben“.
Gehaltspakete in zweistelliger Millionenhöhe
In diesem Jahr intensivierten alle führenden KI-Unternehmen ihre Bemühungen, Personal zur Entwicklung von KI-Lösungen aufzustocken. Meta hatte den Wettlauf um Talente jedoch besonders angeheizt: Begehrten Forschern bot Chef Mark Zuckerberg Gehaltspakete in zweistelliger Millionenhöhe an und beteiligte sich außerdem mit mehr als 14 Milliarden Dollar am Start-up ScaleAI.
Beobachter hatten in der Folge Bedenken angesichts der Höhe der Investitionen angemeldet. So mahnte der auf Tech-Werte spezialisierte Newsletter „The Information“, Zuckerberg gehe im Tech-Sektor die größte Wette auf das Thema KI ein. Der Konzern investiere dort fast so viel wie Google und Microsoft, die Barbestände in der Bilanz seien deswegen im ersten Halbjahr um rund 40 Prozent oder 30 Milliarden Dollar gesunken.
Laut den Medienberichten plant Meta die vierte Umstrukturierung seiner Aktivitäten im KI-Bereich innerhalb von sechs Monaten. Die neue KI-Organisation des Konzerns, Meta Superintelligence Labs genannt, soll in vier Gruppen aufgeteilt werden: ein neues Labor mit dem Namen TBD Lab, ein Team für Produkte wie den Meta-AI-Assistenten, eines, das sich auf die Infrastruktur konzentriert – und das Fundamental AI Research Lab, das sich mit längerfristiger Forschung befasst.
Sorge vor der KI-Blase
Zuletzt hatte ein besonders prominenter Kopf die Sorgen vor einem Überinvestment im KI-Bereich angeheizt: Sam Altman. Bei einem Abendessen mit Journalisten in San Francisco antwortete der OpenAI-Chef vor wenigen Tagen auf die Frage, ob Investoren die KI-Branche kollektiv überbewerteten: „Ja.“ Die derzeitige Begeisterung sei mit dem Dotcom-Boom der Jahrtausendwende vergleichbar, als sich viele Investoren an Internet-Start-ups verbrannten, obwohl die darunterliegende Technologie tatsächlich die Welt veränderte.
„Wenn Blasen entstehen, begeistern sich kluge Leute übermäßig für einen Kern von Wahrheit“, sagte Altman laut dem Portal „The Verge“. Es gäbe himmelhohe Bewertungen für Start-ups, die kaum mehr als eine Investorenpräsentation aufwiesen. Jemand werde „auf die Nase fallen“, so Altmans Warnung. „Befinden wir uns in einer Phase, in der Investoren insgesamt überdreht sind, was KI angeht? Ich denke ja. Ist KI das Wichtigste, was seit langer Zeit passiert ist? Ich denke auch ja.“
Bereits vor über einem Jahr hatten die Finanzhäuser Goldman Sachs und Sequoia vor einer Blasenbildung im KI-Sektor gewarnt.
Optimisten wie Analyst Dan Ives vom Finanzhaus Wedbush verweisen hingegen darauf, dass die Tech-Riesen wie Meta, Microsoft und Google hochprofitabel sind – und die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und -Dienstleistungen weiter steige.
Mit Material von Reuters.