Gründer: Geldflut und Überlebenskampf – Gespaltene Start-up-Welt
München. Die deutsche Start-up-Landschaft entwickelt sich zunehmend zu einer Zweiklassengesellschaft. Während einige wenige Wachstumsunternehmen hohe Summen von Investoren erhalten, kämpfen weite Teile der Szene mit Finanzierungsproblemen. Das geht aus den noch unveröffentlichten Marktdaten des „Deutschen Start-up Monitors“ (DSM) hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Dafür befragt der Bundesverband Deutsche Start-ups jedes Jahr rund 1800 Start-ups zu ihrer wirtschaftlichen Lage.
Zu den Positivbeispielen gehört Black Forest Labs. Am Wochenende erfuhr das Handelsblatt von Insidern, dass die deutsche KI-Firma offenbar Angebote für eine neue Finanzierungsrunde sondiert. Dabei soll das Unternehmen eine Bewertung von vier bis fünf Milliarden Dollar anstreben. Laut „Financial Times“ wollen Investoren zwischen 200 und 300 Millionen Dollar in die Firma stecken.
Black Forest Labs gehört damit zu einer kleinen Gruppe deutscher Jungfirmen, die trotz des schwierigen Umfelds Milliardenbewertungen erzielen. Die Start-ups Parloa und N8N (beide KI), der Drohnenspezialist Quantum Systems sowie das Quantenunternehmen IQM erreichten zuletzt eine Bewertung von einer Milliarde Euro.
Doch die Gelder konzentrieren sich auf immer weniger Firmen. Die zweite, viel größere Gruppe der Jungunternehmen tut sich mit der Finanzierung zunehmend schwer. Und so ist laut DSM das Geschäftsklima der Start-ups vor dem wichtigen Branchentreffen „Bits & Pretzels“, das am Montag in München beginnt, mit 31,7 Punkten so schlecht wie zuletzt zum Ausbruch der Coronapandemie.
Gründe für die miese Stimmung gibt es viele: Die für junge Firmen wichtige Zusammenarbeit mit Großkonzernen und Mittelständlern ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken. Die Zahl der Beschäftigten ist rückläufig. Zugleich lässt die Bereitschaft von Unternehmern nach, erneut ein Start-up zu gründen – was womöglich auch daran liegt, dass die Zahl der Start-up-Insolvenzen auf ein Rekordhoch geklettert ist.