EZB: Lagardes indirekte Spitze gegen US-Präsident Trump
Frankfurt. Mit Bemerkungen zu anderen Zentralbanken oder politischen Verhältnissen sind Notenbanker per se äußerst zurückhaltend. Sie berufen sich im Allgemeinen stets auf ihr Mandat: die Wahrung von Preisstabilität.
Beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag gab Christine Lagarde einen ungewöhnlichen Kommentar ab – zwischen den Zeilen lässt sich Kritik an US-Präsident Donald Trump herauslesen, auch wenn Lagarde den Republikaner nicht beim Namen nannte.
„Wir haben das große Glück – und ich hoffe, es bleibt so –, dass unsere Entscheidungen auf Daten beruhen, deren Integrität nicht infrage gestellt wird“, sagte Lagarde bei der Pressekonferenz im Anschluss an den Entscheid. „Das wird von uns allen wertgeschätzt.“
Die Frage, auf die Lagarde antwortete, ging eher in eine andere Richtung. Doch es war der EZB-Präsidentin offenbar ein Anliegen, diese Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.
Ihre Bemerkung folgt, wenige Wochen nachdem Donald Trump die Chefin der US-Statistikbehörde feuerte, weil Daten zum Arbeitsmarkt nicht nach seinen Vorstellungen ausgefallen sind. Erika McEntarfer, die Leiterin des Bureau of Labor Statistics, musste Anfang August ihren Posten räumen, nachdem der vorgelegte Arbeitsmarktbericht unerwartet schwach ausgefallen war.