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Künstliche IntelligenzOpenAI-Konkurrent DeepL führt KI-Agenten ein

Die Kölner Übersetzungsfirma will Kunden künftig ein deutlich breiteres Angebot an Funktionen rund um Künstliche Intelligenz machen. Die Milliardenfirma wagt sich auf ein umkämpftes Feld.Larissa Holzki, Sebastian Matthes, Jan Lutz 03.09.2025 - 12:12 Uhr Artikel anhören
DeepL-Chef Jaroslaw Kutylowski (rechts) im Kreise seines Teams: „Fast unendlicher Markt“. Foto: DeepL

Düsseldorf. Die Kölner Übersetzungsfirma DeepL bietet ihren Kunden künftig auch KI-Agenten an. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kündigte Firmenchef Jaroslaw Kutylowski an, dass Nutzer mit den auf Künstlicher Intelligenz basierenden Funktionen künftig repetitive Aufgaben automatisieren können. Für das Unternehmen steht dahinter ein bedeutender Schritt: Erstmals erweitert die Firma ihr Angebot um KI-Funktionen, die über Sprachaufgaben hinausgehen.

Kutylowski sagte, sein Team wolle auf diese Weise in Zukunft noch mehr Einfluss haben: „Wir sehen einfach sehr, sehr, sehr viel Potenzial in agentischer KI.“

Dabei ist der Fokus auf Übersetzungen bisher das Erfolgsgeheimnis von DeepL. Über Jahre ist es dem Unternehmen dank seiner Spezialisierung gelungen, sich gegen mächtige Wettbewerber wie Googles Übersetzungsfunktion Translate zu behaupten. Nach eigenen Angaben zählt DeepL inzwischen 200.000 Geschäftskunden weltweit. Investoren haben die Firma bei einer Finanzierungsrunde im Frühjahr 2024 mit zwei Milliarden Dollar bewertet.

Doch inzwischen gibt es neue Wettbewerber am Markt: Denn auch Allzweck-Chatbots wie ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und „Le Chat“ von Mistral aus Frankreich werden zum Übersetzen eingesetzt. Und die versprechen Kunden zunehmend auch die Automatisierung ganzer Arbeitsprozesse. Es ist ein Trend, den DeepL offenbar nicht verpassen will.

Agenten sind wichtigster Softwaretrend des Jahres

Mit dem DeepL- Agenten will Jaroslaw Kutylowski Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Unternehmen die Automatisierung bestimmter Aufgaben selbst in die Hand legen. Dazu eigneten sich prinzipiell alle Aufgaben, die wiederholt anfielen, „einen gewissen Grad an Intelligenz“ benötigten, aber auch nur begrenzt komplex seien.

Als Beispiel nennt der DeepL-Chef die Vorbereitung eines Verkaufsgesprächs: So müssten etwa Salesteams immer wieder Informationen zu Kunden im Internet recherchieren, Daten zu dem Unternehmen in den eigenen Systemen heraussuchen und daraus Gesprächsunterlagen oder Präsentationsfolien erstellen. All das, sagt Kutylowski, könne auch ein KI-Agent übernehmen.

Solche und ähnliche Versprechen machen inzwischen viele Unternehmen. KI-Agenten sind der wichtigste Softwaretrend des Jahres. OpenAI hat kürzlich ChatGPT Agent vorgestellt, Microsoft-Nutzer können eigene Agenten mit Microsoft Copilot Studio erstellen. Die Berliner Firma n8n etwa bietet Softwarebausteine an, mit denen Unternehmen eigene Agenten erstellen können. Zudem bauen zahlreiche KI-Unternehmen eigene Beratungsteams auf, die mit ihren Kunden vor Ort die vielversprechendsten Anwendungsfälle erarbeiten und die dazu passenden agentischen Systeme für KI-basierte Automatisierung entwickeln.

Kutylowski will sich vom Wettbewerb abheben, indem DeepL-Agenten über alle Anwendungen hinweg aktiv werden können, die auch dem Nutzer zur Verfügung stehen. Der Agent arbeite sozusagen mit einer virtuellen Tastatur, einer virtuellen Maus und einem virtuellen Browser und habe auf die gesamte Nutzeroberfläche Zugriff. Es brauche „keine neuen Integrationen, keine Entwicklerarbeit“, verspricht Kutylowski: „Egal, was der Nutzer momentan machen kann, wir können das prinzipiell auch.“

DeepL-Agent könnte Weg an die Börse ebnen

Ausprobieren können das in einer Beta-Phase zunächst allerdings nur die Bestandskunden von DeepL, zu denen in Deutschland etwa die Deutsche Bahn zählt. Unternehmen wie die Bahn und andere professionelle Nutzer nutzen die Software von DeepL, um etwa längere Dokumente zu übersetzen, und können die Software auf die Besonderheiten ihrer Unternehmenssprache mit Produktnamen und Fachbegriffen anpassen.

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Für DeepL selbst dürfte es sich bei der neuen Produktkategorie um einen wichtigen Test handeln. Die 2017 gegründete Firma könnte bereits im nächsten Jahr einen Börsengang anstreben. Dafür braucht Kutylowski eine Wachstumsstory, die Investoren von dem noch bevorstehenden Wachstum der Firma überzeugt.

Dazu plant der Firmenchef mit seinen 1000 Beschäftigten offenbar vor allem, das Geschäft mit Bestandskunden zu vertiefen und zu erweitern. Die Palette an Kunden sei inzwischen so breit, dass der Markt „fast unendlich“ sei, sagt Kutylowski.

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Zeigen muss sich allerdings noch, ob Kunden, die sich für ein Übersetzungstool von DeepL entschieden haben, dem Unternehmen auch bei anderen Aufgaben vertrauen. Kutylowski ist da zuversichtlich. Viele Kunden hätten über Jahre Vertrauen in die in Europa gehostete Technologie aufgebaut und verarbeiteten mit DeepL bereits jetzt sensible Daten.

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