Ranking: Das sind Deutschlands beste Arbeitgeber des Jahres 2025
Köln. Für Nina Angermann hat die angespannte Wirtschaftslage in Deutschland auch etwas Gutes. Die Rekrutierung von Fachkräften gestaltet sich für die Geschäftsführerin von Consense Communications leichter. „Seit ungefähr Anfang des Jahres hat sich der Markt gedreht. Qualität und Quantität der Bewerbungen haben sich verbessert“, sagt Angermann.
Wenn Consense Communications neue Beschäftigte sucht, bewerben sich laut Angermann rund 30 Kandidaten. „Die Hälfte davon fällt leider mit Blick auf die fachlichen Anforderungen direkt raus, aber es sind auch zehn bis 15 wirklich Qualifizierte dabei“, sagt sie. Die wichtigsten Kanäle für das Unternehmen mit 20 Beschäftigten seien die eigene Webseite sowie Social-Media-Plattformen. Unter denen rangiere Instagram noch vor LinkedIn.
Consense Communications hat ein sechsköpfiges Team gebildet, um die eigenen Social-Media-Kanäle systematisch zu bespielen. Einmal pro Woche findet eine Redaktionssitzung statt. „Dort diskutieren wir, was uns und was die Branche beschäftigt. Dann entscheiden wir über die Inhalte“, sagt Angermann. Klassische Stellenanzeigen sind eher die Ausnahme. Stattdessen berichten Beschäftigte online zum Beispiel über ihren Arbeitsalltag. „Wichtig ist, dass wir als Arbeitgeber erlebbar werden“, sagt Angermann.
Stärken auf sozialen Netzwerken zeigen
Mit der Präsenz in sozialen Netzwerken kann Consense Communications die eigenen Stärken zeigen. Das Münchener Unternehmen ist in der Studie „Beste Arbeitgeber 2025“ des Marktforschungsunternehmens SWI Human Resources in seiner Größenklasse in allen fünf Kategorien unter den Besten vertreten. Besonders gut schneidet die Agentur bei der fairen Karriereförderung und der Familienfreundlichkeit ab. In der Studie wurden rund 2000 Unternehmen zu ihrer Arbeitsplatzkultur befragt. Außerdem umfasst die Erhebung eine Befragung über Branchentrends. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Rekrutierung – vor allem mit Blick auf die Frage, wo und wie potenzielle Kräfte angesprochen werden.
Die befragten Unternehmen nutzen zur Ansprache von möglichen Mitarbeitenden am häufigsten ihre eigene Website (97 Prozent). Jobportale folgen im Beliebtheitsranking mit 92 Prozent auf Platz zwei. Doch Social-Media-Kanäle haben mit 90 Prozent fast aufgeschlossen, im Jahr zuvor lagen sie noch bei 85 Prozent. „Mit Social Media erreichen Arbeitgeber ihre Adressaten dort, wo sie zunehmend Zeit verbringen“, sagt SWI-Studienleiter Johannes Higle. Hinzu kommt: Die unmittelbare Ansprache etwa über gezielte Werbeanzeigen erreicht Kandidaten, die zwar nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber womöglich eine berufliche Veränderung erwägen.
82 Prozent der von SWI befragten Unternehmen nutzen LinkedIn für ihr Recruiting. Als zweitbeliebtestes Netzwerk für diesen Zweck kommt Instagram auf 76 Prozent. Weit abgeschlagen mit nur 16 Prozent liegt Tiktok am Ende des Feldes, das von Xing (44 Prozent) und Facebook (31 Prozent) komplettiert wird.
Lamilux, ein Hersteller von carbon- und glasfaserverstärktem Kunststoff aus dem oberfränkischen Rehau, setzt neben anderen Kanälen auch auf Tiktok. „Wir bespielen Social-Media-Kanäle je nach Zielgruppe“, sagt Personalleiterin Jasmine Scholl. LinkedIn kommt bevorzugt zum Einsatz, wenn das Unternehmen mit seinen 1300 Beschäftigten in Deutschland Fach- und Führungskräfte sucht. Auf Instagram und Tiktok spricht Lamilux vor allem junge Menschen an.
