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ChemieBASF verkauft Farbengeschäft an Finanzinvestor Carlyle

Die Lacksparte passt nicht ins Zukunftskonzept des Chemiekonzerns. Nun übernimmt ein Finanzinvestor mit Geld aus Katar die Mehrheit des BASF-Geschäfts. Investoren dürften profitieren.Bert Fröndhoff 10.10.2025 - 13:34 Uhr Artikel anhören
Forschung in der Lacksparte von BASF: Zuletzt kam das Geschäft auf einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro. Foto: ZB

Düsseldorf. BASF verkauft sein Geschäft mit Farben und Lacken mehrheitlich an den Finanzinvestor Carlyle. Der neue Eigentümer wird 60 Prozent an der Sparte übernehmen, wie BASF am Freitag mitteilte. Der Unternehmenswert bei der Transaktion beläuft sich auf 7,7 Milliarden Euro. Beteiligt an dem Deal ist auch der katarische Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) als Partner von Carlyle.

BASF wird durch den Verkauf der Mehrheit 5,8 Milliarden Euro einnehmen. „Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit Carlyle“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth. 40 Prozent des Kapitals von BASF Coatings wird der Konzern behalten. Damit zeige man „Vertrauen in die zukünftige Wertschaffung und das Potenzial“.

Die Sparte „BASF Coatings“ hat ihren Sitz in Münster/Westfalen und produziert zum großen Teil Lacke für die weltweite Automobilindustrie. Die Geschäftseinheit stellt aber auch Beschichtungen für Spielzeug und Folien für Beleuchtungen her. Zuletzt kam sie mit 10.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro.

Carlyle will zusammen mit BASF die Sparte weiterentwickeln und dabei auf seiner Industrieexpertise aufbauen. Martin Sumner, Leiter des globalen Industriegeschäfts bei Carlyle, sagte dem Handelsblatt: „Unsere Wachstumsstrategie zielt darauf ab, sowohl bestehende Kundenbeziehungen zu stärken als auch neue Kunden zu gewinnen.“ Während der Schwerpunkt auf organischem Wachstum liege, sei Carlyle jedoch auch offen „für selektive oder opportunistische Akquisitionen."

Der katarische Staatsfonds QIA will die weitere Expansion begleiten - vor allem wohl mit finanziellen Mitteln. „Diese Investition entspricht dem Ansatz der QIA, in Branchenführer zu investieren, und belegt unser Vertrauen in die langfristige Widerstandsfähigkeit deutscher Unternehmen“, sagte QIA-Chef Mohammed Al‑Sowaidi.

Für BASF ist es der nächste große Schritt in der neuen Strategie von Kamieth. Der Konzern hat mehrere Teile ausgegliedert und zur Disposition gestellt, die nicht mehr zum neuen Kern des Konzerns gehören.

BASF fokussiert sich auf Geschäfte, deren Herstellung miteinander verbunden ist und die somit von internen Synergien profitieren können. Die Produktionskette reicht von Basischemie und Kunststoffen bis hin zu Inhaltsstoffen für Kosmetik und Pharma.

BASF will mit diesem Verbundkonzept im weltweiten, härteren Wettbewerb der großen Chemieanbieter besser punkten. Vor allem aus China und dem Nahen Osten drängen Anbieter auf den Weltmarkt, die über Standorte mit niedrigen Kosten für Energie und Personal verfügen. Nach dem BASF-Verbundprinzip funktioniert auch der für rund neun Milliarden Euro erbaute neue Mega-Standort im Süden Chinas, der jetzt hochgefahren wird.

Mit dieser Strategie will BASF bis 2028 den bereinigten Konzerngewinn auf zehn bis zwölf Milliarden Euro steigern – bei „moderaten bis guten ökonomischen Rahmenbedingungen“. Das Ziel ist ambitioniert. Weil weiterhin keine konjunkturelle Erholung absehbar ist, musste BASF bereits für 2025 die Prognose kräftig eindampfen.

Das Management rechnet für 2025 nun mit einem bereinigten Gewinn (Ebitda vor Sondereinflüssen) zwischen 7,3 Milliarden und 7,7 Milliarden Euro. Analysten schätzen den Umsatz in diesem Jahr auf 64 Milliarden Euro.

Auf dem Kapitalmarkttag vor einer Woche unterstrich Kamieth diesen Plan noch einmal. „Wir machen gute Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie und sind zuversichtlich, unsere finanziellen Ziele für 2028 zu erreichen“, sagte er.

Der Chemiekonzern hat Anlegern zudem Aktienrückkäufe im Volumen von vier Milliarden Euro versprochen. Mit diesem Programm könnte BASF nun früher starten als zum bisher angedachten Zeitpunkt 2027. Das Management deutete auf dem Kapitalmarkttag an, Einnahmen aus Verkäufen für die Rückkäufe zu nutzen.

