Biotech: Qiagen hebt Prognose an, kauft in USA und sucht neuen Chef
Frankfurt. Der Labordienstleister und Diagnostikspezialist Qiagen sucht einen neuen Chef. Der bisherige Unternehmenschef Thierry Bernard werde zurücktreten, sobald ein Nachfolger ernannt worden sei, teilte Qiagen überraschend am Dienstagabend im niederländischen Venlo mit. Zudem legte das im deutschen Leitindex Dax gelistete Unternehmen Quartalszahlen vor, erhöhte seine Gewinnprognose und kündigte die Übernahme des US-Biotechunternehmens Parse Biosciences an.
Bernard und der Aufsichtsrat hätten sich darauf geeinigt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Nachfolgeprozess gekommen sei, hieß es weiter. Die Suche nach internen und externen Kandidaten habe begonnen. Bernard gehörte seit 2015 zu Qiagen und leitet die Geschicke des Unternehmens seit 2019.
Dank guter Geschäfte im abgelaufenen Quartal hob der Konzern zudem seine Gewinnprognose für 2025 an. Der Umsatz habe im dritten Quartal bei konstanten Wechselkursen um sechs Prozent auf 533 Millionen Dollar zugelegt, hieß es.
Der operative Gewinn wuchs um 15 Prozent auf 129 Millionen Dollar. Unter dem Strich verdiente Qiagen mit 130 Millionen Dollar sogar ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die bereinigte operative Marge habe bei 29,6 Prozent gelegen, der bereinigte verwässerte Gewinn je Aktie bei 0,61 Dollar. Dieser habe die Prognose von mindestens 0,58 Dollar übertroffen.
Das Management um Vorstandschef Thierry Bernard zeigte sich daher für das Gesamtjahr zuversichtlicher. Bei einem weiterhin anvisierten Umsatzwachstum von etwa vier bis fünf Prozent werde nun ein verwässerter Gewinn je Aktie von etwa 2,38 Dollar erwartet nach bislang 2,35 (Vorjahr: 2,20) Dollar.
Zukauf in den USA
Zudem kündigte Qiagen an, Parse Biosciences gegen eine Vorauszahlung von rund 225 Millionen Dollar in bar sowie weitere potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 55 Millionen Dollar übernehmen zu wollen. Das 2018 gegründete Parse Biosciences mit Hauptsitz in Seattle, Washington, sieht sich mit seinen rund 110 Mitarbeitern als ein führender Anbieter skalierbarer, instrumentenfreier Lösungen für die Einzelzell-Forschung.
Mit dem Zukauf erweitere Qiagen sein Portfolio an Probentechnologien maßgeblich in den schnell wachsenden Markt für Einzelzell-Sequenzierung mit einer hochskalierbaren Chemie, die Forschungen mit Millionen bis Milliarden von Zellen ermöglicht. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende des Jahres erwartet. 2026 dürfte Parse rund 40 Millionen Dollar zum Umsatz von Qiagen beitragen.
Desweiteren kündigte Qiagen einen synthetischen Aktienrückkauf über eine halbe Milliarde US-Dollar (434 Mill. Euro) an. Dieser soll im Januar 2026 beginnen und kurz darauf abgewickelt werden. Er besteht aus einer Barauszahlung an die Aktionäre und einer Zusammenlegung von Aktien. Ausgeschüttet wird dabei durch die Erhöhung und anschließende Reduzierung des Nennbetrags der Aktien und nicht durch die Ausschüttung des Gewinns.