Abnehmmittel: Duell um Metsera – Novo Nordisk überbietet Pfizer
München. Um das US-Biotech-Unternehmen Metsera tobt ein Übernahmekampf: Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk legt eine Gegenofferte zum Übernahmeangebot des US-Rivalen Pfizer vor. Novo biete 56,50 Dollar je Metsera-Aktie in bar, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Das Angebot bewertet Metsera mit sechs Milliarden Dollar und liegt über den 47,50 Dollar je Aktie, die Pfizer im September geboten hatte. Das entspricht einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden Dollar.
In beiden Offerten sagen die Konzerne zudem Zusatzzahlungen zu, die bei Erreichen bestimmter klinischer und zulassungsrechtlicher Meilensteine fällig werden. Diese könnten den Kaufpreis um mehrere Milliarden Dollar erhöhen.
Metsera erklärte, das Angebot von Novo Nordisk sei „überlegen“. Pfizer bezeichnete die Offerte dagegen als „leichtsinnig und beispiellos“. Die Dänen wollten so einen aufstrebenden US-Konkurrenten ausschalten und damit gegen Wettbewerbsrecht verstoßen, erklärte der Konzern am Donnerstag. Zudem sei die Transaktion so konstruiert, dass sie Kartellauflagen umgehe und erhebliche regulatorische Risiken berge.
Die Aktien von Metsera stiegen an der Wall Street um mehr als 20 Prozent. An der Börse in Kopenhagen verloren die Novo-Aktien rund vier Prozent.
Metsera entwickelt mehrere Abnehmmittel, darunter eine monatlich zu injizierende Spritze, die kurz vor der entscheidenden Zulassungsstudie steht. Zwei Abnehmpillen des Unternehmens befinden sich noch in einem frühen Stadium und sollen erst demnächst in die klinische Entwicklung gehen.
Zudem arbeitet Metsera an einem sogenannten Amylin-Analogon, das sowohl allein als auch in Kombination mit einem GLP-1-Wirkstoff eingesetzt werden kann. Novo Nordisks Abnehmpille Cagrisema basiert auf derselben Kombination.
Wettrennen um die Abnehmpille
Jüngste Studiendaten zu Cagrisema hatten Investoren enttäuscht, da sie keinen klaren Vorteil gegenüber bestehenden Adipositas-Mitteln zeigen konnten.
Novo Nordisk und der US-Rivale Eli Lilly liefern sich ein Wettrennen um die Abnehmpille. Beide wollen im kommenden Jahr mit ihrem Produkt auf den Markt kommen. Eli Lillys Vorstandschef kündigte kürzlich an, der Konzern habe bereits Bestände seiner Abnehmpille im Wert von über 15 Milliarden Dollar angelegt, weit mehr, als Analysten prognostiziert hatten.
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Mit einer Übernahme von Metsera würde Novo Nordisk also ähnliche Produkte einkaufen, wie sie der Konzern bereits hat. Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, sieht das kritisch. „Novo Nordisk sollte lieber an seiner Tablettenstrategie arbeiten, statt sein Spritzenportfolio weiter auszubauen“, sagt er.
„Es bestehen erhebliche wettbewerbsrechtliche Risiken, und es bleibt offen, ob Pfizer mit einem höheren Angebot zurückschlägt“, sagte Manns.
UBS-Analyst Mat Weston sieht die geplante Übernahme dagegen strategisch als eine gute Ergänzung, warnt aber vor Überschneidungen im Portfolio: „Die Präparate würden gut in Novo Nordisk bestehende Vertriebsstrukturen passen, doch der Zukauf könnte Zweifel an der Priorität für Cagrisema wecken.“
Für Pfizer wäre es ein Wiedereinstieg in den Markt für Abnehmmittel. Der Konzern hatte zuvor eine eigene Abnehmpille in der Entwicklung, die jedoch gestoppt wurde, nachdem in einer Studie Anzeichen von Leberschäden auftraten.