Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst erstmals seit zwei Jahren
Düsseldorf. Die deutsche Wirtschaft ist 2025 nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das hatten führende Forschungsinstitute auch vorausgesagt. Im vierten Quartal ist die Wirtschaft gewachsen, nachdem sie zu Beginn des Jahres erst geschrumpft und dann stagniert war.
2024 hatte es einen Rückgang von 0,5 Prozent gegeben, 2023 von 0,9 Prozent. Das BIP befindet sich derzeit auf dem Niveau des Jahres 2019, de facto ist die deutsche Wirtschaft damit seitdem nicht mehr gewachsen. Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind unter anderem die schwierige geoökonomische Lage sowie der Strukturwandel in der Industrie. Dieser trifft industrieintensive Bundesländer besonders stark.
Ökonomen trauen Europas größter Volkswirtschaft im laufenden Jahr ein Wachstum von etwa einem Prozent zu – begünstigt von einer höheren Zahl von Arbeitstagen und steigenden staatlichen Investitionen in Aufrüstung und Infrastruktur. 0,7 Prozentpunkte des Wachstums könnten 2026 alleine darauf zurückgehen. In der Bauindustrie, die vom Sondervermögen der Bundesregierung profitieren sollte, ist die Stimmung nach wie vor eingetrübt.
Eine Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt, dass Unternehmen insgesamt pessimistisch auf das neue Jahr blicken. Viele Firmen planen einen Stellenabbau.
Das Kieler IfW-Institut stellt in seiner Mittelfristprognose trübe Aussichten für das langfristige Wachstum des BIPs fest. Die Wachstumsrate des Produktionspotenzials dürfte von derzeit rund 0,5 Prozent auf etwa 0,3 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts sinken. Das Potenzialwachstum gibt die jährliche Wachstumsmöglichkeit bei Normalauslastung an – also das, was die Wirtschaft aus sich heraus ohne Einfluss äußerer Faktoren leisten kann. Als Hauptgrund nennen die Forscher die demografische Alterung, die zu weniger Arbeitskraft im Land führen könnte.
Bei den Staatsausgaben setzt sich der Trend des Vorjahres fort. Der deutsche Staat hat erneut mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung 2025 bei 2,4 Prozent – nach 2,7 Prozent ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt anhand erster Daten errechnet hat.