Kommentar: Trump schadet sich mit seinen Angriffen auf die Fed selbst

Hat Donald Trump zumindest ein wenig recht mit seinen Attacken auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed? Ist ein elitärer Klub von Technokraten, die einmal ernannt völlig unkontrolliert zentrale Parameter für die gesamte Volkswirtschaft festlegen, wirklich der ideale Weg, Geldpolitik zu betreiben?
Am Ende gilt für die politische Unabhängigkeit der Notenbanken sinngemäß das, was Winston Churchill über die Demokratie gesagt hat: ein System voller Fehler, aber das beste, das wir haben.
Jede funktionierende Marktwirtschaft braucht ein stabiles Finanzsystem, das das Kapital effizient verteilt. Und jedes Finanzsystem braucht einen ruhenden Pol, der präzise definierte Ziele nach transparenten Regeln mit einem klar definierten Instrumentarium umsetzt. Dieser Pol ist im Fall der USA die Fed, die für Preisstabilität und Vollbeschäftigung sorgen soll.
Das Absurde an Trumps Dauerstreit mit Fed-Chef Jerome Powell ist, dass Trump damit seine eigenen politischen Ziele gefährdet. Jamie Dimon, der Chef der Großbank J.P. Morgan, weist völlig zu Recht darauf hin, dass der Präsident mit seinen Attacken auf die Unabhängigkeit der Notenbank am Ende das Gegenteil von dem erreichen könnte, was er eigentlich will, nämlich steigende Inflationserwartungen und höhere Leitzinsen.
Außerdem gefährdet Trump die Rolle des Dollars als Weltleitwährung. Ein schwacher Wechselkurs macht zwar amerikanische Exporte wettbewerbsfähiger, aber schwindendes Vertrauen in den Dollar bedeutet zugleich höhere Finanzierungskosten für die ausufernden US-Staatsschulden, und das kann sich der Präsident eigentlich nicht leisten.
Trumps „Big Beautiful Bill“ mit ihren Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen für Grenzschutz und Verteidigung wird den Prognosen zufolge bis 2035 das US-Haushaltsdefizit auf über sechs Prozent und das Verhältnis von Schulden zur Wirtschaftsleistung auf 120 Prozent anschwellen lassen. Schon jetzt müssen die USA eine Billion Dollar an Zinsleistungen leisten, mehr als die jährlichen Ausgaben für Verteidigung.
Aber Trumps Fed-Attacken bedrohen nicht nur die Wirtschaft der USA, sondern das gesamte globale Finanzsystem. Immer wieder hat die Fed in akuten Krisen die Welt mit Dollar-Liquidität versorgt und damit ein gefährliches Austrocknen der Märkte verhindert. Das war während der Finanzkrise 2008 genauso wie in der Coronapandemie vor fünf Jahren.
Sollten Zweifel aufkommen, dass eine Notenbank, die vor allem den politischen Interessen der US-Regierung dient, diese Aufgabe auch in Zukunft wahrnimmt, wäre das ein Großrisiko für die globale Finanzstabilität. Eine neue Finanzkrise braucht aber auch Donald Trump so dringend wie eine Niederlage bei den Zwischenwahlen im November.