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Software im Netz„Wir wollen das Internet sicherer machen“

Der langjährige IBM-Manager Martin Jetter wird Präsident des Vorstands der Scion Association. Sie hat eine Software zum sicheren Austausch von Daten entwickelt – und will die Programme nun weltweit ausrollen.Andreas Kröner 31.08.2025 - 07:18 Uhr Artikel anhören
Martin Jetter: Neue Aufgabe „im dritten Drittel meiner Karriere“. Foto: Scion

Frankfurt. Der ehemalige Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Martin Jetter ist künftig wieder verstärkt im Technologiesektor tätig. Der 65-Jährige ist bei der Schweizer Scion Association zum Präsidenten des Vorstands aufgestiegen. In dieser Funktion will er sich künftig weltweit verstärkt um das Thema Cybersicherheit kümmern.

Jetter freut sich, „dass ich mich im dritten Drittel meiner Karriere einem Thema widmen kann, das mir am Herzen liegt: Wir wollen das Internet sicherer machen“, sagte er dem Handelsblatt. Er sei überzeugt davon, dass Scion dazu mit seiner robusten und innovativen Software beitragen könne.

Scion ist eine Ausgründung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Sie hat eine Software entwickelt, mit der kritische Infrastruktur besser geschützt werden soll.

„Der sichere Austausch von Daten gewinnt rasend schnell an Bedeutung, weil Unternehmen immer mehr Prozesse digitalisieren“, erklärt Jetter. „Gleichzeitig steigen die Zahl und die Qualität von Cyberangriffen, weil Kriminelle dazu auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz einsetzen.“

Viele Behörden und Unternehmen nutzen für den Austausch vertraulicher Daten deshalb private Leitungen. Andere Konzerne setzen auf öffentliche, mit dem Internet verbundene Verbindungen beziehungsweise auf eine Kombination aus privaten und öffentlichen Leitungen. Die Software von Scion kann sowohl bei privaten als auch bei öffentlichen Netzwerken eingesetzt werden.

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Mit der Software könnten Netzwerkbetreiber ohne Unterbrechung zwischen verschiedenen Leitungen wechseln, wenn ein Teil des Systems angegriffen werde oder ausfalle, sagt Jetter.

Zudem könnten die Betreiber bestimmen, welche Teilnehmer in welchen Ländern Zugriff auf das Netzwerk hätten. „Dies ist in einer Welt, die wirtschaftlich und politisch leider immer stärker einem Flickenteppich gleicht, von großer Bedeutung – Stichwort Datensouveränität.“

Jetter will sein Netzwerk nutzen und expandieren

Bisher gibt es laut Jetter etwa 25 Netzwerkbetreiber, die die Scion-Software nutzen. Die größte Anwendung sei dabei das Secure Swiss Finance Network (SSFN), das von der Schweizerischen Nationalbank und der Schweizer Börse Six betrieben wird.

Über das System tauschen sich laut Scion inzwischen mehr als 300 Finanzinstitute weltweit aus. Dabei würden täglich Transaktionen im Wert von etwa 200 Milliarden Franken verarbeitet.

Jetter will das SSFN als Referenz verwenden, um mit Scion zu expandieren. „Mein Ziel ist es, dass unsere Technologie künftig weltweit genutzt wird, beispielsweise auch von Netzwerkbetreibern in den USA und Asien“, sagt er. „Dafür werde ich natürlich auch mein Netzwerk einbringen, das ich mir in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut habe.“

Martin Jetter

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Jetter ist in Engstlatt aufgewachsen, einem kleinen Ort am Fuß der Schwäbischen Alb, und hat anschließend Maschinenbau an der Technischen Universität Stuttgart studiert.

Anschließend arbeitete er mehr als 30 Jahre für den US-Technologiekonzern IBM – unter anderem in Europa, den USA und Japan. Mehrere Jahre leitete er auch das Geschäft von IBM in Deutschland – und baute dabei kräftig um.

Deutsche Unternehmen haben Interesse

2018 zog Jetter in den Aufsichtsrat der Deutschen Börse ein und stieg 2020 zum Chefkontrolleur auf. Damit war er der erste IT-Manager an der Aufsichtsratsspitze eines großen deutschen Finanzkonzerns. Nach der Hauptversammlung im Mai 2025 legte er sein Amt vorzeitig nieder und begründete dies mit anderen privaten und beruflichen Plänen – unter anderem in den USA und der Schweiz.

Nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Börse hat der Manager Mandate bei den US-Consultingfirmen Russell Reynolds und SYPartners übernommen. „Dabei berate ich Führungskräfte schwerpunktmäßig bei der technologischen Transformation von Unternehmen“, sagt Jetter.

Beides sind keine Vollzeitjobs, genauso wie das unbezahlte Präsidentenamt bei Scion. Bei der in Luzern beheimateten Organisation ist Jetter bereits seit 2022 im Beirat aktiv, in dem aus Deutschland unter anderem noch Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz vertreten ist.

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Scion ist ein gemeinnütziger Verein, arbeitet aber mit gewinnorientierten IT-Firmen wie Anapaya aus der Schweiz zusammen. „Sie implementiert unser Netzwerkprotokoll bei den Betreibern von Netzwerken“, erklärt Jetter.

Der Quellcode der Scion-Software ist öffentlich zugänglich. An ihrer Weiterentwicklung sind weltweit zahlreiche Partner beteiligt, hierzulande die Universität Magdeburg. „Wir sind auch in Deutschland in Gesprächen mit den Betreibern von Netzwerken, die Interesse an der Nutzung unserer Software haben“, sagt Jetter. Namen will er aktuell noch nicht nennen.

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