Lamilux stellt pro Jahr rund 30 Auszubildende ein. Die Fachbereiche reichen von IT über Elektronik und kaufmännische Berufe bis zum handwerklich-technischen Bereich. „In der Regel schaffen wir es, unsere Azubistellen zu besetzen. Aber vor allem im handwerklichen Bereich wird es immer schwieriger“, sagt Scholl. Mit diesem Problem steht Lamilux nicht allein da. Laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) gelingt es nur rund der Hälfte der Unternehmen, alle Ausbildungsstellen zu besetzen.
Lamilux beginnt besonders früh mit der Rekrutierung und pflegt dafür die Zusammenarbeit mit Schulen. Dort bietet das Unternehmen fachliche Berufsorientierung und bringt jungen Menschen in Workshops Softskills wie Sozialkompetenz näher. Umgekehrt finden Schüler für Projekte regelmäßig den Weg ins Unternehmen.
Bei Lamilux entwickeln sie zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Kommunikationsabteilung eine Broschüre, die am Ende des Projektjahrs gedruckt wird. „So kommen wir in die Hinterköpfe der Schüler“, erläutert Scholl. Auch mithilfe der Auszubildenden macht das Familienunternehmen auf sich aufmerksam. So werden Lamilux-Azubis für ein ehrenamtliches Engagement freigestellt – sie helfen beispielsweise in Grundschulen dabei, Rechenkenntnisse zu vermitteln.
Zusätzlich besucht der Nachwuchs Kulturveranstaltungen, etwa ein klassisches Konzert in der Nachbarstadt Hof. „So mancher erlebt dann erstmals, wie ein Orchester als Ganzes funktioniert und wie ein Dirigent es zusammenhält. So wollen wir Schlüsselqualifikationen wie zum Beispiel Teamfähigkeit fördern“, sagt Scholl. Dabei behält das Unternehmen das künftige Recruiting im Blick. „Solche Aktivitäten sind für junge Menschen ein Grund, sich bei uns zu bewerben.“
Schneller Link für Bewerber
Eigene Wege beim Recruiting geht auch die Peter Mertes KG. Die Weinkellerei in Bernkastel-Kues an der Mosel mit knapp 400 Beschäftigten hat eine Webseite ausschließlich für die Personalbeschaffung eingerichtet. Beim Aufruf der Web-Adresse „wineandwork.de“ werden Kandidaten unmittelbar mit den Job-Benefits empfangen.
Das Unternehmen bietet Angestellten zum Beispiel Weihnachts- und Urlaubsgeld, eine Pensionskasse und 30 Urlaubstage. Die Bewerbung bedarf nur eines Mausklicks am unteren Ende der Seite. Der Button führt Kandidaten unmittelbar zu einem Bewerbungsformular.
SWI-Experte Higle hat beobachtet, dass solche sogenannten One-Click-Bewerbungen zuletzt an Beliebtheit gewonnen haben. „Die Arbeitgeber wollen es Bewerbern damit so leicht wie möglich machen. Die Bewerbungen sind zudem standardisiert und für Personalabteilungen leichter zu vergleichen.“ Außerdem sei davon auszugehen, dass eine höhere Anzahl an Bewerbungen eingeht. Damit können sich Arbeitgeber eine Datenbank mit Bewerbern für künftige Jobangebote anlegen.
Doch die One-Click-Bewerbung hat möglicherweise auch Nachteile. „Die höhere Anzahl an Bewerbungen kann auch zu Mehrarbeit in Personalabteilungen führen“, sagt Higle. „Und der geringe Aufwand bei Bewerbern führt möglicherweise dazu, dass sich viele unqualifizierte Kandidaten bewerben.“