Dax: Am deutschen Aktienmarkt deutet sich eine Einstiegschance an
Düsseldorf. Die Stimmungslage am deutschen Aktienmarkt ist getrübt, wie die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt. Doch es gibt Aussicht auf Besserung – nicht nur dank der möglichen Einigung im US-Haushaltsstreit.
Für das Sentiment befragt das Handelsblatt jede Woche von Freitagmorgen bis Samstagabend etwa 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Die aktuelle Umfrage zeigt, dass die Stimmung (Sentiment) mit minus 3,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Juni erreicht hat. Ab Werten von minus vier gilt die Stimmung als extrem schlecht.
Heibel führt das unter anderem auf eine allgemeine Unsicherheit am Markt zurück. Viele Anleger fragten sich derzeit, ob sich die Investitionen der Unternehmen in Künstliche Intelligenz (KI) lohnen. Sollten sich die Zweifel daran verstärken, könnte eine Krise der KI-Aktien den gesamten Markt mit nach unten reißen.
Der Aufwärtstrend an den US-Börsen wurde dadurch vorerst gestoppt. Dem kann sich auch der Dax nicht entziehen, der vergangenen Freitag den tiefsten Stand seit Mitte September erreichte. Nur noch vier Prozent der Befragten verorten den Dax daher aktuell in einem Aufwärtstrend.
Auch die Verunsicherung unter den Befragten steigt. Sie wird gemessen, indem die Teilnehmer gefragt werden, ob sich ihre Erwartungen in der vergangenen Handelswoche erfüllt haben. Dieses Mal sagten nur noch 44 Prozent, dass sich ihre Erwartungen vollständig oder zum größten Teil erfüllt haben. In der Vorwoche waren es noch 61 Prozent.
Heibel ermittelt aus den Antworten, ob die Anleger selbstsicher oder verunsichert sind. Je niedriger der Wert ist, desto verunsicherter sind die Teilnehmer – in dieser Woche ist der Wert mit minus 4,9 Punkten so tief wie zuletzt Anfang April, als US-Präsident Donald Trump einen Handelsstreit mit der restlichen Welt begann.
Dass sich in schlechten Börsenphasen die Stimmung verschlechtert und die Verunsicherung steigt, ist nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist für Heibel daher in dieser Woche eine andere Entwicklung: „Aus Sicht der Sentimenttheorie bedeutend ist das gleichzeitige Abrutschen der Zukunftserwartung.“
Anleger werden pessimistischer
Normalerweise steigt die Zukunftserwartung mit den fallenden Kursen. Die Überlegung dahinter: Je niedriger das Kursniveau ist, desto stärker wurde das Korrekturpotenzial bereits ausgereizt. Dementsprechend schätzen Anleger die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Kurse bald wieder steigen.
Dieses Mal ist es anders: Die Zukunftserwartung sinkt. „Der Wert von minus 0,2 Punkten kann zwar noch als neutral bezeichnet werden. Doch er liegt um 0,6 Punkte unter dem Wert der Vorwoche“, sagt Heibel.
Das ist für den Aktienmarkt eine konstruktive Ausgangslage. Denn in der Sentimenttheorie ist eine extrem schlechte Stimmung ein Indikator dafür, dass bereits so viele Pessimisten ihre Positionen verkauft haben, dass nun schon wenige neue Käufer reichen, um die Kurse wieder nach oben zu bewegen.
Herrschen Angst und Panik am Markt vor, ist das dementsprechend ein Einstiegssignal. Auf die aktuelle Situation bezogen sagt Heibel: „Die Angst und Panik ist noch nicht groß genug, um als stabiles Sicherungsnetz interpretiert werden zu können. Am Umfrageergebnis können wir aber ablesen, dass ein guter Teil der möglichen Ängste bereits ein Ventil im Verkaufen fand.“
Allerdings weist der AnimusX-Geschäftsführer darauf hin, dass es bislang vor allem die vormaligen Gewinneraktien sind, die fallen – insbesondere aus dem KI-Bereich. Unternehmen mit langweiligen, aber stabilen Geschäftsmodellen, die Anleger hauptsächlich wegen ihrer verlässlichen Dividenden schätzen, haben dagegen weniger stark reagiert.
Daraus leitet Heibel ab, dass das Freitagstief im Dax von 23.453 Punkten nicht zwingend der Tiefpunkt der laufenden Konsolidierung sein muss. Gleichzeitig sagt er: „Ich würde weitere Ausverkäufe als überschaubar einstufen, da es nur noch wenige Anleger gibt, die wirklich falsch positioniert wären.“
Viele Anleger sind bereits vorsichtig positioniert
Denn auf steigende Kurse setzen derzeit nur wenige, erklärt Heibel: „Aus dem Umstand, dass trotz deutlich gefallenem Kursniveau die Zukunftserwartung rückläufig ist, würde ich ableiten, dass Anleger eher skeptisch, also vorsichtig positioniert sind.“
Er hält daher eine positive Dynamik für möglich, die beim Dax zu einem kräftigeren Kursanstieg auf weit über 24.000 Punkte führen könnte. „Dann dürften es einige Anleger bereuen, auf dem aktuell niedrigen Kursniveau nicht zugegriffen zu haben“, sagt Heibel.
Denn wie die Sentimentumfrage ebenfalls zeigt: Mögliche Käufer gibt es wieder.
Die Investitionsbereitschaft hat sich auf plus 1,1 Punkte erholt. Das ist der höchste Wert seit einem Monat.
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Samstagabend.