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SparkasseChaos bei Paypal öffnet Tür für Betrüger

Die Störung beim Onlinebezahldienst Paypal ruft Betrüger auf den Plan, die Kontodaten abfischen wollen. Sparkassen, Bundesbank und Paypal selbst warnen.Elisabeth Atzler 01.09.2025 - 15:43 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Paypal: Zeitweise wurden Lastschriften vieler Nutzerinnen und Nutzer abgewiesen. Foto: picture alliance/dpa

Frankfurt. Die Probleme beim US-Onlinebezahldienst Paypal sorgen für Betrugsversuche. Sowohl Paypal selbst als auch die Bundesbank und die Sparkassen sehen die Gefahr betrügerischer Anrufe und Nachrichten. „Die Bundesbank warnt vor Betrugsversuchen per Telefon oder Internet im Namen von Paypal, bei denen Kunden zum Beispiel zur Erneuerung ihres Passwortes aufgefordert werden“, teilte sie am Montag mit.

Paypal wies Nutzerinnen und Nutzer darauf hin, dass Betrüger versuchen würden, sich als Mitarbeiter von Paypal oder Banken auszugeben. Schon Ende vergangener Woche hatten die Sparkassen vor betrügerischen Anrufen gewarnt, bei denen sich die Täter als Mitarbeiter des Instituts ausgeben. Diese habe es bereits vermehrt gegeben, heißt es auf Sparkasse.de.

Vorwand ist eine angebliche „Reparatur von Paypal-Transaktionen“, heißt es dort weiter. Ziel der Angreifer sei es, an Zugangsdaten und Sicherheitsnummern für das Onlinebanking zu gelangen. Einige Sparkassen machen auch per App und auf ihrer Onlineseite auf die Gefahr aufmerksam.

Hintergrund ist eine Paypal-Störung am 23. und 24. August. Wegen der Panne bei dem in Deutschland beliebten Bezahldienst hatten einige große Banken am Montag vergangener Woche Paypal-Lastschriften gestoppt oder vermehrt geprüft. Für Nutzerinnen und Nutzer von Paypal hatte das unter Umständen zur Folge, dass ihre Zahlungen für Onlineeinkäufe oder an andere Paypal-Nutzer zurückgewiesen wurden.

Dass Paypals Panne eine so große Wirkung hat, liegt an der enormen Bedeutung des Onlinebezahldienstes, besonders in Deutschland. Hierzulande ist Paypal die beliebteste Bezahlmethode im E-Commerce.

Paypal kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von 30 Prozent

Rund 30 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen Paypal regelmäßig oder zumindest gelegentlich. Dem EHI, einem Forschungsinstitut des Handels, zufolge kommt Paypal bei Zahlungen im Onlinehandel gemessen am Umsatz auf einen Anteil von fast 30 Prozent.

Die Bundesbank verwies darauf, dass in Zusammenhang mit dem Vorfall betrügerische Transaktionen an Banken weitergeleitet wurden. „Bei den weitergeleiteten Transaktionen handelte es sich überwiegend um Lastschriften, zum Teil zulasten nicht existenter Konten.“ Die Bundesbank ist für die Überwachung des Zahlungsverkehrs in Deutschland zuständig.

Insidern zufolge ging es um auffällige Zahlungsaufträge in Höhe mehrerer Milliarden Euro. In Finanzkreisen hieß es, es habe sogar eine einzige Lastschrift in Höhe von einer Milliarde Euro gegeben sowie weitere mit extrem hohen Beträgen.

Ein Teil der unberechtigten Lastschriften könne automatisch zurückgebucht werden, erklärte ein Insider. Das gelte aber wahrscheinlich nicht für alle Zahlungen, was einen großen Aufwand für die Geldhäuser bedeute. In einzelnen Fällen sei „ein manueller Eingriff erforderlich“, sagte der Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Thomas Groß, am Donnerstag. Die Helaba ist die zentrale Zahlungsdienstleisterin für einen Großteil der bundesweit 341 Sparkassen.

Paypal

Unberechtigte Lastschriften über Paypal sorgen für Verunsicherung

Paypal bestätigte, dass es eine Störung gab. Auslöser sei ein Fehler bei einem System-Update gewesen, teilte Paypal am Wochenende mit. „Die Störung betraf weniger als fünf Prozent unserer deutschen Kunden und Kundinnen.“ Die Ursache sei zwar schnell behoben worden. Aber es sei dem Unternehmen bewusst, dass manche Kunden nach wie vor von den Auswirkungen betroffen seien.

Branchenkenner gehen davon aus, dass Paypals System zur Verhinderung von Betrug, das eigentlich verdächtige Zahlungen herausfiltert, vorübergehend nicht funktioniert hat. Das Sicherungssystem gilt eigentlich als sehr leistungsfähig.

Auf der Bewertungsplattform Trustpilot klagen zahlreiche Kundinnen und Kunden über Probleme wie nicht eingelöste Lastschriften und negative Kontostände. Paypals Trustpilot-Bewertung ist deutlich schlechter als die des Wettbewerbers Klarna.

Verbraucherschützer werfen Paypal Verunsicherung der Kunden vor

Verbraucherschutzverbände hatten zuvor Paypals Kundenkommunikation kritisiert. „Der Zahlungsdienstleister muss seine Kundinnen und Kunden schnell aufklären, anstatt sie mit falschen Aussagen zur Kontodeckung zu verunsichern“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), am Freitag.

„Sollte Paypal unberechtigte Bearbeitungsgebühren verlangen, wird die Verbraucherzentrale den Klageweg prüfen“, kündigte Pop an. Paypal kündigte an, bestimmte Kosten zu erstatten: „Sollten Kundinnen und Kunden durch die aktuellen Ereignisse zu Unrecht eine Gebühr bezahlt haben, sollten sie Paypal kontaktieren, um eine Erstattung zu erhalten.“

Der Ausfall bei Paypal offenbare einmal mehr die Abhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern. „Hier braucht es mehr europäische Alternativen auf dem Markt“, sagte die VZBV-Vorständin. Neben Paypal spielen die US-Finanzkonzerne Mastercard und Visa eine große Rolle im europäischen Zahlungsverkehr, besonders bei grenzüberschreitenden Zahlungen.

Die Panne hatte dennoch auch für Verunsicherung im E-Commerce gesorgt. Der Handelskonzern Otto setzte Zahlungen per Paypal vorübergehend aus, da er „wie viele andere Händler, Marktplätze und Zahlungsdienstleister von den Auswirkungen der aktuellen Paypal-Störung betroffen“ sei. Freitagnachmittag habe das Unternehmen Paypal wieder als Bezahlmethode aktiviert.

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Der Online-Modehändler Zalando erklärte indes, dass die Paypal-Störung keine Auswirkungen auf das Unternehmen und seine Kundinnen und Kunden gehabt habe. „Alle Zahlungen wurden wie gewohnt abgewickelt, und es liegen uns keine Informationen über fehlgeschlagene oder zurückgebuchte Transaktionen vor.“

Erstpublikation: 28.08.2025, 17:00 Uhr (zuletzt aktualisiert: 29.08.2025, 15:00 Uhr)

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