Kommentar: Nur ein Mensch weiß, was Trump mit Grönland wirklich vorhat

Donald Trump hat es mal wieder geschafft, im Mittelpunkt zu stehen. Seit Tagen wird jedes Wort, das er über Grönland sagt – oder gesagt haben könnte –, aufmerksam beobachtet, geteilt und kommentiert. Selbst wenn er gar nicht anwesend ist, dominiert er die Gespräche: was er sagt, was er gesagt hat und was er vielleicht noch sagen wird.
So auch bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Dänemarks Außenminister Lars Lokke Rasmussen und der für Außenpolitik zuständigen grönländischen Ministerin Vivian Motzfeldt am Mittwoch. Beiden war der Schock, die Sorge und die Anspannung der vergangenen Tage, Wochen und Monate deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Wir haben es nicht geschafft, die amerikanische Position zu ändern“, musste Rasmussen nach dem Treffen mit US-Vizepräsident J.D. Vance und US-Außenminister Marco Rubio eingestehen. Treffender kann man das Gespräch nicht zusammenfassen. Immerhin, beide Seiten wollen weiter miteinander sprechen.
Nicht nur in Kopenhagen und Nuuk, auch in anderen europäischen Hauptstädten zerbrechen sich die politischen Entscheidungsträger nun also weiter die Köpfe: Meint es Trump wirklich ernst damit, dass er Grönland überfallen will?
Oder will er Dänemark nur wachrütteln, mehr für die Sicherheit der Insel zu tun, wie damals, als er drohte, die Nato zu sprengen, und dann damit zufrieden war, dass die Verbündeten mehr für das Verteidigungsbündnis zahlen?
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Oder ist alles nur ein Spiel um Aufmerksamkeit? Trump liebt das Rampenlicht, er kann gar nicht genug davon bekommen, wenn alle Augen auf ihn gerichtet sind. Vielleicht ist es auch das, was ihn immer weiter antreibt, über eine Grönland-Invasion zu fantasieren.
Oder ist es sein Verlangen nach immer neuen Superlativen? Würde er Grönland in die USA eingliedern, würde das sogar den Kauf von Alaska übertrumpfen. Was für eine Leistung.
Die internationalen Reaktionen zeigen, dass niemand genau weiß, ob Trump es diesmal ernst meint – oder ob es nur ein Bluff ist, der irgendwann einfach verpufft. Anfang des Jahres wollte er schließlich auch noch den Panamakanal zurückerlangen – heute ist es erstaunlich still geworden um das Thema.
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Am Ende weiß nur Trump, was er vorhat. Dänemark und Grönland fahren vor diesem Hintergrund daher gemeinsam mit Frankreich, Deutschland, Schweden und anderen Verbündeten lieber eine mehrgleisige Strategie: Trump beschwichtigen, aber gleichzeitig Unwahrheiten benennen und rote Linien ziehen – auch wenn nicht klar ist, wie diese am Ende verteidigt werden sollen, falls der US-Präsident sie tatsächlich überschreitet.
Bei all dem Hin und Her, den Spekulationen und Sorgen rücken drängendere Themen in den Hintergrund. Was war eigentlich noch einmal mit den Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine? Stimmt, da war doch was. Schon fast vergessen.