Damit soll auch der weiterhin schwache Aktienkurs Auftrieb bekommen. Das Geld aus dem Coatingsverkauf könnte nach Abschluss des Deals im zweiten Quartal 2026 in die BASF-Kasse fließen.

Das Farbensegment gehört nicht mehr zu den Kerngeschäften. Die Sparte ist zwar profitabel und gilt als zukunftsfähig, auch wenn aktuell die Verkäufe unter der Krise der Automobilindustrie leiden. Carlyle-Manager Sumner erläutert: „Es ist ein hochspezialisiertes Geschäft mit individuellen Produkten für jeden Kunden.“ Daher sei die Sparte weniger konjunktursensibel als beispielsweise Basischemikalien. Außerdem habe das Coatings-Geschäft eine starke Marktposition in China, wo die Automobilproduktion nach wie vor rund laufe.

Doch Analysten und auch das BASF-Management selbst rechnen in der noch immer kleinteiligen globalen Lackindustrie mit zahlreichen Übernahmen und Fusionen in den kommenden Jahren.

Auf Dauer, ergibt die interne Analyse von BASF, wäre das eigene „Coatingsgeschäft“ im globalen Wettbewerb zu klein. Zum Vergleich: Weltmarktführer Sherwin-Williams aus den USA kommt auf mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz, Akzo-Nobel aus den Niederlanden auf zehn Milliarden Euro.

Bei einer in nächster Zukunft erwarteten kapitalintensiven Neuordnung der Farbenbranche will BASF nicht mehr mitmischen. Der Konzern hat einen Sparkurs eingeleitet, mit dem die verfügbaren finanziellen Mittel auf die Kerngeschäfte konzentriert werden sollen.

Das Investitionsbudget für die kommenden Jahre wurde nach der jetzt abgeschlossenen Expansion in China deutlich gesenkt. Auch die Dividende wurde gekürzt, im Gegenzug kündigte BASF aber die Aktienrückkäufe an.

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Für einen Finanzinvestor ist die Lage in der Farbenindustrie hingegen eine gute Basis für das übliche Vorgehen: Die Fonds kaufen typischerweise im Laufe der Zeit mehrere weitere Anbieter einer Industrie auf, um größere und schlagkräftigere Unternehmen für den Weltmarkt zu formen. Anschließend suchen sie einen sogenannten „Exit“ über einen Weiterverkauf oder einen Börsengang.

Carlyle hat Erfahrung im Chemiegeschäft. Die Amerikaner haben 2018 zusammen mit dem Staatsfonds GIC aus Singapur das Spezialchemiegeschäft der niederländischen Akzo-Nobel übernommen. Der Deal hatte ein Volumen von zehn Milliarden Euro. Laut Branchenkreisen sondiert Carlyle aktuell einen Börsengang für das Unternehmen, das heute Nouryon heißt.

Auch der Farbenhersteller Akzo-Nobel soll laut Finanzkreisen Interesse am Coatingsgeschäft von BASF gezeigt haben. Nach mehreren Auktionsrunden seien die Niederländer aber ausgestiegen. Der Bieterkreis bestand danach nur noch aus Finanzinvestoren, zuletzt habe BASF dann nur noch mit Carlyle verhandelt.

Zu den ausgegliederten Geschäften von BASF gehört auch die Agrarsparte mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut, die zuletzt auf einen Umsatz von zehn Milliarden Euro kam. Das Segment wird derzeit vom Konzernverbund abgetrennt und soll 2027 teilweise an die Börse gebracht werden.

Beschichtungen von BASF-Coatings: Ein Teil der Sparte wurde bereits veräußert. Foto: dpa

BASF ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit ersten Produktionslinien größer ins Geschäft mit Farben und Lacken eingestiegen. In der heutigen Form geht das Coatings-Geschäft auf die Übernahme der Glasurit-Werke Max Winkelmann im Jahr 1965 zurück. Das damalige Hamburger Familienunternehmen wurde 1865 von dem gleichnamigen Kaufmann als Spezialist für Schiffslacke gegründet.

Einen Teil seiner Coatings-Sparte hatte BASF bereits veräußert: Anfang Oktober wurde das brasilianische Geschäft für Bautenanstrichmittel an den US-Beschichtungshersteller Sherwin-Williams für 1,18 Milliarden Dollar übertragen.

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Anders als zunächst angedeutet, soll zum Gewinnwachstum von BASF bis 2028 nun auch die Sparte Katalysatoren beitragen. Dieses ausgegliederte Geschäft will der Konzern jetzt doch auf längere Zeit behalten. ECMS ist ein weltweit führender Hersteller von Abgaskatalysatoren für Verbrennerfahrzeuge und bietet Edelmetallprodukte an.

Im Jahr 2024 erzielte ECMS sieben Milliarden Euro Umsatz. Die Sparte erwirtschaftet einen starken Finanzüberschuss (Cashflow). Auf diese freien Mittel will BASF in den kommenden Jahren offenbar nicht verzichten. Mitarbeit: Jakob Blume

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